Hohenlohe-Franken

Stadtrat Aub Steinbruchbesitzer schreibt offenen Brief wegen Vorwürfen zu Asphaltablagerungen

„Habe den Betrieb damals gutgläubig übernommen“

Aub.Bei der Sommersitzung des Auber Stadtrates ging es unter anderem um Vorwürfe wegen Asphaltablagerungen im Baldersheimer Steinbruch und verschiedene Bausachen.

Mit der Ausweisung des Baugebietes „Heerstraße II“ will die Stadt Aub Bauinteressenten kurzfristige eine Perspektive auf Baugrund geben. Deshalb beschloss der Auber Stadtrat, das bestehende Baugebiet an der Heerstraße in nördliche Richtung zu erweitern. In einem beschleunigten Verfahren soll ein weiteres Baugebiet entwickelt werden. Erforderliche Gutachten zum Lärmschutz, zur Staubbelastung und zu Erschütterungen aus dem Steinbruch wurden bereits in Auftrag gegeben.

Der Lärmschutz betrifft die vorbeiführende Staatsstraße. Hier soll ein Lärmschutzwall für Abhilfe sorgen. Wie Dietmar Schmidt, der Leiter des Bauamtes der Verwaltungsgemeinschaft Aub (VG), informierte, ist das Gutachten zum Staub kurz vor der Fertigstellung. Er erwartet keine gravierenden Schwierigkeiten.

Das neue Baugebiet Heerstraße II hat eine Fläche von rund 11 000 Quadratmetern. Wie die neue Straße genau verlaufen soll, ob bereits bestehende Pläne umgesetzt werden, steht noch nicht fest. Vorteil eines neuen Baugebietes an dieser Stelle ist, dass die Stadt Aub bereits Eigentümer des größten Teils der betreffenden Fläche ist. Das beschleunigte Verfahren ermöglicht den Gemeinden ortsnahe Baugebiete unter erleichterten Bedingungen. So fällt die frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange ebenso weg wie die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Bereitstellung von Ausgleichsflächen. Auch verschiedene aktuelle Entwicklungen wurden bei der Sitzung bekanntgegeben. Der Bademeister des Baldersheimer Schwimmbades hat überraschend seinen Dienst quittiert. Laut Bürgermeister Robert Melber ist aber schon Ersatz gefunden. .

Zum Abschluss des öffentlichen Teils der Sitzung verlas Bürgermeister Melber einen offenen Brief des Betreibers des Baldersheimer Steinbruches an den Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz des Bayerischen Landtages, an die Vorsitzenden der Fraktionen im Landtag, an den Bürgermeister und an die Medien.

Der Steinbruchbetreiber beklagt sich in dem Schreiben, er werde für einen riesigen Umweltskandal verantwortlich gemacht, der mit der Realität nichts zu tun habe. Die fraglichen Ablagerungen seien nach dem Schreiben bereits lange vor der Übernahme des Steinbruches durch ihn erfolgt. Er habe den Betrieb erst Ende 1998 übernommen. Die Deponierung des strittigen Materials sei damals durch die Aufsichtsbehörde beim Landratsamt genehmigt worden. Auch sei das jetzt strittige Material von öffentlichen Straßenbaubehörden zur Deponierung gebracht worden. Von unerlaubten Ablagerungen nichts wissend, sei er bei Übernahme des Betriebes gutgläubig davon ausgegangen, dass alles Rechtens sei. Er selbst habe alles getan, um die erhobenen Vorwürfe aufzuklären, habe Untersuchungen von unabhängigen Fachleuten durchführen lassen, habe zusätzliche Messstellen einrichten lassen, um mögliche Auswaschungen ins Grundwasser festzustellen. Dabei habe sich erwiesen, dass von dem vorhandenen Asphalt keine Gefahr ausgehe. Von allen Messungen habe eine einzige eine erhöhte Konzentration an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) ergeben, die mit 84 Mikrogramm je Kilogramm aber immer noch sehr niedrig ausfalle und beispielsweise weit unter der Grenze liege, die aktuell für Kinderspielsachen gilt (Anmerkung der Redaktion: die EU hat den Grenzwert für Spielsachen und Babyartikel ab 2015 von 1000 Mikrogramm pro Kilogramm, auf 500 Mikrogramm gesenkt. PAK gelten als krebserregend).

„Kesseltreiben“

Gegen einen Bescheid des Landratsamtes, der den Ausbau der fraglichen Ablagerungen verfügt, habe er fristwahrend Widerspruch eingelegt. Die Kosten dafür würden seinen Betrieb wirtschaftlich überfordern. Ratsmitglied Theuerkaufer, der beantragt hatte, den Brief zu verlesen, beklagte, dass hinsichtlich der Asphaltablagerungen im Steinbruch ein regelrechtes „Kesseltreiben“ gegen den Betreiber stattfinde.