Hohenlohe-Franken

Burg Brattenstein Ostflügel-Neubau in Röttingen mit Festakt eingeweiht / Gedenktafel für Opfer der Einsturz-Katastrophe von 1971 enthüllt

Historisches und Neues verbunden

Archivartikel

Nach der Ostflügel-Katastrophe im Jahr 1971 ist ein stimmiger Wiederaufbau des Gebäudeteils von Burg Brattenstein erfolgt. Das Bauwerk ist jetzt mit einem Festakt offiziell eingeweiht worden.

Röttingen. Am frühen Nachmittag des 5. November 1971 stürzte unter letztlich nicht geklärten Umständen der Ostflügel der Burg Brattenstein ein und begrub neben mehreren Verletzten auch vier Frauen unter sich, für die jede Hilfe zu spät kam. In diesem Teil der Burg waren die Produktionsstätte einer Schneiderei und im Untergeschoss ein Turnraum für die Schul- und Kindergartenkinder untergebracht.

Lücken in Familien gerissen

Dieser schreckliche Tag hinterließ nicht nur eine Lücke in der Burg, sondern auch in den betroffenen Familien. Über die Zukunft der Burg gab es unterschiedliche Meinungen in Bevölkerung und Stadtrat, vom Abriss bis zum Wiederaufbau. Seit den 1990er Jahren stand an der Stelle ein hölzernes Provisorium, das den Festspielen als Überdachung von Zuschauerplätzen diente.

Nachdem Statiker feststellten, dass der nie richtig gesicherte Burghang sich immer mehr bewegte, konnte man es nicht mehr beim Provisorium belassen.

Viele Gespräche waren notwendig. Das Ziel war schnell klar. Es sollte ein Neubau entstehen, der funktionell ist und sich dauerhaft unter Beachtung des Einzeldenkmals in die Burg Brattenstein einfügt. Dazu entstand mit dem Neubau eine städtebaulich herausragende Architektur, die auch auf Begeisterung beim Landesamt für Denkmalpflege gestoßen war.

Es wurde in einer rekordverdächtigen Bauzeit von rund zehn Monaten eine offene Halle gebaut – mit Holzinnenverkleidung, einem Stahlbetonkorsett mit Bruchsteinmauerwerk als Verblendung und mit Cortenstahl als modernes Element, das Historisches und Neues architektonisch verbindet. Besonderer Blickfang: der Stadtbalkon und neue Terrassenbereich auf dem vorgelagerten Gewölbekeller.

Da für Bürgermeister Martin Umscheid vor allem der Termin als besondere Herausforderung galt, bedankte er sich neben den Mitarbeitern des Bauhofes bei den beteiligten Firmen für ihre Punktgenauigkeit der Fertigstellung.

In einer Talkrunde auf der Festspielbühne mit Marion Wunderlich sagten die Architekten Christoph Lamprecht und Stefan Schlicht, dass sie viel Zeit und Ideen benötigten, um eine optische Einheit zu erzielen. Für Statiker Bernd Hußenöder war spannend, bei höchster Sicherheit aus Kostengründen möglichst viel Substanz mit zu verwenden. Das ist ihm vor allem durch die Wiederverwendung der Originalsteine für die Verblendung gelungen.

8,5 Millionen an Fördergeldern

Auch das nicht sichtbare 35 Meter lange Tragwerk in der Tribünenhalle mit einem Gewicht von 6,5 Tonnen hob er hervor.

Norbert Böhm und Manfred Grüner vom Fördergeldgeber, der Regierung von Unterfranken, konnten über 1,2 Millionen Euro berichten, die sie für den rund 2,2 Millionen teuren Wiederaufbau nach Röttingen überwiesen haben. Von der Landesstiftung kamen 157 000 Euro. Seit 2001 durfte Röttingen insgesamt 8,5 Millionen Fördergelder vereinnahmen.

Vor der kirchlichen Segnung des neuen Ostflügels durch Pfarrer Michael Fragner und Gerhard Hanft fand im Bereich der damaligen Unglücksstelle und „noch Baustelle“ eine Gedenkandacht für die vier verstorbenen Frauen Hedwig Biebelmann, Helga Hümmert, Ida Ulsamer und Christa Wutzke statt, zu der Zeitzeugen und Angehörige der Opfer anwesend waren.

Vor der Enthüllung der Gedenktafel, die ein Erinnerungsort für die Zukunft sein soll, sagte Pfarrer Gerhard Hanft, dass die Wunden am Gebäude zwar geheilt sind, bei den Betroffenen aber noch nicht. So berichtete die damals verletzte Marianne Franz, dass vor allem beim Betrachten von Bildern und Berichten die Erinnerungen wieder da seien und nachdenklich machen. Agnes Eichinger hat noch heute starke Behinderungen am Bein und an der Wirbelsäule. Schlimm ist es für sie vor allem, wenn Geräusche zu hören sind, die sie nicht zuordnen kann. Einen großen Rückhalt bei der Bewältigung dieses Erlebnisses sei ihr Ehemann, der sie stets unterstütze. Mit einer Musikeinlage von Maria Voigt wurde die Andacht abgerundet.