Hohenlohe-Franken

Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Vorsitzender Rudolf Bühler setzt sich weiter für ein Verbot von Glyphosat ein / Streit mit Bauernverband aus dem Vorjahr nicht erneut aufgeflammt

Hochrangiger Kirchenvertreter plädiert für Brückenschlag

Archivartikel

Wolpertshausen.Die Beziehung zwischen Rudolf Bühler, Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft (BESH) und dem Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems war schon lange schwierig. Vor gut einem Jahr war’s dann aus. Anlass war der damalige Bauerntag an Lichtmess. Rudolf Bühler hatte die „Agrarindustrie“ kritisiert, die Verwendung von Glyphosat, das zum „schleichenden und lautlosen Tod“ von Insekten, Bienen und Vögeln führe. Und auch die Haltung des Verbands in Sachen Bauernrente kritisierte Bühler.

Nach der Replik durch den Bauernverband trat Rudolf Bühler aus dem Bauernverband aus. Der Verband hatte „die ständigen Angriffe auf die konventionelle Landwirtschaft“ zurückgewiesen und festgestellt, dass die allermeisten Bauern der BESH Dünge- und Pflanzenschutzmittel einsetzten. Deshalb waren einige Besucher des aktuellen Bauerntags gespannt, ob dieser Streit erneut befeuert wird. Rudolf Bühler sagte kein Wort zu der Auseinandersetzung des Vorjahres. Auf Nachfrage zu den Spritzmitteln informierte er: „Im Bereich Glyphosat sind wir auf dem Weg. Unsere 480 Biobetriebe und der Großteil der Qualitätsfleischerzeuger wenden kein Glyphosat an. Wir werden ein Verbot auf Grundlage einer basisdemokratischen Entscheidung anstreben und umsetzen.“

„Auf Dauer verlieren alle“

Kirchenrat Georg Eberhardt sagte: „Dieses Gegeneinander tut nicht gut. Auf Dauer verlieren alle, wenn sie nicht gemeinsam ihre Interessen vertreten.“ Es sei hilfreich, wenn wieder Brücken zum Bauernverband geschlagen würden. Rezzo Schlauch thematisierte diesen Wunsch des Kirchenrats. Er vermisse „eine sachliche und selbstkritische Diskussion der Landwirtschaftspolitik“. Auf der Grünen Woche in Berlin habe er „nichts, außer selbstgerechte Verteidigung des Status Quo“ gehört. Die Mehrheit der Bürger sei gegen Massentierhaltung, gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel, gegen den tonnenschweren Einsatz von Chemie. „In der offiziellen Landwirtschaftspolitik ist das kein Thema.“ In seiner Rede stellte Rudolf Bühler, Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft (BESH), sein Selbstverständnis vor. „Wir sind die Bauern“, sagte er, „unsere Erzeugergemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Bauernhöfen aus der Region. Eine bäuerliche Solidargemeinschaft. Nicht ein Konzern, wie uns manche Funktionäre bezeichnen, von gewissen, der Industrie nahestehenden Verbänden.“ Im Gegensatz zu Konzernen sei die BESH ein „Bauern- und Bürgerprojekt“, es gehe nicht um Gewinnmaximierung sondern um „ländliche Regionalentwicklung für unsere Heimat“.

Vor mehr als 30 Jahren habe die BESH die Agrarwende eingeleitet, „von der Basis her, demokratisch, solidarisch, als bäuerliche Selbsthilfe-Initiative. Mit der Gründung des wirtschaftlichen Vereins BESH und der BESH-Aktiengesellschaft (in dieser sind die Betriebe wie der Schlachthof, der Regionalmarkt, die Wurstmanufakturen gebündelt) sei es gelungen, „im Einklang mit unserer Natur und Kreatur“, hochwertige Lebensmittel zu erzeugen und zu vermarkten. Und zwar so, „dass wir vorne stehen in der Wertschöpfungskette und nicht hinten warten, was übrig bleibt“, sagte Bühler und bekam dafür viel Beifall. Bühler forderte eine Agrarwende, in der das Verursacherprinzip eingeführt wird: Wer seinen Profit auf dem Rücken der Natur mache, habe auch für die dadurch verursachten Kosten aufzukommen.

Die Bedeutung von Lichtmess

Auf eine lange vorchristliche Geschichte blickt die Zeit um den 1. und 2. Februar zurück, berichtete beim Bauerntag Matthias Siebert, Museumsführer im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen.· Auf die Geschichte als Lostag (Tag, an dem Vorzeichen für Wetterprognosen gedeutet werden können) weisen zahlreiche Bauernregeln hin, etwa „Lichtmess im Klee – Ostern im Schnee“. Das Gegenteil der Lostage ist übrigens der Schwendtag, an dem nichts Neues begonnen werden sollte. Ein Schwendtag war beispielsweise der 1. April, dem angeblichen Geburtstag von Judas. Daneben war Lichtmess Dingtag – ein Tag, an dem sich Mägde und Knechte neu verdingen, eine neue Stelle antreten konnten, Lohn oder Weigoff (Vorschuss) bekamen. Mit der Formel „Bauer, wir zwei machen Lichtmess“ teilte der Knecht im Lauf des Jahres mit, dass er kündigen wollte. Der Bauer wiederum konnte mit „Heute ist Lichtmess“ einem Dienstboten fristlos kündigen. Neue Stellen wurden auf den Viehmärkten gesucht. Die Rechtsbräuche wurden Ende des 19. Jahrhunderts durch Versicherungen und gesetzlich abgesicherte Arbeitsverträge· abgelöst. sel