Hohenlohe-Franken

Hohenloher Kultursommer Drei Veranstaltungen am kommenden Wochenende in Michelbach/Lücke, Sindeldorf und Langenburg

Humor mit teils bitterem Beigeschmack

Archivartikel

Noch bis 30. September geht der Hohenloher Kultursommer. Auch am kommenden Wochenende sind verschiedene Veranstaltungen geplant.

Hohenlohe. Der 32. Hohenloher Kultursommer hat ein vielfältiges Programm zu bieten. Nachfolgend ein Überblick über die am kommenden Wochenende bevorstehenden Termine.

„Ist dies das ganze Paradies?“ fragte der Rabbi. Worauf der Engel erwiderte: „Du irrst, wenn du glaubst, die Gerechten säßen im Paradies. Das Paradies befindet sich im Herzen der Gerechten.“ – Ein tiefer Sinn, eine Moral und oft eine Portion Humor zeichnen jüdische Märchen aus. Die Hamburger Schauspielerin Paula Quast lässt die Weisheit und den Witz dieser Geschichten am Samstag, 4. August, 18 Uhr in der ehemaligen Synagoge von Michelbach an der Lücke, zusammen mit ihrem Partner Henry Altmann lebendig werden.

Bereits vor zwei Jahren haben die beiden Akteure in Michelbach lyrisch-musikalisch überzeugt. Mit ihrer warmen, tiefen Stimme und der klaren, akzentuierten Sprechweise zieht Quast Jung und Alt in ihren Bann. Melancholisch grundiert sind viele dieser Geschichten, die von Armut und Schicksalsergebenheit handeln, manchmal gewürzt mit lapidarem Witz.

Ein glückliches Ende ist keineswegs garantiert. Zuweilen bleibt ein bitterer Beigeschmack zurück. Mit jüdischem Humor kam die Hamburger Schauspielerin in Berührung, als sie ihre Programme zu den Lyrikerinnen Hedwig Lachmann und Mascha Kaléko recherchierte. Ihre ausgewählten jüdischen Märchen begreift sie als Charakterstudien.

Im Duo mit Henry Altmann entstehen kleine Dramen und Klangteppiche. Altmanns musikalischer Einfallsreichtum und seine Virtuosität verleihen den Worten Flügel. Der Allgäuer Nachfahr französischer Zigeuner studierte in Hamburg und New York und lebte in Paris und Dresden, wo er für das Staatstheater und das Festspielhaus Hellerau spielte und komponierte. Die musikalische Lesung beginnt um 18 Uhr.

Come together

Ein besonderes Zusammentreffen können Besucher des Hohenloher Kultursommers ebenfalls am Samstag, 4. August, in der Pfarrscheune in Sindeldorf erleben, wenn die mittelalterlich anmutende Schlüsselfidel, auch Nyckelharpa genannt, auf folkige Gitarrenklänge trifft. Ebenso treffen die unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten Thomas Roth und Wolfgang Stute aufeinander. Selbst komponierte Titel beider Akteure sind der Ausgangspunkt. Im Konzert bieten die beiden Musiker dem Publikum eine bunte, spannende und interessante Mischung bewegender Musik mit Elementen aus der Klassik, aus Folk, Weltmusik und Flamenco.

Thomas Roth gilt als einer der besten Nyckelharpa-Spieler hierzulande, was er bereits mehrfach beim Kultursommer unter Beweis gestellt hat. Er entwickelte einen eigenen Stil auf diesem wenig bekannten, historischen Instrument. Nachdem er rund 30 Jahre die Mittelalterszene unter anderem als Frontmann der Band „Geyers“ mit seiner Musik bereichert hatte, betrat er Nyckelharpa-Neuland.

Während das Instrument heute vor allem in der schwedischen Musik oder von Mittelaltergruppen eingesetzt wird, nimmt Thomas Roth die Exotin mit auf eine stilistische Weltreise. Wolfgang Stute ist ein herausragender Gitarrist, Perkussionist, Komponist und Produzent.

In seiner Heimatstadt Hannover ist er seit Jahrzehnten eine „Institution“. Viele Jahre tourte er als Musiker und Manager für Heinz Rudolf Kunze durch die Nation und war künstlerischer Leiter des E.T.A. Hoffmann Theaters in Bamberg.

„Come together“ ist eine spannende Reise rund um die Welt und ihre Musikstile – Rhythm’n’Folk, gewürzt mit Anekdoten aus dem Musikerleben. Beginn ist um 18 Uhr.

Russisches Märchen

„Das ist russisch, echt russisch“, schrieb einst Friedrich Hollaender in seinem „Stroganoff“-Chanson. Der Kornettist und Trompeter Joachim Karl Schäfer will etwas davon auch in seinem Konzert beim Hohenloher Kultursommer im Langenburger Schloss erzeugen: ein „russisches Märchen“, wie es der Komponist Julius Nagel als Überschrift für eines seiner Werke gewählt hatte, oder auch ein russisches Klangbild.

Julius Nagel ist ein beinahe vergessener Komponist. Und auch andere gehören am Sonntag, 5. August, 17 Uhr im Barocksaal dazu, wenn Schäfer mit seinen Dresdner Bach-Solisten – in diesem Fall die Pianistin Oksana Weingardt-Schön und die Kontrabassistin Yuka Inoue – sich in russische Melodien verliert. Da ist etwa Oskar Böhmes „Russischer Tanz“ ebenso zu hören wie Serge Koussevitzkys „Valse miniature“ für Kontrabass und Klavier und der langsame Satz aus dessen Kontrabasskonzert.

Von Vassily Brandt werden ein Wiegenlied und eine Konzert-Polka zu hören sein und von Jules Levy die „Grand Russian Fantasia“. Der 1838 in London geborene und später in den USA tätige Levy weilte 20 Monate in Russland und schlug das Angebot des Zaren aus, dort Dirigent der Gardemusik und kaiserlicher Kornettist zu werden. Karl Wilhelm „Vassily“ Brandt war erster Trompeter am Bolschoi-Theater und unterrichtete Trompete am Moskauer Konservatorium. Er gilt als Begründer der Moskauer Trompetenschule.

Der im sorbischen Potschappel geborene Oskar Böhme studierte am Hamburger Konservatorium und in Berlin sowie an der Leipziger Musikhochschule Trompete, wurde 1896 Mitglied des Budapester Opernorchesters und im Jahr darauf am Mariinski-Theater in St. Petersburg, wo er 24 Jahre lang blieb.

Als Deutscher wurde er dann Opfer des „Großen Terrors“, einer Verfolgungskampagne von Josef Stalin, und 1938 in Orenburg erschossen. Bekannter ist dagegen der Kontrabassist und vor allem Dirigent Serge Koussevitzky. Er gab 1908 mit den Berliner Philharmonikern sein Debüt als Dirigent. Nach dem Ersten Weltkrieg leitete er zunächst das Staatliche Symphonieorchester Petrograd. Danach kam er über Paris nach Boston, wo er von 1924 bis 1949 das Boston Symphony Orchestra leitete.

Als dessen Musikdirektor erteilte er Béla Bartók den Auftrag für dessen „Konzert für Orchester“. 1937 hatte er das Tanglewood Festival gegründet, wo er junge Dirigenten wie Lorin Maazel und Leonard Bernstein förderte. Neben Werken dieser unbekannten Komponisten werden auch solche bekannter russischer Meister zu hören sein. Konzertbeginn ist um 17 Uhr.