Hohenlohe-Franken

Bikergottesdienst Schwäbisch Haller Motoradfahrertreff ist der größte seiner Art im Land / Fabrikate aller namhaften Hersteller zu sehen

Immer genug Grip unter den Rädern

Der Bikergottesdienst in Hall ist der größte in Baden-Württemberg. Diesmal war er besonders gut besucht. Es wird um mehr Rücksichtnahme und Vorsicht auf den Straßen geworben.

Schwäbisch Hall. Schon gegen neun Uhr morgens stehen die ersten Motorräder auf dem Haller Marktplatz. Spätestens um halb elf findet sich vor der Treppe von Sankt Michael kaum noch ein Plätzchen für die Maschinen. „Wir haben in der Innenstadt weitere Parkflächen für Motorräder reserviert“, sagt Simon Laidig von der Haller Polizei. Biker aus ganz Württemberg – unschwer zu erkennen an den unterschiedlichsten Kennzeichen – sind wieder nach Hall gekommen, um mit dem traditionellen Bikergottesdienst die Zweiradsaison sozusagen mit geistlichem Segen zu eröffnen.

Viele Biker mit Warnwesten

Kurz vor elf: Der Marktplatz ist für Motorradfans ein Augenschmaus. Fabrikate aller namhaften Hersteller stehen in Reih und Glied. Ducati, BMW, Yamaha oder Triumph, sogar zwei Oldtimer-Mofas von Puch und Simson sind zu sehen. Die Fahrer fachsimpeln, es herrscht eine entspannte Stimmung bei strahlendem Sonnenschein. „Schwitzen Sie nicht in dieser Kluft?“, fragt eine ältere Dame einen Biker in schwerer schwarzer Ledermontur. Dieser muss kurz lachen und sagt: „Ja, ein wenig. Aber gute Schutzkleidung ist wichtig.“ Auch viele neonfarbene Warnwesten sind zu sehen. Der Biker von heute demonstriert Sicherheitsbewusstsein.

„Mich hat letztes Jahr ein Auto erwischt“, erzählt der Obersontheimer Biker Michael Kunze. Es gebe aber leider viele Rowdys unter den Bikern, das sei immer wieder Thema. Er könne die Raserei nicht nachvollziehen. „Die Polizei muss mehr kontrollieren“, meint der Indian-Fahrer. Er halte es mittlerweile so, dass er zu Saisonbeginn in den sozialen Medien zur Rücksicht aufruft.

Die Kirchturmuhr schlägt zur vollen Stunde und der Braunsbacher Pfarrer Frieder Vogt beginnt den Freiluft-Gottesdienst. Dieser steht heuer unter dem Motto „Du verpasst nichts“. Er begrüßt alle Biker und Nicht-Biker, denn auch viele nichtmotorisierte Menschen sind da. Jeder Biker sollte in sich gehen und überlegen, ob riskantes Fahren auch mit zu hoher Geschwindigkeit wirklich sein müsse, so Vogt. Rücksichtnahme müsse an erster Stelle stehen.

„Die Liebe daheim will einen am Ende eines Tages wieder in die Arme schließen“, mahnt Simon Laidig. Das gelte auch für alle Verkehrsteilnehmer. Der Hauptkommissar wünscht allen Bikern „eine wunderschöne Saison und vor allem keine Unfälle“. Karl-Eugen Altdörfer vom Rettungsdienst des Arbeitersamariterbunds (ASB) Schwäbisch Hall gibt den Motorradfahrern noch etwas mit auf den Weg: „Auch die mit den blauen Lichtern fahren gern gemütlich. Hoffen wir, dass unsere Melder in dieser Saison nicht oft angehen. Ich wünsche gute Fahrt und immer genug Grip unter den Rädern.“ Die Kollekte sei für die seit zwei Jahren bestehende ASB-Motorradstaffel gedacht, so Altdörfer.

„Wir haben nur zwei Räder“

Die Staffel besteht aus zwei Motorrädern und einem Quad. Alle stehen auf dem Marktplatz. Daneben Altdörfers Sohn Joachim in ASB-Motorradmontur. „Wir haben sieben Fahrer, die regelmäßig ehrenamtlich die typischen Motorradstrecken in der Region bestreifen“, erklärt er. Ihn habe es privat auch schon „aus der Kurve geschleudert“. Daher wisse er, wie wichtig Vorsicht sei. „Wir haben eben nur zwei Räder“, ergänzt Altdörfer junior.

Apropos ASB-Motorradstaffel: Vertreter sämtlicher 25 Staffeln aus Deutschland trafen sich am Samstag in Karlsruhe.

Spontan machte man sich gemeinsam am Sonntag auf den Weg nach Hohenlohe. „Das ist eine wirklich tolle Sache hier. Großartig, dass es das in Hall gibt“, sagt ASB-Bundesgeschäftsführer Ulrich Bauch aus Köln.

Der Gottesdienst neigt sich dem Ende zu. „Auch wenn es keine Ausfahrt mehr gibt, war das einer der bestbesuchten Bikergottesdienste der vergangenen Jahre“, sagt Polizist Laidig. „Die Leute kommen auch ohne Ausfahrt. Und das ist gut so“, meint Karl-Eugen Altdörfer. noa