Hohenlohe-Franken

Freilichttheater in Reubach „Treibjagd“ von Arno Boas feierte Premiere / Noch drei Vorstellungen

In der Tradition tragikomischer Stücke

In Reubach hatte „Treibjagd“ Premiere, ein Theaterstück, bei dem dem Publikum der Spiegel vorgehalten wird. Es folgen noch drei Aufführungen auf der Reubacher Hauptstraße.

Rot am See. Am Ende verlieren die beiden Gerüchteköchinnen Irene und Susanne in dem Stück „Treibjagd“ von Arno Boas die Kontrolle. Dem neuen Klavierlehrer Clemens wird nicht nur ein Verhältnis mit seiner Schülerin Jenny nachgesagt, er soll auch versucht haben, sie zu erwürgen. Doch weder hat er ein Verhältnis mit Jenny, noch hat er sie gewürgt.

Der Übeltäter, der von den falschen Beschuldigungen profitiert, ist in Arno Boas’ Theaterstück „Treibjagd“ der Stadtrat, Landtagskandidat der Mehrheitspartei und Jäger Matthias. Der veranstaltet mit seiner Clique, dem arbeitslosen Manfred, der nymphomanen Bettina und dem Wirt Werner eine Art Treibjagd auf den Klavierlehrer, um davon abzulenken, dass er selbst über Jenny hergefallen ist.

In Arno Boas‘ Original kommt Matthias davon. Die neue Regisseurin Patricia Foik und die Darsteller wollten das so nicht stehen lassen. Matthias‘ Versuch, Jennys Leben ein Ende zu setzen, wird aufgedeckt. Wie es dann aber mit ihm, Jenny und dem Klavierlehrer weitergeht, bleibt offen.

Carolin Vogel füllte die Figur der Bettina wunderbar mit Leben aus: Wie sie sich an den Klavierlehrer anschmiegt, um ihn lüstern dazu zu überreden, doch die Leitung des Kirchenchors zu übernehmen, das war überaus sehenswert und komisch.

Ein Komödiantenduo par excellence bildeten Romy Setzer und Bettina Krauß als infernalische Gerüchteköchinnen. So, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, waren auch Artur Graf, Tanja Schmitt und David Seeger als Jennys Freunde Sebastian, Martina und Jonas zu erleben: mal fies die Gerüchte anheizend und Jenny aus ihrem Kreis ausgrenzend, mal überzeugt hinter ihr stehend.

Britta Deuters Einstand als Amateurdarstellerin hätte kaum besser ausfallen können. Als Jenny wusste sie mit ihren Eltern Petra und Werner – Simone Muley und Karl Reinhardt gingen in ihrer Rolle ebenso überzeugend auf – in aller Härte zu streiten und sich genauso zu versöhnen. Als Schülerin des Klavierlehrers begeisterte sie auch sängerisch.

Michael Seeger interpretierte den Klavierlehrer als introvertierten Musiker, der sich bis zur Katastrophe weder von Jennys Eltern noch von deren Freunden oder dem Rest der Dorfgemeinschaft aus der Ruhe bringen lässt und die Abgeschiedenheit sucht, um zu komponieren. Wilfried Betz war als der arbeitslose Manfred zu erleben, der die Wahrheit offenlegt.

Das wird Matthias, dem von Bernd Zugck vom Grinsen bis zum Händeschütteln bestens nachgeahmten Politiker, bei einem Fernsehinterview zum Verhängnis. Da passte das Eingangslied „Lass die Leute reden“ auch als Zugabe und Schlusskommentar.

Der Neuanfang mit Regisseurin Patricia Foik blieb ein Stück weit in der Tradition tragikomischer Stücke in Reubach, in denen dem Publikum auch der Spiegel vorgehalten wird – wenngleich nicht in der Härte, wie es bei ihrem Vorgänger Gerd Bauer der Fall war. „Treibjagd“ ist noch dreimal zu sehen: am heutigen Donnerstag sowie am Freitag, 13., und Samstag, 14. Juli, jeweils um 20.30 Uhr. Ralf Snurawa