Hohenlohe-Franken

Hohenloher Kultursommer Camerata Bohemica Prag und Barockensembles „Les Passions de l’Âme“ spielen

Kapriziöse Klarinette und Jugendsünden

Neuenstein.Mit zwei spannenden Konzerten wartet der Hophenloher Kultursommer in Neuenstein auf.

Am Freitag, 7. Juni, 18 Uhr, heißt es „Kleine Oper für Klarinette“ in Schloss Neuenstein, Rittersaal. Es spielt Dimitri Ashkenazy, Klarinette, mit der Camerata Bohemica Prag unter der Leitung von Gudni A. Emilsson.

Im Zentrum des Konzerts mit der Camerata Bohemica Prag stehen Werke für Klarinette und Streichorchester. Das Soloinstrument wird dabei von Dimitri Ashkenazy gespielt. Der in New York geborene und in Island aufgewachsene Klarinettist, Sohn des Dirigenten und Pianisten Vladimir Ashkenazy, lebt heute in der Schweiz.

Bei seinem Konzert in Neuenstein wird er zum einen die selten zu hörenden, um 1883 geschriebenen „Canzone“ von Sergej Tanejew spielen, zum anderen das B-Dur-Klarinettenquintett op. 34 von Carl Maria von Weber in der Fassung für Klarinette und Streichorchester. Carl Maria von Weber hatte dieses Werk für den befreundeten Heinrich Baermann komponiert, für den er schon die beiden Klarinettenkonzerte in f-Moll und in Es-Dur geschrieben hatte. Bemerkenswert an von Webers Klarinettenquintett sind die Satzbezeichnungen. Der langsame Satz ist als Fantasie angelegt, dem ein „Menuetto capriccio“ folgt.

Eingerahmt werden die beiden Klarinettenwerke am Freitagabend von Werken für Streichorchester.

Musikalischer Schabernack steht am Samstag, 8. Juni, beim Konzert des Barockensembles „Les Passions de l’Âme“ im Rahmen des Hohenloher Kultursommers auf dem Programm. Die Spezialisten für Alte Musik aus der Schweiz mit Konzertmeisterin und musikalischer Leiterin Meret Lüthi bringen zumeist humorvolle Stücke für ihren Auftritt im Rittersaal des Schlosses mit.

Ausgelassen komponiert

Da werden die Zuhörer etwa gleich mit barocker Musik von Johann Joseph Fux konfrontiert, in der kämpferische Auseinandersetzungen geschildert werden, ehe tänzerisch ausgelassene Momente folgen. Bekannt ist Fux heute meist nur noch durch sein Kontrapunktlehrbuch „Gradus ad Parnassum“. Dabei konnte er so wunderbar ausgelassen komponieren oder auch Kuckucksrufe in Kompositionen wie die Ouvertüre „Pour le Rossignol“ einfließen lassen.

Kuckucksrufe werden am Samstagabend auch in einer Version von Johann Heinrich Schmelzer in seiner Violinsonate in a-Moll zu hören sein. Dem Schwerttanz hatte Schmelzer seine Ballettkomposition „Arie con la Mattacina“ gewidmet. Sie wird ebenso erklingen wie die „Spoglia di Pagagi“, weitere Ballettmusik, die 1678 als musikalisches Intermezzo für Antonio Draghis Oper „Creso“ komponiert worden war.

Auf die Commedia dell’arte-Figur Pulcinella werden die Zuhörer im Rittersaal in Heinrich Ignaz Franz Bibers vierter Partia in Es-Dur aus der Sammlung „Harmonia Artificiosa-Ariosa“ neben Tanzstücken treffen. Die Saiten von Violine und Bratsche werden dabei in eine andere Stimmung gebracht.

Von Biber erklingt darüber hinaus die „Battalia“ in D-Dur mit dem Untertitel „das liederliche Schwirmen der Musquetirer, Mars, die Schlacht und das Lemento der Verwundten“. Wie Biber war auch Johann Jakob Walther einer der großen virtuosen Violinspieler seiner Zeit. Aus seinem „wohl-gepflanzten Violinischen Lust-Garten“ wird es einige virtuose Töne zu hören geben. „Les Passions de l’Âme“ sind dabei ideale Interpreten, gelten sie doch als das berühmteste, für sein Aufnahme vielfach ausgezeichnete Barockensemble der Schweiz, das schon mit Musikern wie Simone Kermes, Nuria Rial, Dorothee Oberlinger oder Hans-Christoph Rademann zusammenarbeitete. Konzertbeginn ist um 18 Uhr. hks