Hohenlohe-Franken

Kommunen Große Nachfrage nach Bauplätzen in Rot am See / Kindergarten wird für rund 2,3 Millionen Euro realisiert

Klapperstorch löst einen Neubau aus

Archivartikel

Die Gemeinde Rot am See braucht mehr Platz für ihre jüngsten Bürger: Ein zweiter Kindergarten im Hauptort wird zum Kostenpunkt von 2,3 Millionen Euro in zentraler Lage erstellt.

Rot am See. Die Dreikäsehochs sind der Gemeinde Rot am See lieb und teuer: Weil der Klapperstorch in den letzten Jahren mit Vorliebe in der Kommune landet, muss ein neuer Kindergarten für die jüngsten Bürger her – zum Kostenpunkt von rund 2,3 Millionen Euro werden die Pläne aus dem Architekturbüro von Matthias Polsfut aus Brettheim so schnell wie möglich realisiert.

Bauplätze in Rot am See gehen weg wie geschnitten Brot: Allein im Baugebiet „Stöcke“ an der Straße nach Gerabronn jagt ein Erschließungsabschnitt den nächsten, die neuen Häuser schießen dort schier wie Pilze aus dem Boden.

Baby-Boom hat Folgen

Der Zuzug von zumeist jungen Leuten bedeutet aber nicht nur für Meister Adebar eine gehörige Portion Mehrarbeit: Der Baby-Boom hat auch Auswirkungen auf die Infrastruktur der Gemeinde.

In erster Linie zählen hierzu die Kindergartenplätze. Das Ende der Fahnenstange ist in Rot am See erreicht.

Laut der Datenbank von Hauptamtsleiterin Tanja Däuber besuchen zum Stand Juli 79 Buben und Mädchen den Kindergarten in Brettheim, das Domizil in Rot am See bevölkern 134 Knirpse.

Nach einem kommunalpolitischen Geplänkel über die Standort-Frage einigte sich das Kommunalparlament bereits im März darauf, dem Nachwuchs ein immobiles „Filetstück“ aus dem Grundbesitz der Kommune zu spendieren: Der Bauplatz für das neue Kinderdomizil liegt zentral an der Ortsdurchfahrt gegenüber Polizei und Feuerwehr, zur nahen Bundesstraße 290 besteht ein ausreichend großer Geländepuffer.

Der größte Vorteil dieser Lage: Der „alte“ Kindergarten liegt in unmittelbarer Nähe und es gibt Platz für eine eventuelle künftige Erweiterung.

Der Architekt Matthias Polsfut aus Brettheim legte dem Gremium die Pläne für ein dreiteiliges, luftiges Gebäude in U-Form mit einem kombinierten Flach- und Pultdach vor, das auf einer Nutzfläche von rund 670 Quadratmetern Platz für maximal 70 Kinder in drei Gruppen bietet. Für die „Elterntaxis“ ist eine Einbahnstraße am „Forum“ vorbei geplant, die in die B 290 mündet.

Während die architektonischen Ideen von Matthias Polsfut auf allgemeines Wohlwollen im Gremium stießen (Gemeinderätin Susanne Nicklas-Bach etwa nannte das Projekt einen „ansprechenden Bau“), hatten die Kommunalpolitiker noch die Kröte der Kosten zu schlucken: „2,3 Millionen Euro sind eine stolze Summe“, sagte Bürgermeister Siegfried Gröner. Ursprünglich sei noch von ganz anderen Summen die Rede gewesen. „Abgespeckt bauen heißt aber noch lange nicht schlechter bauen“, sagte der Rathaus-Chef, der zudem die galoppierende und „völlig übertriebene“ Kostensteigerung in der Baubranche kritisierte.

Subvention: 4400 Euro pro Kind

Die Einschätzung von Gemeinderat Ralf Wagner galt wohl auch für seine Kolleginnen und Kollegen: „Die Kosten sind alternativlos.“ Wenigstens kann die Gemeinde das Dach zur Produktion von Solarstrom nutzen, wie Gemeinderat Dr. Friedrich Bullinger vom Planer erfuhr. Für das Projekt erhält die Kommune eine Fachförderung in Höhe von rund 360 000 Euro. Wie viel Zuschuss aus dem Ausgleichstock kommt, ist dagegen noch nicht klar.

„Die Gemeinde bietet allerhand für die Kinderbetreuung und lässt sich das auch etwas kosten“, sagte Gemeinderat Manfred Henninger. In der Tat: Die Kindergärten in Rot am See bilanzieren mit einem Defizit von derzeit rund 721 000 Euro – die Kommune subventioniert also jeden Kindergartenplatz mit zirka 4400 Euro pro Jahr.