Hohenlohe-Franken

Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Bauerntag in Wolpertshausen / Über eine neue Landwirtschaftspolitik diskutiert / Aufbau regionaler Strukturen vorantreiben

Kleine und mittlere Betriebe sollen stärker gefördert werden

Archivartikel

Wolpertshausen.Harte Arbeit fair entlohnen: Beim Bauerntag der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft (BESH) in Wolpertshausen forderten die Redner die stärkere Förderung von kleinen und mittleren Betrieben.

„Die Bauern arbeiten hart für das tägliche Brot. Sie brauchen aber auch ein ausreichendes Einkommen, um ihre Existenz zu sichern und um ihren vielfältigen und teilweise gesamtgesellschaftlichen Aufgaben nachkommen zu können.“ Nicht nur Friedlinde Gurr-Hirsch stellte diesen Punkt in den Mittelpunkt ihrer Rede beim Bauerntag der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft. Auch die anderen Gastredner hoben darauf ab – aus ganz unterschiedlichen Gründen. So etwa Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND): „Der Druck auf die Erzeugerpreise hat zu allgemeinem Wohlstand geführt. Aber dieser Erzeugerdruck kommt teuer zu stehen.“

„Moderne Sklavenhaltung“

Die billige Produktion führe zu „moderner Sklavenhaltung“ bei Beschäftigten in der Landwirtschaft, zum „flächendeckenden Rückgang von Allerweltsarten“ bei Tieren und Pflanzen, oder zu Gift in Lebensmitteln, etwa Glyphosat. „Ihr seid die Opfer dieser Entwicklung“, sagte Weiger. Verantwortlich seien der Preisdruck, der von den Lebensmitteleinkäufern ausgeübt werde. „Wir kommen aus dieser krisenhaften Situation nur dann heraus, wenn es zu Gemeinschaftsaktionen kommt“, sagte der Naturschützer.

An Verbrauchern liege es, nicht nur an die Politiker zu appellieren, sondern dort einzukaufen, wo Landwirte auf natur- und umweltverträgliche Weise Lebensmittel herstellen.

Die Lösung aus Sicht des BUND-Vorsitzenden ist deshalb der Aufbau von regionalen Strukturen, wie sie die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft in den vergangenen 35 Jahren realisiert hat. Die landwirtschaftlichen Betriebe brauchten dafür Unterstützung. Auch Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) hob auf die Notwendigkeit ab, die Fördergelder neu zu regeln. Durch den Austritt der Briten fehle Geld, „deshalb muss ein höherer Anteil aus den Ländern nach Brüssel fließen“.

Nicht mit der Gießkanne

Zudem sollen kleinere und mittlere Betriebe besser gefördert werden. Bislang bekommt jeder Betrieb 280 Euro pro Hektar. Rezzo Schlauch, Grünen-Politiker aus Bächlingen, rechnete vor: Ein 1000-Hektar-Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern bekomme 280 000 Euro, ein Betrieb in Baden-Württemberg mit 50 Hektar erhalte dagegen nur 14 000 Euro im Jahr. Während sonst alle Subventionen an Qualitätsmerkmale geknüpft seien, werde in diesem Bereich mit der Gießkanne das Fördergeld ausgeschüttet. Seine Forderung: Die ersten 50 Hektar sollen stärker gefördert werden. Unterschiedliche Einschätzungen gibt es, was die Marktfähigkeit von regionalen Qualitätsprodukten gibt.

Friedlinde Gurr-Hirsch zitierte eine Studie, wonach nur 16 Prozent der Bundesbürger bereit seien, dafür mehr zu bezahlen. Ihr Ansatz ist deshalb, bei den Kindern anzufangen, beim „Ernährungsführerschein“. Dagegen zitierte Rezzo Schlauch aus dem im Januar herausgekommenen Ernährungsreport. Demnach schaue jeder Zweite auf Ökosiegel, 86 Prozent der Bürger wollten Fleisch aus artgerechter Haltung. Schlauch plädierte deshalb für eine Agrarreform. 2600 Würste, 1300 Scheiben Bauchspeck und 130 Kilogramm Sauerkraut haben die 30 Service-Mitarbeiter der Mohrenköpfle-Gastronomie unter Leitung von Küchenchef Max Korschinksky den Gästen serviert. Je 30 Nuss- und Hefezöpfe, 200 Laib Brot, 600 große Wurstdosen sowie 800 Brezeln wurden aufgeschnitten und auf die Tische gestellt.

Unterstützt wurde das Mohrenköpfle-Team von Mitgliedern des Vereins „Help! – Wir helfen!“.

Elisabeth Schweikert