Hohenlohe-Franken

Öffentliches „Kunstlager“ Winfried Baumann und Anna Bien stellen in Röttingen ihrer Werke vor / Auch Wechselausstellungen geplant

Kunst mit gesellschaftlichen Akzenten

Nach rund fünfjähriger Vorbereitung haben Winfried Baumann und Anna Bien jetzt in Röttingen ihr gemeinsames „Kunstlager“ eröffnet.

Röttingen. Mit ihren künstlerischen Arbeiten und Aktivitäten haben sie in den letzten 30 Jahren sowohl national als auch international viel Anerkennung und Aufmerksamkeit erfahren. Als Künstlerin und Künstler vertreten sie sehr unterschiedliche Einzelpositionen.

Als Künstlerehepaar wiederum betreiben sie seit der Jahrtausendwende gemeinsam in Nürnberg den Projektraum Kunstraum in der Sterngasse und seit 2010 den Kunstautomaten.

Nach rund fünfjähriger Vorbereitung konnten Winfried Baumann und Anna Bien nun in Röttingen ihr gemeinsames Kunstlager eröffnen. Die Taubertalgemeinde wurde dabei bewusst als Standort gewählt, ist doch die Festspielstadt die Heimatgemeinde von Winfried Baumann, zu der der Bezug nach seinem Umzug nach Nürnberg immer da war. Sein künstlerisches Atelier hat er noch im Bieberehrener Ortsteil Buch.

Zu Röttingen selbst besteht die Verbindung durch die Natursteinfirma Marmor Baumann seines Neffen, mit der sie auch einen Kooperationsvertrag abgeschlossen haben und so strukturiert sind, dass sich ihnen durch deren exklusive Kunden neue Erschließungsmöglichkeiten zum Kunsterlebnis bieten. „Ein reizvoller Kundenkreis“. Im Gegensatz zum Trend ging’s also in den metropolfernen Raum ins Taubertal. Das sehr umfangreiche Kunstarchiv Baumann-Bien, das bereits teilweise weltweit ausgestellt war, bietet einem interessierten Publikum die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Schaffen der beiden Künstler auseinanderzusetzten. Es sind zudem Wechselausstellungen mit ausgesuchten Werken zeitgenössischer Künstler geplant.

Der heute 62-jährige Künstler hat sowohl eine Ausbildung als Steinmetz (im elterlichen Betrieb Alfons Baumann in Buch) als auch als Holzbildhauer. Von 1982 bis 1988 absolvierte er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Prof. Wilhelm Uhlig (Meisterschüler) und Prof. Ludwig Scharl (Diplom). 1989 erhielt er den Debütantenpreis des Freistaates Bayern und 1993 bis 1994 den Lehrauftrag an der Gesamthochschule Kassel.

Mit der klassischen Ausbildung kann man sich hervorragend weiterentwickeln meint Baumann, denn künstlerische Wege lassen sich nicht planen. Beim ihm ging es dadurch auch in die Architektur.

Eins ist für ihn aber ganz wichtig, soziale Projekte, Kunst mit einer gesellschaftlichen Komponente verbinden. Viele seiner Werke resultieren auch aus diesem Ansatz, wie etwa das vor der Halle, ein Art Knäuel mit übereinander gestapelten Schachteln, die auf die Wohnungsknappheit und Mietpreisexplosion hinweisen sollen.

Seit 18 Jahren arbeitet er durch die persönliche Weiterentwicklung an Installationen mit dem sozialen Aspekt, denn die Kunst kann Aufmerksamkeit und Anregungen geben. Dadurch arbeitet er auch viel mit sozialen Einrichtungen und ist oft ein „Vordenker“. Einige Kunstobjekte fanden eine praktische Nutzung.

Erneuerung und Wiedergeburt

Seine Ehefrau Anna ist in Seoul (Südkorea) geboren. Nach dem Austauschstudium in den USA folgte das Studium der klassischen ostasiatischen Malerei an der Hanyang Universität in Seoul. Im Jahre 1982 begann das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Prof. G. K. Pfahler. Hier lernte die Musikertochter auch ihren Ehemann Winfried kennen, den sie 1996 heiratete. Neben der Malerei gehören aber auch Skulpturen aus Pappmaché zu ihren Werken. Zu einem wahren Blickfang wurde ihr mit Bleistift gezeichneter Lebensbaum auf einer rund sechs mal sechs Meter großen Platte, den sie ihrem Schwiegervater Alfons Baumann gewidmet hat, der ihr stets beim Malen über die Schulter schaute, war es doch auch das erste Bild, welches die Halle mit Kunst erfüllt hat.

Der Baum des Lebens ist für sie ein zeitloses Symbol der Erneuerung und der Wiedergeburt. Er zeugt von der unzerstörbaren Kraft des Lebens und kann immer wieder neu entdeckt werden.

Herausstechend auch ihr Bild „Himmelsgarten“ aus Tusche und Acrylfarben auf Blattgold. Ein Hauptwerk in der umfangreichen Ausstellung ist die Arbeit 45+1. Ein Kreis mit 45 Hasen aus Pappmaché, der an die Tradition fernöstlicher Mandalas erinnert und die zwischen östlicher und westlicher Religiosität offene Frage diskutiert, ob das Dasein im Nichts oder in Gott Erfüllung findet. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und so sind sie künstlerisch eigentlich ein Kontrastpaar, er kühl und nüchtern und sie sinnlich und emotional.

In seiner Festrede vor geladenen Gästen über Künstlerpaare gratulierte der bekannte Kunstausstellungsmacher Helmut Müller aus Nordheim (Heilbronn) mit den Worten „Diese Lebenswerke, die ihr geschaffen habt, schaffen nur sehr wenige“ und bestätigte ihnen gleichzeitig, dass sie auf Augenhöhe als Einzelkünstler Wert legen und jeder seine eigene Position bewahrt. Die Ausstellung der Künstler Anna Bien und Winfried Baumann unter dem Titel „Kunst für alle“ in der Rothenburger Straße 33 ist vom 9. Juli bis 12. August geöffnet.