Hohenlohe-Franken

Hohenloher Mundartkünstler Innige Liebeserklärung an die Heimat / Krimiautorin Wildis Streng steuert Zeichnungen bei

Kurt Klawitter gegen die Kälte der Welt

Archivartikel

Der Hohenloher Mundartkünstler Kurt Klawitter legt jetzt seinen ersten Gedichtband „Hammkumma“ vor. Bekannt ist der Wiesenbacher als musikalischer Seelenerkunder.

Wiesenbach. „Hammkumma“. Welch ein schönes Wort und welch ein aktuelles – in Zeiten von Heimatministerien und Identitätskrisen, von Globalisierungsangst und Haltsuche. „Hammkumma“, so heißt der erste Gedichtband von Kurt Klawitter, dem Hohenloher Barden aus Wiesenbach, der sonst mit seiner Klampfe und den „Mouschdpiloten“, im „Saischdool“-Aufzug und mit hintersinnigem Grinsen Hohenloher Seelenerkundung betreibt; jetzt also nicht mehr nur auf der Bühne, sondern auch auf Papier.

Heimat für alle

„Aafach schää / wenn mr hammkumma kou / aus derra Kelt der Welt / und hockt sich aafach nou.“ So klingt das bei Klawitter, heimelig, sehnsuchtstillend, wie ein Biss ins Butterbrot mit Salz, das die Oma einem gerade geschmiert und gereicht hat.

Und die gute Nachricht ist: Die Oma, die Heimat, die Heimeligkeit sind für alle da. „Doch fehlt dir bloß / aafach a Dahamm / noa hock di her / geh her zu mir / mir rutscha noch weng zsamm.“

Klawitters Verse sind eine innige, aber eben gar nicht volkstümelnde Liebeserklärung an sein Hohenlohe, das er zwischendurch gegen Wien, Zürich, Berlin und München eingetauscht hatte, und nach dessen „Wälder, mit Wiese und Häh, mit Mouschd, mit Griewaschmalz und Brot“ er sich trotzdem immer gesehnt hat.

Der Leser darf oft schmunzeln, etwa wenn der Autor schreibend den „Wiesabacher Taubamarkt“ besingt, wo „bis zum Mouschdinfarkt“ gefeiert wird, wenn er sich am Sonntagabend „auf des Kanapee doa nauf“ haut, um in einer gepökelten heilen Rosamunde-Pilcher-Welt fremdvögelnden alten Lords zu begegnen, oder wenn er mit seinem Bulldog zum „Randevou in Wilhelmsruh“ fährt und schließlich dieselsuchend mit leerem „Benzinkanischder“ über die Felder rennt.

Aber der Mann, der sonst mit seiner „Saischdoolkabbe“ samt ihrer humorigen Symbolkraft verwachsen scheint, zeigt an vielen Stellen des Bändleins, dass er auch nachdenklich, melancholisch, bisweilen sogar düster kann. Dann nimmt uns Klawitter mit hinaus in die Natur, wo alte Bäume stehen, um die herum „der Neuzeit verächtlicher Klang“ tönt oder die früher stolz im Freien standen und jetzt „zwischa Haiser und Strooßa neipfercht“ sind, wo’s gewittert, wo’s kalt ist und wo nur das Licht im Kuhstall Wärme vermittelt. Dann wird es sagenhaft – zwischendurch sogar auf Hochdeutsch –, dann wird geliebt und gesündigt und in den Himmel aufgefahren. Die Hohenloher Krimiautorin und Künstlerin Wildis Streng hat das Ganze passend mit verspielten Zeichnungen in Schwarz und Weiß illustriert. Was bleibt von der Lektüre? Das Gefühl, träumend durchs Hohenloher Land gewandelt zu sein. „Hammkumma“, das ist in diesem Fall kein Etikettenschwindel – auch wenn man schon da ist. Der Gedichtband „Hammkumma“ (50 Seiten) ist im Selbstverlag erschienen und zum Preis von 5 Euro im Buchhandel erhältlich. sebu