Hohenlohe-Franken

Aub Schlimbach-Orgel in der Spitalkirche renoviert / Das Instrument erklang jetzt nach 50 Jahren Stille zum ersten Mal wieder

Mehr als 100 000 Wurmlöcher aufgefüllt

Archivartikel

Die Schlimbach-Orgel in der Spitalkirche Aub wurde zu neuem Leben erweckt: Nach einer aufwendigen Renovierung erklingt das Instrument jetzt wieder hell und klar.

Aub. Nach 50 Jahren erklingt sie wieder, die Orgel in der Auber Spitalkirche. Fünf Jahrzehnte lang war sie verstummt, die Orgel, die in der Nachkriegszeit, als die katholische Stadtpfarrkirche nach der Beschädigung zum Ende des Krieges renoviert wurde, zu den Gottesdiensten spielte. 1968 wurde sie außer Dienst gestellt.

Und wie sie klingt, die kleine Orgel, nach der Renovierung, wenn ein Könner die Register zieht und die ganze Bandbreite der Möglichkeiten des Instrumentes aus dem Jahr 1865 einsetzt! Die Auber durften es am Wochenende erleben.

Mit drei Orgelkonzerten und Orgelführungen feierten sie den Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Spitalorgel. Orgelbaumeister Giovanni Crisostomo aus Königheim hat in monatelanger Kleinarbeit die Orgel wieder in Betrieb gesetzt.

Vor den Konzerten erklärte der Meister selbst die Arbeiten, die erforderlich waren, um die Orgel wieder bespielbar zu machen.

Vielen Aubern der älteren Jahrgänge ist die Orgel noch bekannt, begleitete sie doch ab 1945, in der Zeit, als die kriegszerstörte Stadtpfarrkirche wieder aufgebaut wurde, die katholischen Gottesdienste, die in der Spitalkirche stattfanden.

Holz war stark angegriffen

Damals war es noch Aufgabe der Ministranten, mittels einer Kurbel für ausreichend Wind in den Orgelpfeifen zu sorgen. Auch Altbürgermeister Bernhard Menth konnte sich noch gut an diese Zeit erinnern.

Besonders die Bauteile aus Holz, von den Bänken für die Orgelpfeifen bis zu den hölzernen Orgelpfeifen selbst, waren vom Holzwurm derart befallen, dass ein Teil der Bauteile ausgetauscht werden musste. Nach den Erläuterungen des Restaurators wurden aber so weit wie möglich die alten Holzteile restauriert. 26 Kilogramm Knochenleim waren erforderlich. Unzählige, wohl mehr als 100 000 Wurmlöcher wurden einzeln damit aufgefüllt. Ohne die Hilfe seiner Ehefrau Michaela würde er heute noch Wurmlöcher verfüllen, so der Restaurator.

Zur Renovierung hat der Orgelbauer das Instrument vollständig zerlegt. Auf der Empore der Spitalkirche, in den Gängen des angrenzenden Spitalgebäudes und in einigen der Zimmer wurden die Einzelteile aufgereiht. Dass dabei so manche Überraschung zu Tage trat, verwundert nicht.

Einschusslöcher

Interessant waren beispielsweise die Zeitungen, die beim Bau der Orgel im Jahr 1865 verwendet wurden, um den Blasebalg abzudichten.

Die Reste eines toten Vogels wurden im Inneren der Orgel gefunden, mehrere Einschusslöcher im Gehäuse der Orgel zeugen von den Kriegshandlungen, als zum Ende des zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 die Stadt Aub von den Amerikanern eingenommen wurde.

Ein einheimischer Schuster hatte mit einem Stück Leder und Pech das Einschussloch mit den damals vorhandenen bescheidenen Möglichkeiten wieder abgedichtet, so dass die Orgel bespielbar war. Mit kleinen Steinen als Gewicht, um klemmende Ventile zu schließen, behalf man sich damals, um die Orgel bespielbar zu halten.

Lederteile an den Pfeifen waren spröde geworden oder ebenfalls vom Wurm durchlöchert, Metallstifte vom Rost zerfressen.

Auch die zahlreichen handgeschriebenen Notizen im Inneren des Orgelgehäuses zeugen nicht nur von verschiedenen Renovierungen, sondern auch von den Ministranten, die bis 1968 die Kurbel für den Blasebalg bedienten.

Unendlich viel Zeit musste investiert werden, um die Holzpfeifen wieder zum Klingen zu bringen. Ein einziges Wurmloch reichte schon aus, damit eine solche Pfeife nicht mehr tönt.

Lob für Restaurator

Bürgermeister Robert Melber lobte bei einem Festakt am Sonntag die Arbeit des Restaurators. Im Jahr 2004 wurde die Reinigung der Orgel in die Wege geleitet. Bald war aber klar: in dem Instrument ist der Wurm drin. Ehe im Jahr 2017 dann tatsächlich mit der Renovierung begonnen wurde, musste erst die Finanzierung gesichert werden. Insgesamt 33 000 Euro hat die Maßnahme gekostet. 14 600 Euro alleine wurden aus Spendengeldern aufgebracht.

Weiter beteiligte sich der Bezirk Unterfranken mit 8230 Euro, die Landesstelle für nichtstaatliche Museen steuerte 5000 Euro bei. Je 1800 Euro gaben der Förderverein fränkisches Spitalmuseum und die Stadt Aub dazu, der Rest von rund 1500 Euro wurde über Benefizkonzerte eingespielt.

Elektromotor gespendet

Einen Elektromotor, der den Blasebalg mit Luft versorgt, spendete Crisostomo selbst, nach wie vor kann die Orgel aber auch alternativ mit der Handkurbel betrieben werden. Georg Pfeuffer, Vorsitzender des Auber Heimatvereins, sprach über die Faszination Orgel.

So habe der Erbauer der Orgel, Martin Josef Schlimbach, in die Auber Spitalorgel die damals neue Kegelladetechnik angewendet, so dass die Auber Orgel möglicherweise die erste ist, die mit dieser Technik ausgestattet wurde.

Der Orgelbauer selbst erklärte, es war eine lange, anstrengende Zeit mit der Auber Orgel: „Aber es war ein Vergnügen, hier zu arbeiten“. Besonders die Betreuung durch Lucy Russel hob der Orgelbauer hervor.

Lucy Hallman Russel, selbst eine Organistin, stellte fest: „Die Orgel ist ein Mensch, denn sie singt und spricht.“