Hohenlohe-Franken

Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall Durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft zertifiziert / Personal besonders geschult

Mit Brief und Siegel für Diabetes-Patienten

Archivartikel

Schwäbisch Hall.Knapp zehn Prozent der Deutschen leiden an Diabetes. Das sind etwa acht Millionen Menschen, und die Zahl der Erkrankten steigt stetig. Sie alle benötigen eine umfassende und individualisierte medizinische Betreuung. Eine solche Behandlung wird im Diak Schwäbisch Hall schon lange angeboten. Seit kurzem ist das Diak als „Klinik für Diabetiker geeignet“ durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zertifiziert. Die Auszeichnung weist Betroffene und Niedergelassene darauf hin, dass am Klinikum im Umgang mit Diabetespatienten besonders geschultes Personal und eine umfassende Rundum-Betreuung stattfindet.

Professor Dr. Markus Menges ist Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Diabetologie und Infektionskrankheiten am Diak und formal Leiter des Diabetes-Teams. „Für die Betroffenen in Schwäbisch Hall und Hohenlohe bedeutet die Zertifizierung durch die DDG den Nachweis einer optimierten Betreuung und Behandlung. Jeder Patient, der aufgrund welcher Erkrankung auch immer bei uns aufgenommen wird, bekommt gleich zu Beginn ein routinemäßiges Screening des Blutes auf erhöhte Blutzucker-Werte.“ Der Vorteil der neuen Herangehensweise ist, dass auch Patienten, die noch gar nichts von einer möglichen Diabeteserkrankung ahnen, früh erkannt und damit von Beginn an begleitet werden können.

Wie eine solche Begleitung aussieht, unterscheidet sich je nach Diabetestyp. Experten sprechen entweder von Diabetes Typ 1 oder Typ 2. Während Diabetes Typ 1 häufig schon im Kindesalter auftritt und auf einem absoluten Insulinmangel beruht, entwickelt sich ein Typ 2 Diabetes hauptsächlich durch Ernährungsfehler, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht.

Zudem sind rund 50 Prozent der Patienten durch eine erbliche Veranlagung vorbelastet. „Das gefährliche an Diabetes Typ 2 ist, dass in vielen Fällen die Diagnose erst spät gestellt wird.“ Mit dem neuen Konzept soll dem entgegengewirkt werden. Rund 92 Prozent der Diabetespatienten leiden unter dieser Form der Erkrankung, zirka sechs Prozent der Diabetiker an Typ 1-Diabetes. Für Schwäbisch Hall heißt das: „Im Jahr 2018 haben wir über 3800 Patienten mit der Haupt - und Nebendiagnose Diabetes behandelt. Diese Zahl zeigt, wie dringend eine durchgehende Betreuung in allen klinischen Bereichen ist“, sagt Professor Menges.

Das neue Zertifikat sporne Ärzte und Pflegekräfte an, die Qualität der Behandlung für Menschen mit Diabetes weiter zu verbessern und damit ein Defizit in der stationären Behandlung zu beheben, heißt es in einer Pressemitteilung des Klinikums. Drei der zu erfüllenden Kriterien seien besonders wichtig: Es muss ein diabetologisch versierter Arzt zur Verfügung stehen, Pflegekräfte müssen diabetologisch geschult sein und es muss gewährleistet sein, dass die Blutzuckerwerte bei jedem Patienten geprüft werden. Nach der Diagnose muss schnellstmöglich mit einer Therapie begonnen werden. In enger Abstimmung mit Kollegen anderer Fachabteilungen entwickelt das Diabetesteam ein geeignetes Konzept. Diabetes ist eine Krankheit, die alle Organe im Körper betrifft. „Deshalb“, so Professor Menges, „ist es wichtig, dass wir im interdisziplinären Team zusammen arbeiten. Die Unterscheidung in Typ 1 und Typ 2 ist wichtig, denn der therapeutische Zugang ist verschieden. Ursächlich für die Entwicklung eines Typ 2 Diabetes ist die Entwicklung einer zunehmenden Insulinresistenz der Zellen in Muskeln, Leber und Fettgewebe, die die Aufnahme der Zuckermoleküle in die Zellen hemmt und damit zum Stau von Zuckermolekülen in den Adern führt. Diabetes Typ 1 wird hingegen von einer fehlgeleiteten Reaktion des Immunsystems ausgelöst, wodurch die Insulinzellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört werden.