Hohenlohe-Franken

Zum 300. Geburtstag des „Gyps-Apostels“ „Pfarrer J. F. Mayer Gesellschaft zu Kupferzell“ lässt Karte anfertigen / Historische Persönlichkeit hat regionale Bedeutung

Mühlen-Standorte ausführlich erfasst

Johann Friedrich Mayer ging als „Gyps-Apostel“ in die Annalen der Geschichte ein. Kein Wunder, dass entsprechende Mühlen in der ganzen Region verteilt sind.

Kupferzell. Die 2014 neu gegründete „Pfarrer J. F. Mayer Gesellschaft zu Kupferzell“ hat sich im Jubiläumsjahr 2019, in dem Mayers 300. Geburtstag mit einem Festwochenende gebührend gefeiert werden soll, selbst ein Geschenk gemacht: eine Gipsmühlenkarte.

Ergebnisse der Recherche

Allein im Raum Schwäbisch-Hall sind nach dem Mühlenatlas des Hohenlohekreises im Laufe der Zeit mindestens 72 Mahlmühlen bei der Gipsherstellung tätig gewesen. Dazu haben die Hohenloher Archivare Dr. Thomas Kreutzer, Rainer Gross, Andreas Volk sowie Heinz Tuffentsamer (Forchtenberg) und Horst Geiger (Öhringen) wertvolle Beiträge geliefert.

Exemplar übergeben

In den letzten Monaten nun hat sich der Öhringer Bautechniker Manfred Goldbaum der Mühe unterzogen, die Ergebnisse dieser Recherchen in einer Gipsmühlenkarte darzustellen.

Ein Exemplar wurde nun der Wirtin der Gaststätte „Gipsmühle am Starkholzbacher See“, Frau Elisabeth Jungbluth, übergeben. Der Vorsitzende der Pfarrer-Mayer-Gesellschaft, Heiner Werner, dankte Goldbaum mit den Worten: „Sie haben damit einen geheimen Wunsch des Vereins erfüllt: Mehr zu erfahren über die Verbreitung der Mayer’schen Empfehlung, Gips als Düngemittel zu verwenden.“ Ein weiteres Exemplar der Karte wird seinen Platz in der 2018 neu eingerichteten Pfarrer-Mayer-Stube im Bauernschloss Kirchberg einnehmen. Dieser Seminarraum ist für Besucher jederzeit zugänglich.

Zum Hintergrund

Der Hohenloher Landwirtschaftsreformer des 18. Jahrhunderts, Johann Friedrich Mayer, hatte sich in seinem ersten der insgesamt 37 Bücher und Schriften für die Gipsdüngung ausgesprochen und hierzu 1768, nachdem er ein Vierteljahrhundert im Pfarramt gewesen war, seine „Lehre vom Gyps als einem vorzüglich guten Dung zu allen Erd-Gewächsen auf Wiesen, Äckern Hopfen- und Weingärten“ veröffentlicht. In dessen Folge haben viele Mühlen in Hohenlohe eigene Mahlgänge zum mechanischen Zerkleinern der Gipsbrocken eingerichtet. Hierzu lieferte Mayer in seinem zweiten Werk eine Konstruktionszeichnung. Am Fuße der Keuperberge und im Muschelkalkgebiet sind acht Gipsbrüche entstanden, die das Rohmaterial lieferten – in Forchtenberg, Weißbach, Waldenburg, Westernach, Rüblingen, Gailenkirchen, Michelfeld, Satteldorf und Lorenzenzimmern. Sein Verehrer Johann Heinrich von Schwerz, der Begründer der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim, verlieh ihm nach seinem Tod das Prädikat „Gyps-Apostel“. Mayers Empfehlung war nicht immer unumstritten: Die Freie Reichsstadt Heilbronn untersagte zeitweise ihren Bürgern die Verwendung von Gips als Dünger.