Hohenlohe-Franken

Weinfest Bayerischer Ministerpräsident Markus Söder als Redner im Taubertal / „Unsere einheimische Bevölkerung nicht vergessen“

Nach Merkel und dem Papst ist Tauberzell der Höhepunkt

Archivartikel

Kaum ist er Ministerpräsident, übt er sich in Wahlkampftönen. So war Markus Söder als begehrter Redner beim Tauberzeller Weinfest zu Gast, wo am Sonntagabend 2000 Besucher das Festzelt füllten.

Tauberzell. Nach Gesprächen mit Merkel und dem Papst sei Tauberzell nun der Höhepunkt, umgarnt er das Publikum und erntet ebenso Beifallsstürme wie bei der Positionierung gegen Asylmissbrauch.

Das ist großer Bahnhof, wenn die schwere BMW-Staatslimousine an der Tauberbrücke vorfährt und Bayerns frischgebackener Freistaats-Lenker vorfährt, der gleich nach dem Aussteigen Ovationen erhält und vor wie nach der Veranstaltung durch Spaliere mit viel Händeschütteln und Fotoklicks wandelt.

Eigentlich weniger das staatstragende Moment als vielmehr der leutselig kumpelhaft auftretende CSU-Wahlkämpfer wird hier verkörpert. Bürgermeister Johannes Schneider freute sich, dass es nach zweijährigem Bemühen mit einer Söder-Rede geklappt hat – und das noch im neuen höchsten Amt.

„Bayern ist ein wundervolles Land und jeder hat Heimatgefühle, aber ich sage ganz offen Franken und Mittelfranken ist besonders schön”, steigt Söder Charme-Punkte sammelnd ein und setzt noch eins drauf, wenn er sagt, wer wissen wolle, „wie Bayern funktioniert”, müsse in die kleinen Gemeinden gehen: „Es muss nicht alles Geld immer nur nach München oder Nürnberg fließen, ihr habt es auch verdient!”

Und mit einem Blick auf kriselnde Staaten in Europa verdeutlicht der Politiker eingangs, dass es einem nirgends so gut gehe wie in Deutschland, das „mit Abstand das stärkste Land ist, ohne das Europa im absoluten Chaos wäre!”

Dann läßt er den immer ankommenden Spruch folgen, dass „Deutschlands Leistungs-Herz im Süden der Republik liegt“ und man nur so stark mit Deutschland sei, „weil es uns Bayern und Franken gibt!” Hier orientiere man sich nicht „am Modell Berlin”, wo monatelang diskutiert und gestritten werde, ob man sich Verantwortung zutraue oder nicht. Parteien hätten vielmehr die Probleme der Bürger anzupacken. Politik funktioniere „nicht durchs Mahnen, sondern durchs Machen“.

Warnung vor „Fehlentwicklung“

Der Jurist und ehemalige Fernsehredakteur aus Nürnberg versteht es, basis- und medienwirksam zu agieren. Und manchmal klingt das so regierungs- und politikerkritisch, als hätte die CSU bislang gar nichts mit Berlin zu tun gehabt.

Es dürfe nicht sein, dass Milliardenbeträge für Zuwanderer bereitgestellt würden, während ältere Leute, die ihr Leben lang in diesem Staat gearbeitet hätten, nicht mal von ihrer Rente leben könnten. „Wir helfen anderen wirklich gerne, aber wir dürfen unsere einheimische Bevölkerung nicht vergessen“, warnt Söder vor „falscher Asylpolitik“, bei der die CSU sich angesichts der zwölf Prozent AfD-Wähler nicht ganz absichtslos positioniert.

Vom Familiengeld ist ebenso die Rede wie von der Stärkung der bayerischen Polizei und des Grenzschutzes, denn Recht und Ordnung spielen bei Söder eine große Rolle. Dass allein 400 Millionen Euro für Landespflege und Familien bereitgestellt werden, zielt zusammen mit einem ganzen Maßnahmenkatalog von insgesamt bis zu einer Milliarde, der auch Forschung und Digitalisierung beinhaltet, aufs Punktesammeln für die anstehende Landtagswahl.

Die Frage nach der Identität hebt der Christlich-Soziale heraus, wer hier leben wolle, müsse deutsch können und sich einfügen. Dabei „sind wir ein christlich geprägtes Land” wie es die Gründungsväter des Grundgesetzes festlegten. Deshalb würden auch entsprechend dem neuesten Erlass „in Bayern keine Kreuze abgehängt, sondern wir stehen dazu”. Da erhielt er im Zelt viel Beifall, ebenso wie für manche Episode aus dem Leben des gebürtigen Nürnbergers, der es versteht Volksnähe zu schaffen und streckenweise Unterhaltungsqualität erreicht, Selbstironisches eingebaut. Das veränderte Europa und Amerika verlangten neue Antworten. Deutschland sei nicht da die Schulden anderer zu zahlen, tönt es populistisch.

Für große und kleine Probleme

Und zum Abschluss die schöne Botschaft: „Zeiten, als Mittelfranken am Ende der bayerischen Nahrungskette stand, sind vorbei, wir sind selbstbewusst, ich will mich um die großen und kleinen Probleme kümmern”. Bayern sehe er als Vorreiter der Demokratie und: „Ich bin der Markus und doe bin i dahoam und doe bleib i auch!” Was folgt? Stehend rhythmischer, langer Beifall.