Hohenlohe-Franken

Burg Brattenstein Ostflügel mit Festakt eingeweiht / 35 Jahre Frankenfestspiele Röttingen / Lars Wenecke als neuer Intendant vorgestellt

Rauschender Beifall für Heeresmusiker

Archivartikel

Über 500 begeisterte Gäste wohnten dem Festakt anlässlich „35 Jahre Frankenfestspiele“ mit feierlicher Übergabe des neuen Ostflügels der Burg Brattenstein bei.

Röttingen. Für die einmalige Stimmung sorgte nicht nur die Tatsache, dass nach 47 Jahren der eingestürzte Ostflügel der Burg wieder aufgebaut ist, sondern auch das umjubelte Konzert des Heeresmusikkorps Veitshöchheim.

Der am 5. November 1971 durch unglückliche Umstände eingestürzte Teil hinterließ nicht nur eine Lücke in der Burg, sondern begrub auch vier Frauen unter sich.

Bei dem Festakt zur 35. Jubiläumssaison im Burghof, durch den die ehemalige fränkische Weinkönigin Marion Wunderlich gekonnt führte, hielt sie gemeinsam mit Bürgermeister Martin Umscheid einen Rückblick. Seit 1984 gibt es die Festspiele, zunächst mit dem Titel „Festspiele an der Romantischen Straße“ und seit 2013 als „Frankenfestspiele“.

Gründungsväter sind der ehemalige Bürgermeister Günter Rudolf und Prinzipal Veit Relin. Der Sommerhäuser Künstler suchte neben dem Torturmtheater eine neue Spielstätte und fand diese durch die Interessenbekundung von Bürgermeister Rudolf in Röttingen, der auch die Pionierarbeit erledigte.

Margot Beck, die von Beginn an dabei ist, erinnerte sich, dass man bei den 22 Vorstellungen zu Beginn meinte, „Sind das nicht zwanzig zu viel“? Doch mit den „Nestroy-Stücken“ hatte man quasi ein Alleinstellungsmerkmal und von überall her reisten die Nestroyfans an. In den dreieinhalb Jahrzenten zählte man mehr als 700 000 Zuschauer.

Eine Luftveränderung

Neben der guten Qualität der Schauspielleistungen trugen vor allem die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer zum Erfolg bei. Bei dieser Gelegenheit konnte Bürgermeister Umscheid sowohl den nach der diesjährigen Spielzeit scheidenden Intendanten Knut Weber begrüßen, als auch seinen Nachfolger Lars Wenecke erstmals dem Röttinger Publikum vorstellen. Nach fünf Jahren als Oberspielleiter am Staatstheater Meiningen wolle er einfach mal eine Luftveränderung und fand in Röttingen sein neues Aufgabengebiet, so Wernecke weiter. Nachdem die in Wien lebende Australierin Caroline Frank, begleitet von Walter Lochmann am Klavier, von ihren „Urlaub im Röttinger Ortsteil Strüth“ bei ihrem Engagement 2013 berichtete und den Abend musikalisch eröffnet hatte, schloss sie auch den ersten Teil.

Der zweite Teil gehörte komplett den Musikern der Bundeswehr unter der Leitung von Oberstleutnant Roland Kahle. Die Veitshöchheimer sind eines von nur zehn Orchestern, die seit 1962 für die Truppe im In- und Ausland unterwegs sind. Sie kommen jährlich auf über 150 Auftritte.

Das Konzert der Extraklasse mit seinem extrem breiten Repertoire reichte vom 63 Sekunden dauernden imitierten „Hummelflug“, dargebracht von Hauptfeldwebel Christian Klüh auf der Klarinette über das rund elfminütige „In 80 Tagen um die Welt“ bis zu Andrew Lloyd Webbers Musical-Gala mit dem melancholischen Hit „Memory“ aus Cats oder dem bekannten „Don’t Cry For Me, Argentina“.

Dass es nach knapp 120 Minuten nicht ohne Zugabe ausging, war vorherzusehen. Unter stehenden Ovationen folgten „Laridah“, der „Radetzkymarsch“, „Alte Kameraden“ und das Deutschlandlied. Als „sensationell“ bezeichnete Umscheid das Konzert und sprach von einem „künstlerischen Hochgenuss“, der zum 35. Spielsaisonstart nicht besser hätte sein können.