Hohenlohe-Franken

Traditionen Pfarrer Georg Leiberich und Pfarrerssohn Bernulf Schlauch über das „Heiraten in Hohenlohe“ / Früher Hochzeitsstau vor Ostern

Schmuser, Sauhändler und die Liebe

Georg Leiberich und Bernulf Schlauch berichten in Schrozberg über alles Wissenswerte bei Liebesanbahnungen und Hochzeitstraditionen.

Schrozberg. Die beiden sind ein geniales Duo, der Schwabe und der Hohenloher. Auf der einen Seite der Schrozberger Pfarrer Georg Leiberich, der gleich zu Beginn offen zugibt, nicht perfekt die Sprache der Einheimischen zu beherrschen. „Aber wir stoßen an auf die Liebe in Hohenlohe, lasset die Korken knallen“, fordert er die 100 Besucher im evangelischen Gemeindehaus Schrozberg auf. Dies geschieht stilecht mit Sekt aus dem Hause von Bernulf Schlauch.

Der Bächlinger Pfarrersohn ist als zweiter Moderator nicht nur für die Lieferung des leicht alkoholischen Getränks, sondern auch für den Abriss der Geschichte „über das Heiraten in Hohenlohe“ zuständig.

Leiberich ist dafür bekannt, dass er sich in Hochzeitsgottesdiensten auch als Dichter von Versen und Reimen zeigt: „Damit habe ich so richtig um das Jahr 1998 angefangen. Reime rüttelten die Zuhörer auf und beleben die Predigt.“

In der zweistündigen Veranstaltung gab es einige Kostproben. „Der Fußballspieler soundso, beim Spiele der Reserve sah, am Spielfeldrand ein Fräulein stehen und meinte kurz nicht recht zu sehen. Da stand ein Fräulein mit viel Mut, die trug ’nen großen roten Hut. Der hat ihn magisch angezogen, auf diesen Hut ist er geflogen.“

Schlauch konzentrierte sich auf die Hochzeitsrituale: „Früher war das nicht so einfach wie heute.“ Er zitierte die Eheordnung aus dem Jahr 1729: Niemand solle sich heimlich verloben. Für Eheanbahnungen waren die sogenannten Schmuser verantwortlich. „Aber es gab ja auch noch die Sauhändler, durch sie wurden viele Ehen geschlossen.“ Da sie in jedes Haus kamen, kannten sie die Heiratswilligen und -fähigen. „Bevor ein Bursch zu seinem Mädle ging, musste sie zeigen, was sie kann.“ Dazu gehörten zum Beispiel kochen und backen. Als eigentliches Verlobungsessen hat Siedfleisch mit Meerrettich Tradition. Schlauch fragte in die Runde: „Wer weiß, warum es früher ausgerechnet vor Ostern einen Hochzeitsstau gab?“ Einige wussten die Antwort. Die Bauern wollten heiraten, bevor die Feldarbeit begann und außerdem wurde Wert auf ein Datum bei zunehmendem Mond gelegt.

Prioritäten setzen

Leiberich konnte sich einen Schwenk zur heutigen Hochzeitsmaschinerie nicht verkneifen. „Die Wertigkeit lautet: Location, Termin, Hochzeitsreise – und dann sollte der Pfarrer natürlich genau am Wunschtermin Zeit haben.“

In der früheren Zeit dagegen stand der Brautwagen mit seinen eisenbereiften Holzrädern inklusive Bett, Schrank, Truhe, Bettwäsche und Näpfen im Mittelpunkt der Vorbereitungen. Dabei war die Braut ganz in Schwarz gekleidet und trug einen weißen Schleier plus Ehrenkränzle – falls sie kein uneheliches Kind hatte.

„Zum Glück ist dieser Käse vorbei“, sagte Schlauch. Und warum ging die junge Braut stets als Erste ins Haus hinein? „Sie sollte dort das Sagen haben“, wussten einige Zuhörer.