Hohenlohe-Franken

Carilsheimer Volksfest CSU-Chef Horst Seehofer im Engel-Zelt: "Deutschland soll Insel der Sicherheit bleiben" / Grüne kontern auf dem Jahnhallenplatz

Seehofer singt Hohelied des deutschen Südens

Auf den Spuren von Strauß und Guttenberg: Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hat im Engel-Zelt gezeigt, dass er auch in Württemberg punkten kann.

Crailsheim. "Obergrenze!" wurde Horst Seehofer gestern am Zelteingang zugerufen. Der bayerische Ministerpräsident griff sich den Rufer und wettete um eine Flasche Wein mit ihm, dass es bis Weihnachten eine Begrenzung der Zuwanderung gibt. Zuwanderung war dann immer wieder Thema.

Zunächst sang Seehofer aber das Hohelied Bayerns und Baden- Württembergs. Er nannte Crailsheim "geistige Hochstätte" und generell den Süden der Republik "den Stern, der am hellsten leuchtet über Deutschland". Hier kämpfe die Bevölkerung besonders hart und erfolgreich dafür, dass es Deutschland so gut gehe wie niemals zuvor: "Das ist Ihr Werk." Ein paar Spitzen gegen finanzschwächere Bundesländer durften da nicht fehlen.

"Auf der Zielgeraden"

Er kämpfe darum, dass Deutschland Deutschland bleibe, so Seehofer, eine "Insel der Sicherheit".

Sein erstes Anliegen war dann auch die innere Sicherheit. Menschen sollten "im Rahmen unserer Werteordnung" ihr Leben so gestalten, wie sie das für richtig halten. Es habe sich immer als falsch erwiesen, alles zu reglementieren und für die Menschen denken zu wollen. Soziale Marktwirtschaft, Rechtsstaat und dynamische Demokratie hätten zum "besten Deutschland geführt, dass es je gab".

Diese Freiheit aber gebe es nicht ohne Sicherheit. Wenn es um den Schutz der Bevölkerung gehe, brauche es einen starken Staat. Wer sich dafür einsetze, sei nicht rechtsradikal, sondern vernünftig. Ausschreitungen wie in Hamburg hätte es in Bayern nicht gegeben, war sich Seehofer sicher: Junge Polizeibeamte hätten sich nichts mehr gewünscht, als dass Politik und Bevölkerung hinter ihnen stünden. Seehofer ging es auch um in seinen Augen überfällige Strafrechtsverschärfung bei Wohnungseinbrüchen.

Zweiter Themenblock war die Zuwanderung. Ein bisschen selbstironisch brachte er seine sich verändernden Ansichten und Forderungen in direkten Zusammenhang mit der wechselvollen bayerischen Geschichte und fragte, ob er denn erst sterben müsse, bevor ihm - wie seinen politischen Urahnen - politischer Weitblick bescheinigt werde.

Transitzentren schaffen "Wir wollen nur wissen, wer im Land ist" und "Straftäter müssen das Land verlassen" waren zwei zentrale Forderungen. Und: "Bereits an der Grenze, in Transitzentren, muss entschieden werden, wer ins Land darf." Seehofer distanzierte sich von Ausgrenzung, Diskriminierung und Antisemitismus, machte aber auch deutlich, dass Integration "nach unseren Traditionen, unserer Leitkultur stattzufinden" habe. "Grünen Ideologen", die glaubten, "die Automobilindustrie kaputtmachen zu können", solle man auf die Finger klopfen. Natürlich müsse diese Industrie ihren Mist auf eigene Kosten beseitigen, aber es gebe keinen Anlass für "die Spargeltarzans und Lebensstudenten", einen "Feldzug gegen den Verbrennungsmotor" zu führen.

Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen waren ein Thema, dann die Altersarmut vor allem der Frauen: Kindererziehungszeiten müssten deutlich besser bewertet werden als bisher. Er sprach sich fürs Handwerk aus ("der Mensch beginnt nicht mit dem Abitur") und gegen Vereinheitlichungen des Bildungssystems in Deutschland".

Wahlkampf auf Volksfesten und in Bierzelten? Auch für die Grünen kein Problem. Diese Botschaft setzten die Crailsheimer Grünen mit ihrem ersten "alternativen Volksfestauftakt" in die Welt. Zeitgleich zur Kundgebung mit Horst Seehofer boten sie auf dem Jahnhallenplatz das Urgestein Rezzo Schlauch auf.

Noch vor dem ehemaligen Spitzenpolitiker, der als Grünen- Fraktionsvorsitzender im Bundestag zu den wichtigsten Männern der rot-grünen Koalition gehörte, nutzte die Grünen-Landesvorsitzende Sandra Detzer die Gelegenheit, um auf die Bierzelttauglichkeit der Grünen hinzuweisen. Sie komme aus Niederbayern, sie kenne die Tradition der Auftritte von Politikern in Zelten. Umso mehr freue sie sich, dass die Crailsheimer Grünen einen Kontrapunkt zum Auftritt des bayerischen Ministerpräsidenten setzen - noch unter Sonnenschirmen und nicht im Zelt, aber das könne ja noch werden.

"Alternativer Auftakt"

Auch Rezzo Schlauch freute sich über den alternativen Auftakt in der Stadt, in der er einst Oberbürgermeister werden wollte. "Eine saumäßig gute Idee", konstatierte er dem Grünen-Ortsvorsitzenden Christian Hellenschmidt. Und fügte gleich hinzu, dass er das schon immer gerne gemacht habe: Straßenwahlkampf, Bierzeltwahlkampf. Nur müsse die Bierseligkeit eben eine grüne sein. Schlauch erinnerte daran, dass er es war, der grüne Politiker als Redner auf der Gillamoos, einem der ältesten Jahrmärkte in Bayern, bierzeltfähig gemacht habe. Er hielt dort 1997 eine Rede.

Zustände wie auf dem Gillamoos, wo in mehreren Bierzelten Politiker gleichzeitig auftreten, auch in Crailsheim? Warum nicht, sagt Schlauch und verweist auf einen Wahlkampf, der diesen Namen nicht verdiene. Schon zuvor hatte Grünen-Bundestagskandidat Harald Ebner den "Wischiwaschi-Wahlkampf" kritisiert und gefordert, "dass die Grünen nicht nur in Stuttgart den Ton angeben".

Schlauch forderte CSU-Chef Seehofer auf, öfter nach Baden-Württemberg zu kommen, "denn hier, in einem Bundesland mit einem grünen Ministerpräsidenten, kann er noch einiges lernen." bit/aha