Hohenlohe-Franken

Toppler-Theater Rothenburg Beschwingte Tanzstunden / Erfolgreicher Start in die Sommersaison

So machen Lebenslügen richtig Spaß

Archivartikel

ROTHENBURG.Mit einem in jeder Hinsicht furiosen Auftakt ist das Rothenburger Toppler Theater in seine elfte Sommersaison gestartet. Von „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen” handelt die erste Eigenproduktion, für die es nach der Premiere durchweg gute Kritiken gab. Eine schwungvolle, vergnügliche Komödie, die aber auch Nachdenkliches bietet.

Wie immer sind es zwei Eigenproduktionen plus etliche Gastspiele, die das Toppler Theater von Ende Juni bis Ende August seinem Publikum präsentiert. Mit Katja Wolff hat man eine republikweit bühnenerfahrene Regisseurin verpflichtet, die nicht nur das erste Stück von Richard Alfieri (das noch bis 22. Juli gespielt wird), sondern auch die zweite vielversprechende Produktion „Wir sind mal kurz weg” (ab 1. August) übernommen hat und an der Rothenburger Bühne bereits 2016 inszenierte.

Selten gab es soviel offenen Szenenbeifall wie letzte Woche bei der Premiere der Tanzstunden-Komödie, die aber mehr hinter- und tiefsinnige Passagen aufweist, als man vielleicht vermuten könnte. Schließlich werden die Zuschauer in dem 138 Sitzplätze fassenden Freilichttheater dank der flotten Tanzeinlagen richtig in Stimmung versetzt. Und wenn die Beach Boys mit ihrem Erfolgstitel der Sechziger „Surfin USA” erklingen, fühlt man sich dank eines auf die Bühne drapierten bunten Wohnwagens endgültig in California angekommen. Auf einen Campingplatz im Sonnenstaat haben Regie und Bühnenbildner das Geschehen verlegt. Mit Jan Freese (Bühne und Kostüm) und dem Regieassistenten Thomas Heep hat man das professionelle Team am Toppler Theater ideal vervollständigt. Und nach dieser ersten diesjährigen Inszenierung lässt sich bereits feststellen: man ist spürbar dabei sich weiter als anspruchsvolle Kammerfreilichtbühne zu etablieren und vor allem auch Theaterfreunde über die Region hinaus zu überzeugen. Das zeigt sich schon daran, dass zunehmend bekannte Darsteller wie Regisseure hier gerne ein Engagement eingehen. Im aktuellen Tanz-Stück geht es um Lily, gealterte Witwe eines konservativen Baptistenpredigers aus dem Süden der USA, die sich einen Tanzlehrer ins Haus bestellt hat. Die Agentur schickt ihr den hitzköpfigen und etwas mimosenhaften Italiener Michael. Zwischen beiden beginnt über Höhen und Tiefen eine wunderbare Freundschaft. Die Besetzung mit Ilona Schulz und Tobias Rott erweist sich als ideal, die Regie gibt den Dialogen und Szenen ihre eigene Note. Bei den enttarnten Lebenslügen in den Alfieri-Dialogen mag sich mancher im Zuschauerraum gar entdeckt fühlen. Und obwohl diese Komödie leichtfüßig unterhaltsam daherkommt, gelingt es gerade die tiefsinnigen Momente dem Publikum nahezubringen. Dazu ein anhaltender Schlussapplaus und erste Kritiken in den Feuilletons, in denen von „großartigem Boulevardtheater”, mitreißender Schauspiel- und Regiekunst die Rede ist. Dass die „sechs Tanzstunden in sechs Wochen” allerfeinste Unterhaltung für laue Sommernächte sind, wurde gleich zum Start überzeugend bewiesen.

Das Stück läuft noch an folgenden Tagen: 3., 4., 5., 7. und 9. Juli sowie vom 12. bis 14. Juli und 17. bis 19. Juli jeweils um 20.30 Uhr, ebenso am 21. Juli und abschließend am Sonntag, 22. Juli (dann bereits 19.30 Uhr). Dazwischen gibt es Gastspiele und am 1. August steht die Premiere der zweiten Eigenproduktion „Wir sind mal kurz weg” (von Tilmann von Blomberg und Bärbel Arenz) an. Zu sehen ist es bis Saisonschluss am Mittwoch, 29. August, und jeweils dann bereits um 19.30 Uhr.

Bei dieser Midlife-Crisis-Revue geht es um vier Männer, die sinnsuchend auf dem Jakobsweg gestrandet sind und ungeplant ihre Ängste, Hoffnungen und Träume teilen. Stefan Gossler, Alexander Wipprecht, Stephan Schill und Dirk Witthuhn begeben sich auf die Seelen-Wanderschaft. So wie das Erststück schon auf dem Erfolgsweg ist, hofft man auch beim zweiten auf einen „Sommer-Saison-Renner”. diba