Hohenlohe-Franken

Kommunen Verwaltungschefin wegen Beraterhonoraren in der Kritik / „Anträge nicht auf die Tagesordnung gesetzt und Anfragen wochenlang nicht beantwortet“

Stadträte mit Bürgermeisterin über Kreuz

13 von 20 Mandatsträgern in Leutershausen bei Schillingsfürst haben den den Landrat eingeschaltet und beschweren sich heftig über die Amtsführung von Bürgermeisterin Sandra Bonnemeier.

Leutershausen. In Leutershausen im Landkreis Ansbach hängt der kommunalpolitische Haussegen ganz gewaltig schief: 13 von 20 Stadträten aus drei der vier Fraktionen beklagen sich in einem Brandbrief an den Landrat Dr. Jürgen Ludwig über die Amtsführung von Bürgermeisterin Sandra Bonnemeier, die seit rund eineinhalb Jahren auf dem Chefsessel des Rathauses in Leutershausen sitzt.

Sandra Bonnemeier ist in Hohenlohe keine Unbekannte: Nach einem ersten Versuch in Niederstotzingen im Kreis Heidenheim, bei dem ihr im Februar 2016 zum Sieg nur vier Stimmen fehlten, trat sie im Mai 2016 in Schrozberg an, unterlag dort aber mit 27,6 Prozent der Stimmen. Knapp einen Monat später warf Bonnemeier ihren Hut auch in Kirchberg in den Ring, mit 28,5 Prozent blieb ihr aber auch hier der Erfolg verwehrt.

Ihr Ziel, unbedingt Bürgermeisterin in Süddeutschland zu werden, erreichte Sandra Bonnemeier schließlich im November 2016: Mit 73,9 Prozent der Stimmen hoben sie die Bürger von Leutershausen auf den Schild.

„Die Vorschusslorbeeren für die neue Frau an der Stadtspitze sollten allerdings schon bald welken“ – so beschreibt die „Fränkische Landeszeitung“ aus Ansbach den „Regierungsstil“ von Sandra Bonnemeier. Das Schreiben der Stadträte an die Dienstaufsichtsbehörde im Ansbacher Landratsamt bildet den vorläufigen Höhepunkt eines heftigen Konfliktes, der bereits im Januar 2018 zu schwelen begann und seither an Schärfe zugenommen hat.

Info-Stele wieder abgebaut

Ohne Beschluss des Stadtrates ließ Sandra Bonnemeier seinerzeit eine elektronische Informationstafel zum Kostenpunkt von mindestens 23 000 Euro vor dem Rathaus inmitten der historischen Altstadt von Leutershausen aufstellen, die, entgegen ihren Angaben, auch nicht vom Denkmalschutz genehmigt war. Inzwischen wurde die Stele auf Geheiß des Landratsamtes wieder abgebaut.

Die Kommunalpolitiker werfen Bonnemeier noch weitere Alleingänge vor: Ohne Beschluss des Stadtparlaments habe die Bürgermeisterin schon kurz nach ihrem Amtsantritt mehrfach die Dienste eines externen Beraters aus Satteldorf für diverse kommunale Projekte in Anspruch genommen. Bonnemeier ließ dem Mann auch schon in ihrer Zeit als Wirtschaftsförderin in Oer-Erkenschwick in Nordrhein-Westfalen Aufträge zukommen, obwohl sie damit ihre „Kompetenzen deutlich überschritten hat“, wie der dortige Bürgermeister Carsten Wewers in einer Lokalzeitung zitiert wird.

„Plus- und Minusmenschen“ Der Rechnungsprüfungsausschuss des Stadtrates in Leutershausen wiederum hat „Hinweise“ darauf, dass für den besagten Berater bislang Honorare „in Höhe von weit mehr als 100 000 Euro“ geflossen seien. Nach Presseinformationen soll der Betrag inzwischen bei mindestens 160 000 Euro liegen.

Sandra Bonnemeier wollte den Berater auch als Vorstand im städtischen Kommunalunternehmen installieren – was der Verwaltungsrat allerdings ablehnte. Den gut dotierten Posten erhielt ein anderer Bewerber, der aber schon nach neun Wochen entnervt das Handtuch geworfen hat.

Die 13 Stadträte kreiden der Bürgermeisterin zudem an, dass sie Anträge nicht auf die Tagesordnung gesetzt und Anfragen wochenlang nicht beantwortet habe.

Letztlich könne das Gremium seiner Kontrollfunktion nicht nachkommen, wie es in dem Schreiben der 13 Kommunalpolitiker an den Landrat heißt. Stadträte können auch nicht im Rathaus nachfragen: Sandra Bonnemeier hat den Bediensteten strikt untersagt, Auskünfte zu geben: Nur sie allein sei dazu befugt.

Auf die Kritik reagiert Sandra Bonnemeier mit ellenlangen Texten, nicht nur in einem privaten Internet-Tagebuch, sie nutzt für ihre Sicht der Dinge auch weidlich das amtliche Mitteilungsblatt der Stadt.

„Haltlose Unterstellungen“ sehen dagegen die 13 Stadträte in den Rechtfertigungen der Bürgermeisterin, in denen dann auch mal von „Plus- und Minusmenschen“ die Rede ist, „garniert mit bizarren Dutzi-Dutzi-Lebensweisheiten“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ über die Vorgänge in Leutershausen schreibt.

Gegenüber der Presse wollte sich Sandra Bonnemeier zu den einzelnen Vorwürfen nicht äußern. Sie verwies stattdessen auf eine von ihr anberaumte Veranstaltung zur „Bürgerinformation und zum Dialog“, bei der sie gestern abend in der der Alten Turnhalle Stellung zu allen Kritikpunkten beziehen wollte. Denn „die Schmutzkampagne muss aufhören“, wie sie sagte. haz