Hohenlohe-Franken

Rothenburger Wildbad Liedfestival auf hohem Niveau / Internationale Konzerte mit Auftritten von jungen Stars

Streifzug durch acht Jahrhunderte

Drei Tage lang stand das Lied in all seinen Variationen beim Internationalen Festival im Rothenburger Wildbad im Mittelpunkt. Das Spektrum reichte vom Minnesang bis zu den Beatles.

Rothenburg. Präsentiert wurden im Wildbad Lieder in allen Formaten, beim Eröffnungskonzert am Freitagabend bot sich im Jugendstil-Theatersaal des Wildbades ein Feuerwerk der Hits aus einer Zeitspanne von rund 800 Jahren, interpretiert von internationalen Solisten aus Oper und Konzert sowie dem örtlichen St.-Jakobs-Chor und der Beatles-Revival Band. Initiator und Organisator Christoph von Weitzel hatte 2014 zum ersten Mal das Experiment gewagt ein solch großes und anspruchsvolles Festival in der dafür idealen Umgebung des schlossähnlichen Wildbad-Gebäudes am Taubertalhang vor Rothenburgs Toren zu veranstalten.

Den Menschen einen Zugang zum Kunst- und Volkslied zu verschaffen, konnte natürlich nicht gleich auf größten Zuspruch stoßen, das war auch dem Bariton von Weitzel klar, aber im zweijährigen Turnus verfolgte er konsequent sein Ziel und sieht sich jetzt nach dem 3. Liedfestival bestätigt: „Es hat sich bewährt, der Parcours-Ritt durch die Jahrhunderte ist sehr gut angekommen, aber wir werden auf jeden Fall auch manches verändern”, sagt Christoph von Weitzel.

Szenischer Abend

Dass es gelungen ist Künstler aus Polen (Schlesien) und Italien zu verpflichten freut ihn besonders, ausgewählte Stars brillierten im dreitägigen Programm. Aus Österreich ist Regisseur Edmund Emge, Wien, schon von Anfang an unterstützender Partner des Liedfestivals und hat diesmal den szenischen Liederabend realisiert: „Das macht ganz besonders viel Spaß, weil es eine Form ist, die das Lied mit Theater oder Oper kombiniert, also eine große Herausforderung!”

Nicht nur das Eröffnungskonzert in großer internationaler Besetzung, sondern auch das Galakonzert am Samstagabend unter dem Motto „Italien, Polen und Deutschland im Lied” hatte seine extravagante Note und drückte die Vielfalt europäischen Kulturerbes in der Musik aus. Der Solist Piotr Koprowski, Sopran Johanna Cierniak und am Klavier Krzysztof Anczyk (alle vom polnischen Nationalensemble „Slask”) Christoph von Weitzel als Bariton und Fiorella Sassanelli am Klavier oder Mezzosopran Tiziana Portoghese sind nur einige Namen herausgegriffen – insgesamt eine Leistung auf allerhöchstem Niveau, die hier geboten wurde. Diese Liedgala „verstand zu entfesseln” und sorgte für restlos begeisterte Zuhörer, heißt es in einer Kritik.

Es ist die künstlerische Vielfalt in Form und Ausdruck, die Inszenierung und das breite Spektrum des Liedes unter Einfluss verschiedenster Zeitepochen, die den Abend zu einem Genuss werden lassen. Nicht weniger ergänzen weitere Veranstaltungen perfekt das Festival. Die Talentsuche hatte zwei Castings als Vorlauf und am Ende überzeugten sechs Amateure, die ausgewählt wurden. Darunter solche Talente wie die Sängerin Amelia Hansen, die mit ihrer außergewöhnlich schönen, charaktervollen Stimme schon bei mehreren Auftritten überzeugt hatte. Die Lied-Präsentation der „Jungen Stars” am Sonntagnachmittag zum Abschluss machte unter Regie von Edmund Emge noch einmal offensichtlich wie sich ein breites Publikum, das nicht sachkundig sein muss, begeistern läßt. Vor allem wenn es so wie hier von Margarita Vilsone (Sopran), Denise Felsecker (Mezzosopran), Ulrich Pakusch (Klavier) und Akram al Halabi als Maler in raumgreifenden Szenen einer Geschichte in Liedern dargeboten wird. Franz Schubert, Robert Schumann, Gustav Mahler, Johannes Brahms und Edvard Grieg kamen dabei als Komponisten zu Ehren.

Volkslieder anderer Nationen

„Man muss auf die Volkslieder der andern Nationen hören, um deren Mentalität zu verstehen” meint Christoph von Weitzel im Sinne einer Aussage Robert Schuhmanns. Der Initiator und Veranstalter zeigt sich sehr zufrieden mit dem Verlauf, auch die angebotenen Arbeitskreise seien gut angenommen worden. Nun ist sogar von den ausländischen Gästen die Idee aufgekommen, ein europäisches Netzwerk im Sinne des Liedfestival-Gedankens aufzubauen.

Aber vorerst gilt es zu überlegen, wie ein 4. Rothenburger Festival 2020 im Wildbad realisiert werden kann. Immerhin waren 26 Künstler und ein Chor beteiligt und über drei Tage entstehen Kosten, die nur durch öffentliche Zuschüsse und Sponsoren zu schultern sind. Vor allem braucht man auch noch mehr zahlendes Publikum. Die Kunst so von Weitzel, ist es, den Menschen zu vermitteln, was sie versäumen, wenn sie sich das entgehen lassen. Um ein breites Publikum an die schönen Künste heranzuführen hat dieses internationale Liedfestival jedenfalls die allerbesten Voraussetzungen.