Hohenlohe-Franken

Landwirtschaft Austritt von Rudolf Bühler aus dem Bauernverband Schwäbisch-Hall-Hohenlohe bleibt Diskussionsthema

„Verbandsarbeit keine One-Man-Show“

Die Aufkündigung der Partnerschaft zwischen BESH und Bauernverband beschäftigt die Akteure. Rudolf Bühler will nichts mehr dazu sagen.

Schwäbisch Hall. Der Austritt von Rudolf Bühler, Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), aus dem Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe- Rems hat für Erstaunen gesorgt. Ebenso seine Ankündigung, dass die Partnerschaft zwischen BESH und dem Verband beendet sei. Bühler hatte sich an Äußerungen des Bauernverbands gestört, die unter anderem seine harsche Kritik an der Bauernrente und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln scharf kritisiert hatte.

Der Verband bleibt bei seiner Position, die dessen Vorsitzender Klaus Mugele schon bei der Delegiertenversammlung Ende März in Michelfeld geäußert hatte. „Für die breite berufsständische Interessenvertretung fehlt der BESH die Legitimation. Als Vermarkter in einem speziellen Markt kann sie nicht Anspruch auf Vertretung aller Bauern erheben“, stellt er auf Nachfrage fest.

„Die Bauern stehen unverändert zu ihrem Bauernverband, der die über die Marktsegmente hinausreichenden Interessen zusammenführt und gegenüber der Politik vertritt.“

Bei zahlreichen Landwirten, Behördenvertretern sowie Vertretern von Banken und Genossenschaften habe er darüber hinaus „Kopfschütteln und überdeutliche Kommentare“ wegen der Ankündigung der Beendigung der Partnerschaft der BESH mit dem Bauernverband wahrgenommen.

„Unser Verband hat die Aufgabe der Interessenvertretung und Beratung der Mitglieder in nahezu allen betrieblichen, rechtlichen, steuerlichen, sozialen und persönlichen Fragen. Uns geht es um die Menschen und ihre Bedürfnisse, nicht um Schlagzeilen“, so Mugele. Voraussetzungen seien gegenseitige Wertschätzung und ein respektvoller Umgang. „Unsere Strategie ist, mit guten Argumenten Mehrheiten zu überzeugen“, unterstreicht Mugele. „Bauernverbandsarbeit ist keine One-Man-Show.“

Die Landkreisverwaltung verfolgt den Konflikt zwischen Bühler und Bauernverband zurzeit über die Presse-Berichterstattung. Bewerteten will man dies allerdings nicht. „Die Mitgliedschaften sowohl in der BESH als auch im Bauernverband sind individuell und auf freiwilliger Basis. Deshalb steht uns keine Bewertung der Vorgänge zu“, sagt Simone Bocher-Hohenstein von der Pressestelle des Landratsamts.

Ihre Behörde und damit auch das Landwirtschaftsamt in Ilshofen arbeite sowohl mit der BESH als auch mit dem Bauernverband gut und vertrauensvoll zusammen und werde dies auch weiterhin tun. „Natürlich ist es sehr bedauerlich, dass die Partnerschaft aufgekündigt wurde. Eine Einmischung in Interna beider Verbände ist jedoch durch das Landratsamt nicht vorgesehen“, stellt die Sprecherin fest.

Doch wie sehen Landwirte im Landkreis Hall die Auseinandersetzung? „In einer Demokratie darf man doch anderer Meinung sein, aber man muss die Meinung anderer auch akzeptieren“, sagt Gottlieb Wieland, der in Michelfeld einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet. „Wenn es in der Agrarbranche gerade keine anderen Themen gibt als Rente und Pflanzenschutz, dann geht es der Branche ja gut.“ Sinnvoller wäre es, sich um Fragen der Planungssicherheit landwirtschaftlicher Betriebe, des Arbeitskräftemangels und der Öffentlichkeitsarbeit des Bauernstandes Gedanken zu machen. Es müsse auch eher an Lösungen gearbeitet werden, „dass der Süden nicht immer das Schlusslicht in Deutschland bei Gewinn und Rentabilität in der Landwirtschaft einnimmt“.

Grundsätzlich positiv hat es Hartmut Engelhardt vom Biohof Engelhardt in Untermünkheim bewertet, dass BESH und Bauernverband vernetzt waren und bei Projekten zusammengearbeitet haben. „Dass diese Partnerschaft nun beendet ist, hat sich in den vergangenen Monaten ja schon angedeutet und kommt somit nicht völlig überraschend“, so Engelhardt.

„Mischen uns nicht ein“

Es könne aber davon ausgegangen werden, dass beide Organisationen ihre spezifische Arbeit weiterführen werden. Probleme zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft würden durch das Nein der BESH zum Bauernverband nicht zunehmen.

Für ihn als Biolandwirt sei eine weitere wichtige Stimme für die Landwirtschaft in Baden-Württemberg die AÖL (Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau). „Hier finden nach wie vor Gespräche mit beiden Seiten statt“, stellt Engelhardt fest.

Auf Landesebene ist der Streit kein Thema. „Das müssen die Akteure unter sich ausmachen, da mischen wir uns nicht ein“, sagt Jürgen Wippel, stellvertretender Pressesprecher des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Ob dadurch die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen landwirtschaftlichen Akteuren beschädigt sei, dazu wolle man sich nicht äußern.

Für Rudolf Bühler selbst scheint die Angelegenheit abgeschlossen zu sein. „Ich möchte mich hierzu nicht mehr äußern“, sagt er auf Nachfrage. Er stellt aber fest: „Es gibt keine Gegnerschaft zwischen bio und konventionell.“ Die BESH decke alle Bereiche der Erzeugung und Vermarktung in der Region ab. Der Bauernverband habe hingegen andere Aufgaben und Zielsetzungen.

„Unser Bestreben liegt darin, die Einigkeit der in der Landwirtschaft tätigen Personen und Organisationen zur Durchsetzung gemeinsamer Ziele zu fördern“, sagt abschließend Bauernverbandsvorsitzender Mugele. Mit Sicherheit würden auch in Zukunft Projekte und Herausforderungen anstehen, die die gesamte Landwirtschaft in der Region beträfen.

„Dann liegt es an der BESH, ob ein faires Miteinander mit Respekt möglich ist“, so der Landwirt aus Forchtenberg. Norbert Acker