Hohenlohe-Franken

Reichelsburgfest in Baldersheim Mit buntem Mix aus Mittelalter-Events und moderner Musik die Besucher begeistert

Vom Truchseß per Handschlag begrüßt

Von einem „echten“ Truchsess begrüßt zu werden, noch dazu auf seiner eigenen Burg – wann passiert einem das schon einmal?

Baldersheim. Im Auber Stadtteil Baldersheim, auf der Reichelsburg, konnte das am Wochenende durchaus passieren, wenn Truchseß Josef I. (Hoos) und seine Burgfrau Sabine I. (auch in Wirklichkeit die Ehefrau) die Gäste beim Burgfest der Musikkapelle Baldersheim/Burgerroth per Handschlag begrüßten.

Nach einem gut besuchten Beatabend am Freitag mit „ebi.DJ“ und heißer Disko-Musik am Freitag, wurde es am Samstag zünftig, grillten die Baldersheimer doch auch in diesem Jahr wieder nach Mittelalterart eine ganze Sau am Spieß.

Für die dafür nötige zünftige Musik waren die „Fränkischen Jäger“ aus Gaubüttelbrunn zuständig, die die zahlreichen Gäste an diesem lauen Sommerabend auf der mit Lichterketten romantisch erleuchteten Burgkomplex vortrefflich unterhielten.

„Das schönste Fest“

Bevor Truchseß Josef und seine Burgfrau Sabine aus der Hand des Auber Bürgermeisters die Schlüssel für die Burg entgegennehmen konnten, erinnerte „Hofmarschall“ Michael Neckermann an den im vergangenen Jahr verstorbenen Otto Haaf, der viele Jahre lang dem Truchseß Gesicht verliehen hatte und mit Laiendarstellern Sagen und Geschichten aus der Region bei Burgfesten auf die Bühne gebracht hatte.

Auch das neue Truchseßpaar erinnerte an ihren Vorgänger Otto, der den Satz geprägt hatte: „Das Burgfest ist das schönste Fest, das der Herrgott uns Baldersheimern feiern lässt“.

Vor der Schlüsselübergabe erinnerte der Auber Bürgermeister daran, dass die Reichelsburg, im Jahre 1525 beim Bauernaufstand zerstört wurde. „Damals standen noch die Mauern, dann kamt ihr Baldersheimer auf die Idee, diese Burg als Steinbruch zu nutzen um mit den Steinen große Scheunen und stolze Bauernhäuser zu errichten. Selbst den Wappenstein am Eingang der Burg habt ihr mitgenommen“, so der Bürgermeister. Melber wollte damit aber nicht tadeln: „Mit diesen Steinen habt ihr aber auch ein Schulhaus errichtet, in deren Gewölbe sich heute der Wappenstein der Reichelsburg befindet. In diesem Haus soll jetzt ein Dorfgemeinschaftshaus entstehen. Aber: Der Helfer könnten etwas mehr sein!“ Melber nutzte so die Gelegenheit, um die Baldersheimer zu motivieren, sich am Umbau der alten Schule zum Dorfgemeinschaftshaus zu beteiligen, ehe er die Schlüssel der Burg aushändigte.

Tänzerische Einlagen

Zu vorgerückter Stunde unterhielten noch die Jungmusikantinnen der Blaskapelle mit tänzerischen Einlagen und ernteten dafür nicht nur reichlich Applaus, sondern auch Rufe nach Zugabe.

Am Sonntag fanden erneut zahlreiche Gäste schon am Morgen den Weg zur Burg, um bei einem feierlichen Gottesdienst in den alten Gemäuern dabei zu sein. Pfarrer Gregor Sauer zelebrierte den Gottesdienst, musikalisch gestaltet wurde er durch die Thierbachmusikanten aus Eichelsee.

Zum Ende des Gottesdienstes zogen schon Duftwolken aus den Kochtöpfen durch das alte Gemäuer. Fränkisches Hochzeitsessen in Form von gekochtem Rindfleisch auf Bandnudeln mit Meerrettich findet von Jahr zu Jahr mehr Liebhaber, die es auch in Kauf nehmen, sich für die fränkische Delikatesse eine Weile in die Warteschlange einzureihen.

Am Nachmittag unterhielten dann noch die Jugendkapelle Gelchsheim-Baldersheim-Gaukönigshofen, ehe die Trachtenkapelle Igersheim übernahm und mit schmissiger Blasmusik die Gäste unterhielt.

Ein musikalischer Höhepunkt folgte zum Abschluss, als das Rhön-Quartett aufspielte und Fabian Neckermann beispielsweise seiner Tuba beim „Tubamuckl“ ungeahnte Tonfolgen entlocken konnte.