Hohenlohe-Franken

Milchwirtschaft Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken mit Demeter-Produkten auf umkämpften Markt erfolgreich

Weißes Gold aus Schrozberg ist begehrt

Archivartikel

Schrozberg.Gemessen an dem Sprichwort, wonach die Liebe durch den Magen geht, hat Schrozberg jede Menge Verehrer in ganz Deutschland: In der Stadt residiert die anno 1900 gegründete Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken, die vor allem mit ihren Bio-Produkten einen überaus erfolgreichen Kurs auf dem Strom des weißen Goldes steuert und sich mittlerweile mit dem Titel „Weltweit größte Demeter-Molkerei“ schmücken kann. Mit eindrucksvollen Zahlen wartete Geschäftsführer Friedemann Vogt auch bei der jüngsten Generalversammlung auf.

Auf der Bioschiene

Die Schrozberger Molkerei fährt schon seit 44 Jahren auf der Bio-Schiene und wird „ihrer Pionier-Rolle auch heute noch gerecht“, wie die Schrozberger Bürgermeisterin Jacqueline Förderer die Bilanz für das Jahr 2017 kommentierte. In der Tat erschließt sich die Genossenschaft immer wieder Nischen in der Nische – etwa mit Eiscreme, die nicht nur Sterne-Köche bei einem Test der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ in Verzückung geraten ließ.

101 konventionell wirtschaftende Höfe und 95 Demeter-Betriebe liefern den Rohstoff, aus dem die Verbraucher-Träume sind: Insgesamt verarbeitete die Molkerei im Jahr 2017 rund 56,9 Millionen Kilogramm Milch – aus konventionellen Quellen flossen zwar 1,7 Prozent weniger in die Schrozberger Tanks, die Demeter-Höfe verzeichneten aber ein Plus von 6,7 Prozent und haben damit einen Anteil von rund 40 Prozent an der gesamten Milchmenge.

Die tragende Säule beim Umsatz, der sich im Vorjahr auf rund 48,5 Millionen Euro summierte (ein Plus von 4,3 Prozent) bilden die Joghurt-Produkte, zu denen 64,9 Prozent der Milch verarbeitet wird – gefolgt von Frischmilch mit 26,8 Prozent und Sahneerzeugnissen mit 6,9 Prozent. Allein der Demeter-Bereich legte beim Umsatz um 7,7 Prozent zu: „Die Steigerungen wären noch größer ausgefallen, wenn wir die Milch dafür gehabt hätten“, sagte Geschäftsführer Friedemann Vogt. Die Joghurt-Sparte werde jedenfalls auch künftig die Kernkompetenz der Molkerei bilden.

Was der Vorstandsvorsitzende Reinhold Markert aus Creglingen-Schön in aller Bescheidenheit als „Lichtblick“ auf einem hart umkämpften Markt wertete, macht andere Milchviehhalter neidisch: Die Schrozberger Molkerei zahlte den konventionellen Erzeugern im Jahresdurchschnitt 41,07 Cent pro Liter Milch. Und die Demeter-Bauern erhielten für ihre Arbeit 54,35 Cent pro Liter – auch das ist ein Wert deutlich über dem Landesdurchschnitt.

Sehr zufrieden mit der Arbeit der Genossenschaft zeigte sich auch Verbandsprüfer Harald Hörner, womit die von Michael Frank aus Künzelsau-Garnberg beantragte Entlastung reine Formsache war. Einstimmig votierten die Mitglieder auch dafür, dass der Bilanzgewinn von rund 103 000 Euro in die Rücklagen wandert.

Prognosen für 2018

Kritisch setzte sich der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Dörr aus Rot am See-Herbertshausen mit der Insolvenz des Berliner Milchhändlers BMG auseinander: Wenn Kritiker der Molkereigenossenschaften nun „Solidarität“ bei der händeringenden Suche nach Alternativen einfordern, sei das nichts anderes als „Heuchelei“. Jürgen Geyer vom Verband der Milcherzeuger Bayern bilanzierte das Jahr 2017 und zeichnete auch ein Bild der Aussichten für 2018. Seine Prognose: „Es wird komplizierter.“ Dass sich die Schrozberger Molkerei auf dem Markt behauptet – daran hatte auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Reiner Gansloser aus Hermaringen keinen Zweifel. Harald Zigan