Hohenlohe-Franken

Umweltzentrum Umfangreiche Untersuchung von Jagstseitenbächen vorgestellt / Viele der technischen Abwasser-Anlagen veraltet

Wenig Rücksicht auf „Lebensadern“

Der Zustand einer Vielzahl von Bächen zwischen Crailsheim und Langenburg ist unbefriedigend und schadet der Gesundung der Jagst. Das stellt das Haller Umweltzentrum fest.

Schwäbisch Hall. Ein „alarmierende Ergebnis“ ist das Fazit einer umfangreichen Untersuchung, die das kreisweite Umweltzentrum in den letzten Monaten auf über 130 Kilometer Gewässerstrecke vorgenommen hat. Dabei wurden vom Umweltzentrum laut Pressemitteilung über 500 Verstöße oder Verdachtsfälle gegen geltende Bestimmungen festgestellt. Die Umweltmoral vieler Bachangrenzer sei – so Geschäftsstellenleiter Martin Zorzi – offensichtlich „katastrophal“. Den für die Bäche verantwortlichen Kommunen werfen die Naturschützer nun vor, sich nicht ausreichend um deren Zustand zu kümmern und die vorgeschriebenen Gewässerschauen vorzunehmen.

Als es nach der Löschwasserkatastrophe vor drei Jahren mir der Gesundung der Jagst trotz umfangreicher Maßnahmen am Fluss selber nicht wie erwartet voranging und immer wieder Schaumberge und Gerüche festzustellen waren, vermutete das Umweltzentrum die Ursache dafür in den zufließenden Seitenbächen. Da der staatliche Aktionsplan hier aber kaum Maßnahmen vorsah, beschlossen die Naturschützer, sich gezielt dieser Problematik anzunehmen. Unter anderem mit Spendengeldern, welche über die Initiative „Wir helfen der Jagst“ zusammenkamen, wurde Bundesfreiwilligendienststelle am Umweltzentrum mit einer auf Gewässerbiologie spezialisierte Umweltwissenschaftlerin besetzt.

Von Sabine Hirsch wurden so nahezu alle Jagstseitenbäche zwischen Jagstheim und der Kreisgrenze zum Hohenlohekreis zu Fuß abgelaufen. Dabei wurden alle verdächtigen Einleitungen, belastende Ablagerungen, unzureichende Abstände bei der Gülleausbringung und illegale Uferverbauungen erfasst und dokumentiert.

Anzeigen in elf Fällen

Elf Fälle seien so kritisch gewesen, dass sie umgehend der Gewerbe- und Umweltpolizei angezeigt worden seien, darunter direkte Einleitung von häuslichem Abwasser, aus Viehställen und Silolagerstätten sowie Gipsbrühe aus einem Steinbruch. Auffällig war weiterhin das Treibgut, welches es aus vielen technisch veralteten Regenüberlaufbecken in die Gewässer spülte.

Als größeres Problem erwiesen sich nach Dastellung des Umweltzentrums ferner Kleingärten, die die Bäche regelmäßig durch Entsorgung von Grünabfälle, Wasserentnahmen und Stauanlagen schädigten. Bedenklich seien auch zahlreiche direkte Einleitungen von Straßenentwässerungen, die besonders bei Unfällen ein hohes Risiko bergen.

Erfreulich war, dass sich die meisten Landwirte beim Gülleausbringen an die Abstandsregelung hielten, einige „schwarze Schafe“ gab es hier aber dennoch. Zusätzlich erfasst wurden „vorbeugend“ auch 172 Äcker, welche bis unmittelbar an den Bach reichen – mit Jahresbeginn 2019 muss dort fünf Meter Nutzungsabstand gehalten werden.

Diese Masse kleiner und großer Belastungsfälle sorge unterm Strich dafür, dass den Bächen die nötige Artenvielfalt zur Selbstreinigungskraft fehle. In der Folge lasse die Wasserqualität vieler Bäche „sehr zu wünschen übrig“. In der Jagst komme dann häufig nicht solch sauberes Wasser an, wie es nach der Löschwasserkatastrophe dringend notwendig wäre.

Manfred Mächnich, Vorsitzender des Umweltzentrums, hat deswegen gleich mehrfache Kritik anzubringen: Zum einen fehle es offensichtlich vielen Anliegern entlang der Bäche am erforderlichen Umweltbewusstsein. Den für die Bäche verantwortlichen Kommunen wirft er vor, sich nicht ausreichend um die ganz offensichtlich bestehenden Missstände zu kümmern – die gesetzlich geforderten Gewässerschauen würden entweder nicht oder nur unzureichend stattfinden. Auch viele der technischen Abwasser-Anlagen seien veraltet. Hier sei dann auch das Landratsamt in der Pflicht, die Einhaltung der Bestimmungen durchzusetzen. uz