Hohenlohe-Franken

Blasmusik „Hohenlohe Brass“ nach öffentlicher Generalprobe auf Tour durch die Region / Glänzend schön und „klangwogend“

Wenn die Posaune launisch spricht

Archivartikel

Viel Publikum zog die öffentliche Generalprobe des Neujahrskonzerts von „Hohenlohe Brass“ in Brettheim an. Französische Komponisten stehen im Mittelpunkt.

Brettheim. Spätestens als der Solist des Abends, Henning Wiegräbe, zu Beginn der Zugabe seine Posaune mal launisch und flatterhaft, mal in einen rhythmischen Groove verfallend einsetzte, erlag man dem Gedanken, dass da einer durch sein Instrument zum Publikum spricht.

Die eigentliche, von den etwa 120 Zuhörern heftig erklatschte Zugabe erschien danach fast als bloßes Nachspiel, auch wenn „Hohenlohe Brass“ den Beatles-Klassiker „All You Need Is Love“ mit viel Hingabe zelebrierte.

Natürlich kamen Wiegräbe die anderen Stücke, die er am Samstagabend im „Haus der Musik“ der evangelischen Kirche Brettheim solistisch mitgestaltete, seiner sehr kommunikativen Ausdrucksweise entgegen. Eu gène Bozzas „Ballade“ op. 62 ist etwa eine Ansammlung musikalischer Zitate. Und Wiegräbe ließ sein Instrument sprechen.

Genussvoller Klang

Momente von „hot intonation“ gehörten ebenso dazu wie wunderbar wiedergegebene schnelle Staccato-Folgen oder ein gewitzt eingesetztes Glissando. Genussvoll ließ Wiegräbe die Posaune zur Uraufführung des Abends erklingen, zu Ingo Luis‘ eigens für ihn und „Hohenlohe Brass“ komponiertes „Chansons d‘amour“ auf Chansonklassiker von Édith Piaf und Charles Aznavour.

Piafs „L‘hymne à l‘amour“ wirkte durch die Gesanglichkeit des Posaunenspiels sehr innig. Auch den Ensemblemitgliedern bot das Stück neben einfühlsamem Begleiten viele Möglichkeiten des Zusammenspiels wie etwa zu Aznavours „Je me voyais déjà“ oder auch des Hervortretens als Ensemble, besonders zu Piafs „Milord“. Mit viel Drive spielend wurde „Hohenlohe Brass“ hier zur Big Band.

Neben diesem Konzerthöhepunkt mit französischen Chansons widmete sich „Hohenlohe Brass“ noch einigen Klassikern französischer Musik. Dazu zählt etwa Gabriel Faurés „Pavane“. Sie wurde nicht schleppend im Tempo, fast ein wenig wiegend und sanft gesanglich von den Blechbläsern gespielt.

Vorausgegangen war Alexandre Guilmants eigentlich für die Orgel komponierte Paraphrase über „Tochter Zion“. Diese Melodie aus Georg Friedrich Händels Oratorium „Judas Maccabaeus“ wurde zu Beginn melodisch andeutungsweise genutzt, um den Klangraum auszuloten. Später bot sie Guilmant die Grundlage für einen fugierten Teil, dessen Themeneinsätze in der Konzertwiedergabe deutlich herauszuhören waren.

Ein Zeitgenosse Händels war Jean-Joseph Mouret. Zu seiner „Suite des Symphonies“ erzeugten die Musiker von „Hohenlohe Brass“ tänzelnde Passagen und effektvoll vorgetragene Verzierungen wie Triller in den Trompeten. Perfekt abgestimmt waren die Wechsel zwischen den Instrumentengruppen. Eingeleitet hatte das Ensemble das Konzert mit der Fanfare aus Claude Debussys „Musique pour le Roi Lear“: kraftvoll glänzend, aber genauso schön klangwogend.

Später erklang noch „La cathédrale engloutie“ desselben Komponisten in einem Blechbläser-Arrangement. Die Musiker ließen die Melodie in den verschiedensten Klangfarben schillern. Das konnte majestätisch strahlend oder warm und weich getönt klingen.

Ursprünglich war das Ensemble Hohenlohe Brass im Jahr 1996 als einmaliges Projekt angedacht. Mittlerweile kommen die Musiker verstreut aus der Region und ganz Baden-Württemberg (und sogar aus Bayern) und haben einen hohen Bekanntheitsgrad, vor allem auch durch ihre traditionellen Neujahrskonzerte. snu/red