Hohenlohe-Franken

Dorfladen Wiesenbacher wollen „Infrastrukturverlust“ ausgleichen / Ortsvorsteher Glemser ist sicher, dass es eine Möglichkeit gibt, „so etwas zum Laufen zu bringen“

„Wenn man zusammensteht, geht’s“

Archivartikel

Wachsende Unterstützung für einen Dorfladen im Blaufeldener Teilort Wiesenbach; auch die Verbindung mit einem Café als niederschwelligem Treffpunkt ist angedacht.

Wiesenbach. Ein Dorfladen für Wiesenbach ist nichts, was zwei, drei Hansel wollen: Eine satte Zweidrittelmehrheit der Einwohner im Blaufeldener Teilort hat einen entsprechenden Fragebogen ausgefüllt. Die meisten stehen hinter diesem Projekt.

Ortsvorsteher Manfred Glemser erinnert daran, dass bei der Schließung der Metzgerei Reinwald erstmals überlegt wurde, wie sich dieser Verlust auffangen lassen könnte. Zum ersten Mal gab es keine Dinge des täglichen Bedarfs mehr zu kaufen, sagt Glemser mit Blick auf „zwei Sorten Autos, die zu kriegen sind“, auf „Tierfutter in alle Richtungen“ und auf einen Getränkemarkt, der Geschenkartikel, aber keine Butter anbietet. Um den Alltag bestreiten zu können, müssen die Wiesenbacher mobil sein.

Junge Familien sind betroffen

Das trifft nicht nur die Älteren. Glemser denkt auch an junge Familien: Zwei Autos zu haben, sei teuer, vor allem aber sei es sehr umständlich für all diejenigen, die in der Betreuungszeit daheim sind, „neben der Kinderbetreuung den Haushalt zu schmeißen und dann für jeden Einkauf die Kinder im Auto verstauen zu müssen, um irgendetwas einkaufen zu können“; Dinge im Ort erledigen zu können, habe große Vorteile.

Und nicht nur ums Einkaufen selbst und um die Versorgung der Wiesenbacher mit materiellen Gütern geht es ihm: Sich täglich über den Weg zu laufen, sich auszutauschen, sich bei Kaffee und Kuchen zu treffen, generell ein Treffpunkt im Dorf – das fehle immer mehr. „Die Feste können das nicht ausgleichen“, sagt er; das für dieses Jahr geplante Dorffest etwa findet nur alle drei Jahre statt. Das kann kein Ersatz für tägliche Begegnung sein, für die Möglichkeit, sich mit Freude und Sorgen, mit Trauer oder eben mit den Alltagsthemen gut aufgehoben zu wissen.

Von nichts kommt nichts, und auch so ein Dorfladen entsteht nicht aus dem Nichts. Glemser glaubt aber, dass es eine Möglichkeit gibt, so etwas zum Laufen zu bringen – „wenn man zusammensteht, in einer Genossenschaft gemeinsam Dinge angeht und umsetzt“. Nur so lasse sich eine ungute Entwicklung aufhalten, die in den vergangenen 30 Jahren zu einem Infrastrukturverlust geführt habe, der von den Menschen als sehr bitter erlebt werde. Dem entgegenzutreten sei inzwischen Aufgabe derer, die im Dorf wohnen. „Da färschelt sich nichts“ hat Glemser jüngst auf gut Hohenlohisch bei einer Versammlung der Jäger gesagt – von außen ist keine Hilfe zu erwarten. Entweder die Wiesenbacher gehen selbst gegen diese Negativentwicklung an, oder sie akzeptieren sie – der Ort werde deshalb nicht untergehen. „Aber die negativen Folgen eines solchen Verlusts würden sich in jedem Fall auf die Dorfgemeinschaft auswirken.“

Der Erfolg eines solchen Unternehmens steht und fällt mit den Menschen, die dafür gewonnen werden, auch das weiß man in Wiesenbach. Ein Unternehmensberater hilft zudem, gängige Fehler zu vermeiden: So soll von Anfang an mit ordentlich bezahlten Teilzeitkräften gearbeitet werden; die Ehrenamtlichen würden gebraucht für Weinverkostungen oder das „Würstlesangebot bei einer Samstagsaktion“, ein auf Dauer erfolgreiches Konzept lasse sich in der Regel aber nicht auf dem Ehrenamt aufbauen.

Die Menschen entscheiden

Jeder Dorfladen ist ein Experiment, sagt Manfred Glemser, der entschlossen ist, „wach und entschieden“ das Ladenkonzept immer wieder neu auf das abzustimmen, was die Wiesenbacher wollen. Der Preis und Qualität nennt, aber auch Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Flexibilität. Lieferservice, Telefonlisten, Steuerung des Bedarfs über die neuen Medien: Es gibt innerhalb Wiesenbachs durchaus Möglichkeiten der Versorgung aller Einwohner. Dass es Läden heute möglich ist, einen Himbeerjoghurt und sechs mit Zitronengeschmack zu ordern, solange mit einer Lieferung der Mindestbetrag erreicht wird, löst ein Riesenproblem, das in der Vergangenheit vielen kleinen Geschäften das Genick gebrochen hat. Insgesamt sind die Bedingungen also gut und die Wiesenbacher zuversichtlich: Wenn sie den Dorfladen wollen, schaffen sie’s auch. bit