Hohenlohe-Franken

Sommertheater Muswiesen-Krimi in Reubach begeistert mit viel Lokalkolorit das hohenlohische Publikum

Wer hat der Wirtin den Garaus gemacht?

250 Zuschauer fieberten beim Krimi von Wildis Streng mit – wer hat Wirtin Böckler ermordet? Die Premiere der Komödie „Muswiese“ wird heftig beklatscht.

Reubach. „Zzzzzzzzh“ – der Stromschlag sitzt! Erika Böckler, gespielt von Uli Stradinger, fällt wie von einem Vorschlaghammer getroffen um. Ihre Beine inklusive der Birkenstockschuhe werden vom Pflasterboden noch einmal kurz nach oben geworfen, dann liegt die Wirtin regungslos da.

Böckler hatte sich gegenüber ihrer Familie und den Nachbarn mehrmals als Scheusal gezeigt. Nicht nur, weil sie Ratten im Keller der Nachbarn ausgesetzt und dann den WKD gerufen hatte. Doch der Mörder war nicht zu sehen. Also ein Fall für die beiden Kriminalbeamten Heiko Wüst (Peter Ruppe) und Lisa Luft (Stefanie Kleinhanß). Allein schon wegen dieser drei Schauspieler lohnt sich der Theaterabend in Reubach.

Mit welcher Überzeugung sie Opfer und Ermittler spielen, macht einfach Spaß – auch wenn die Aufführung inklusive Pause mit dreieinhalb Stunden einen neuen Rekordwert erreicht. Bis zur Pause sind es rund zwei Stunden. Schon die Generalprobe war ausgebucht, und für alle anderen Vorstellungen gibt es ebenfalls keine Karten mehr. Es macht sich bezahlt, dass der Verein mit der „Muswiese“ auf ein lokales Thema zurückgreift. Die Crailsheimer Autorin Wildis Streng hat mit ihrem Buch die Grundlage geliefert und es für die Bühne umgeschrieben.

Auf den Leib geschrieben

Inszeniert hat es der neue Regisseur Florian Brand. Der Kulturwissenschaftler aus Niederstetten-Dunzendorf baut unter anderem mit musikalischen Effekten zusätzliche Spannung auf, wenn der schnoddrige Kommissar Ruppe den Lebenskünstler und Marktverkäufer Bernd Zugck (Friedemann Gerstling) ins Kreuzverhör nimmt. Oder wenn die Handlungsplätze urplötzlich wechseln und der Beobachter zuerst einmal um sich schauen muss, wo es weitergeht.

Man kennt sich in Reubach. Viele Besucher sind Stammgäste. So springt der Funke gleich zu Beginn über, als die einziehenden Schauspieler rufen: „Sou, bisch a a’ weng doa?!“

Viele nicken, einige antworten mit kurzen Zwischenrufen. „In Musdorf kommt jeder in den Himmel“, sagt kurz darauf Erika Böckler, was das Publikum ebenso zum Kommentieren anregt wie Ludwig Böcklers oft wiederholtes „Erika war ganz a Guate“, nachdem seine Gattin verschieden war.

Solveigh Sommer schießt den Vogel ab, als sie Kommissar Wüst lasziv sein Chakra austesten lässt und ihn fragt: „Spürst du es auch?“ Spontan erschallt aus dem Publikum ein lautes „Ja“, gefolgt von hundertfachem Lachen.

Klamauk pur, gemixt mit nachbarschaftlichen heimlich-unheimlichen Beobachtungen, bringt das Reubacher Orakel in Gestalt von Marie, Karlheinz (in Person des aus Oberstetten stammenden Gastspielers Frank Dimler) und Erna auf die Straßenbühne.

Mit „Was die Polizisten noch nicht wissen“ beginnt jeder zweite Satz – vom Bananen, Wurst oder Eis vertilgenden Rockzipfelklemmer Karlheinz mit eindeutig-zweideutigen Gesten kommentiert.

Was der Metzgerstanz und der Schuss aus einer Pistole mit der letztlich ziemlich überraschenden Auflösung der ganzen Geschichte zu tun haben, wird hier aber nicht verraten. Guido Seyerle