Hohenlohe-Franken

Wiederaufbau In Braunsbach stellen sich Gewerbe und Gastronomie den Herausforderungen / Gemeinde sichert Unterstützung zu

"Wir müssen alle weiter durchhalten"

Die Tiefbauarbeiten in der Braunsbacher Ortsmitte haben auch Auswirkungen auf Gewerbe und Gastronomie. Bürgermeister Harsch hofft, dass Kunden und Gäste nicht ausbleiben.

Braunsbach. Die Braunsbacher Ortsmitte ist seit Beginn der öffentlichen Wiederaufbauarbeiten kaum wiederzuerkennen. Dazu kommen auch noch private Bauvorhaben. Belastet werden nicht nur die Anwohner, auch Gastronomie und Gewerbe bekommen die Auswirkungen zu spüren. "Wir merken schon, dass weniger Kunden kommen", sagt Katja Schwarz vom Lebensmittelgeschäft "d'Schwarz". "Aber es hilft ja nichts, das muss ja gemacht werden. Wir haben ja gewusst, dass noch mal ein hartes Jahr auf uns zukommt." Sie bleibt gelassen: "Wir müssen alle weiter durchhalten." So würden ihrer Meinung nach alle Betroffenen denken. Sie glaubt nicht, dass es noch schlimmer wird. Übrigens müsse sie auch für die Bauarbeiter da sein, die ja auch ab und an etwas zu essen und zu trinken bräuchten, ergänzt Schwarz mit einem Lächeln.

Gegenüber im Gasthaus "Löwen" sieht man die momentane Situation auch recht gelassen. "Im Biergarten ist tagsüber definitiv weniger los", sagt Wirtin Heike Philipp. "Es ist halt auch laut." Abends und am Wochenende sei der "Löwen" dafür aber gut besucht. Das gehe meistens um 17 Uhr los, wenn die Bauarbeiter Feierabend machen. "Ich bin manchmal überrascht, wie viele Leute kommen", sagt die Wirtin. Ob es sich bei den auswärtigen Gästen vor allem am Wochenende um Baustellentouristen handelt, vermag sie nicht zu beurteilen. Die Sturzflut vom 29. Mai des vergangenen Jahres sei aber weiterhin ein Thema. Von Umsatzeinbußen will Philipp noch nicht sprechen: "Bis jetzt kann man das nicht sagen."

Gerlinde Mayer von der Kochertal-Apotheke spricht dagegen klar von rückläufigen Zahlen: "An manchen Tagen ist es ziemlich mau." Vor allem nachmittags: Dann habe die Arztpraxis geschlossen und wenige Kunden würden sich in die Ortsmitte trauen. Gerade ältere Menschen seien unsicher, ob und wie sie parken können. "Aber was ist die Alternative für uns? Zumachen können wir ja nicht", sagt Mayer. "Wir müssen die Leute motivieren, weiter zu uns zu kommen." Vor zwei Jahren bei den Tiefbaumaßnahmen in Untermünkheim habe sie Ähnliches erlebt, dort hat Mayer ihre Hauptapotheke. "Viele Kunden sind uns trotzdem treu geblieben", erzählt sie.

Gewerbe und Gastronomie in der Ortsmitte bereiten Bürgermeister Frank Harsch daher Sorgen. Er hofft, dass die Leute auch weiter nach Braunsbach zum Einkaufen oder zum Essen kommen. Vor allem dann, wenn die Arbeiten auf dem Marktplatz beginnen - damit fallen viele Parkplätze weg.

Ab dem 31. Juli müsse zudem die Ortsdurchfahrt gesperrt werden, damit es schneller geht. Dazu werde die Bürgerschaft aber noch umfassend informiert. "Die Anwohner kommen natürlich rein", ergänzt der Bürgermeister.

Am Ortsrand bei der Aussegnungshalle werden während der Sperrung zusätzliche Parkplätze ausgewiesen. "Dann müssen die Leute eben ein paar Meter laufen, wenn sie bei uns einkaufen wollen, das sollte kein Problem sein", so Harsch.

"Wenn Betriebe existenzielle Probleme bekommen sollten, werden wir helfen." Dazu führe er gerade Gespräche mit dem Regierungspräsidium Stuttgart, die zum Ziel hätten, eventuelle Umsatzeinbußen auszugleichen. "Wir werden keinen alleinlassen", stellt Harsch fest. "Wir sind auf einem guten Weg." Genaues könne er aber noch nicht verraten.

"Wir haben unser Gewerbe immer auf dem Schirm gehabt, auch schon direkt nach der Flut", so Harsch. Daran werde sich nichts ändern. Die ganzen Bauarbeiten seien, so weit es möglich war, auch mit den Geschäften und Betrieben abgestimmt.

Bürgermeister Harsch zollt den Anwohnern, dem Gewerbe und der Gastronomie in der Ortsmitte großen Respekt: "Es ist großartig, wie die das alle ertragen."

Oftmals werde bei den Arbeiten an Ortsdurchfahrten viel gemotzt, in Braunsbach erlebe er Offenheit und Nachsicht. Eigentlich laufe alles nach Plan.

"Natürlich könnte es auch schneller gehen, aber wir wollen es alles ordentlich machen", stellt Harsch fest. Es werde jetzt schon "von Montag bis Freitag durchgeschafft".

Im August werde es in Steinkirchen losgehen, die Arbeiten an der Orlacher Steige würden im Oktober beginnen. Leute, die sich für die Baustellen und die Arbeiten, die gerade im Gange sind, interessieren, sind Harsch übrigens willkommen. "Wir haben sogar schon vier Führungen gemacht", so der Schultes. "Es ist auch schön, wenn die Gäste danach zum Beispiel noch auf einen Kaffee bleiben." Samstags und sonntags beobachte er immer wieder Menschen, die sich die Baustellen anschauen, viele Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen parkten dann in der Gemeinde. Norbert Acker