Hohenlohe-Franken

Ökoenergie Zusammenschluss von acht Kommunen setzt zwölf Jahre früher als geplant Klimaschutzziele um

„Wir werden 100 Prozent erreichen“

Archivartikel

Die Haller Stadtwerke prognostizieren, dass 2018 bilanziell mehr Strom aus eigenen Wind-, Biogas- und Sonnenkraftwerken kommt als im Netzgebiet verbraucht wird.

Schwäbisch Hall. Vor acht Jahren taten sich acht Kommunen im Dreieck Wüstenrot, Vellberg und Braunsbach zusammen, um sich für den Klimaschutz einzusetzen. Das Ziel: bei der Strom- und Wärmeerzeugung sowie im Verkehr den CO2-Ausstoß extrem zu drosseln.

„Der Weg zu 100 Prozent erneuerbarer Energie“ trägt eine Broschüre als Überschrift, die über die Jahre ein wenig verblasst ist. Darin sind Bürgermeister der Kommunen und der damalige Stadtwerkechef Johannes van Bergen abgelichtet. Es ist wohl auch wegen der Windkraft-Gegner und dem Widerstand der Kommune Michelbach ruhiger um das Bündnis geworden. Doch zumindest eines der Ziele von einst kann 2018 nahezu erreicht werden. In der Broschüre steht: „Bei einem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien könnte der Strombedarf bereits im Jahr 2030 vollständig mit erneuerbaren Energien gedeckt werden und dann bei einem weiteren Ausbau, Strom aus der Region exportiert werden.“ Die acht Kommunen erreichen das, was sie sich vorgenommen haben zwölf Jahre vor dem selbst gesetzten Stichtag.

Autarkie ist nicht das Ziel

Das Kabel zu den übergeordneten Netzen, die in Deutschland immer noch einen großen Anteil Atom- und Kohlestrom transportieren, sollte man allerdings nicht so schnell kappen. Denn ganz so einfach ist die Rechnung mit dem 100-Prozent-Ökostrom-Ziel nicht. Stadtwerkegeschäftsführer Gebhard Gentner weiß das auch. Im Gespräch erwähnt er eher beiläufig das 100-Prozent-Ziel. Die Kritik von Windkraftgegnern kennt auch er. Er beantwortet alle Nachfragen betont sachlich und ohne jubelnde Euphorie. Die Rechnung sieht so aus: Der Windpark Rote Steige ging zum Jahreswechsel ans Netz. Dort kommt 2018 noch ein weiterer Rotor hinzu. Am 16. Mai will der Landesumweltminister den Startknopf drücken. Dann drehen sich sechs Windräder dort, drei davon gehören den Stadtwerken. Zusammen mit den Windkraftanlagen der Kohlenstraße, den Biogasanlagen, den Wasserkraftwerken und den Photovoltaikanlagen wird immer mehr Ökostrom ins Netz gespeist. Die Solar-Invest-AG wurde eigens gegründet, um Ökostrom außerhalb Halls zu fördern. Das erfolgt zum Beispiel bald mit drei weiteren Rotoren am Tegelberg bei Donzdorf.

Der im Netzgebiet der Stadtwerke erzeugte Ökostrom fließt in die Berechnung mit ein. Zudem zählen die Stadtwerke die erneuerbaren Energiequellen außerhalb dazu. „Wir werden im Jahr 2018 wohl 320 Millionen Kilowattstunden Ökostrom produzieren. Im Netzgebiet der Stadtwerke werden 312 Millionen Kilowattstunden verbraucht. Da sind Gewerbekunden mit eingeschlossen“, sagt Gentner. Er schlussfolgert: „Wir werden das 100-Prozent-Ziel erreichen und sogar überschreiten.“ Jetzt könnte man einwenden: Es ist ja nur eine Frage des Geldes, sich bei Ökostromquellen außerhalb Halls einzukaufen. Gentner entgegnet: „Wir wollen selbstverständlich auch einmal erreichen, dass der komplette Strom aus erneuerbaren Energien im Netzgebiet entsteht.“ Selbst von diesem höhergesteckten Ziel, das die acht Kommunen einst anstrebten, sei man nicht weit entfernt: „Wir werden 80 Prozent des Ökostroms auch im Netzgebiet im Jahr 2018 selbst produzieren“, ist sich Gentner sicher. Allerdings stießen die Bemühungen auf Grenzen. Der Technik-Chef der Stadtwerke geht davon aus, dass noch zwei Windräder innerhalb des Gebiets des gültigen Flächennutzungsplans an der Kohlenstraße Platz haben. „Allerdings will die Kirche die Flächen nicht zur Verfügung stellen.“ Auch in Waldenburg stoßen die Windkraftprojekte auf Widerstände. Würden Verbraucher mehr Strom sparen, würde das Ziel Hundert Prozent Ökostrom aus der Region schneller erreicht. Es klingt ein wenig paradox: Schreitet die Einführung der Elektromobilität schnell voran, entfernt man sich von dem Ziel. Denn bei höherem Stromverbrauch im Netzgebiet sei man auf mehr Strom von außen angewiesen.

Hocheffiziente Methode

Auch im Bereich Kraft-Wärme-Kopplung, einer hocheffizienten Energiegewinnung, tun sich die Stadtwerke laut Gentner hervor. Das senke den CO2-Ausstoß, gelte aber nicht als erneuerbare Energiequelle. In Spitzenzeiten muss das Haller Netz Strom importieren. Es wird aber auch immer mehr Ökoenergie „Made in Schwäbisch Hall“ eingespeist. Gegen Vorwürfe von Windkraftgegnern wehrt sich Gentner. Diese Energiequelle könne ein Baustein zur Versorgung sein und verpuffe nicht. Tobias Würth