Hohenlohe-Franken

Aub Schlimbach-Orgel aus dem Jahr 1865 wurde restauriert / Drei Konzerte, ein Festakt und Führungen

Wurmlöchern getrotzt und Kugelbeschuss überstanden

Archivartikel

Die Schlimbach-Orgel in Aub hat Kugelbeschuss überstanden und Wurmlöchern getrotzt. Jetzt erzählt sie musikalisch von ihrer 150-jährigen Geschichte.

Aub. Am Wochenende 5. und 6. Mai feiern das Fränkische Spitalmuseum und die Stadt Aub die Restaurierung ihrer Martin Joseph Schlimbach-Orgel aus dem Jahr 1865 mit einem Festakt und drei Konzerten.

Das Erstlingswerk des jungen Orgelbauers ist eine einmanualige romantische Orgel mit zehn Register und drei Koppel und einer damals modernen mechanischen Kegellade, im Gegensatz zur üblichen Schleifladenmechanik.

Bei den Konzerten wird der Restaurator und Orgelbaumeister Giovanni Crisostomo (Königheim) jeweils eine geführte Besichtigung des Museumsinstruments anbieten und erklären, welche Überraschungen die zurückliegenden Wochen mit sich gebracht haben.

Besondere Spuren hinterließen an der Orgel mehrere Einschüsse, die auf die Kriegsgeschehnisse des Aprils 1945 zurückzuführen sind. Sie wurden in der Folgezeit teils mit Leder und Pech notdürftig geflickt, um das Instrument bis zur Schließung der Kirche 1968 spielbar zu machen.

Die unzähligen Wurmlöcher hatten die Substanz vieler Holzpfeifen beschädigt und mussten individuell mit warmem Leim ausgespritzt werden. Dann gibt es noch zahlreiche Bleistiftinschriften, die vom Familienstammbaum der berühmten Orgelbauerfamilie Schlimbach und von ihren Wirkungsstätten im In- und Ausland berichten.

Auch die jungen Kalkanten (Ministranten), die mit der recht mühsamen Kurbelei für Luft gesorgt haben, verewigten sich mit ihren Notizen am Orgelgehäuse.

Zum ersten Mal wurde bei der Restaurierung ein Motor installiert, so dass die Organisten jetzt alleine üben können, ohne einen Kalkanten bezahlen zu müssen. Auf jeden Fall bleibt die Möglichkeit bestehen, die Luftversorgung weiterhin mit der Kurbel zu betätigen, um den lebendigen Atem des Klangs beizubehalten.

Alle Musik- und Orgelliebhaber sind willkommen, an dem Festakt um 11 Uhr am Sonntag, 6. Mai, mit Konzert vom Würzburger Organisten Rudolf Müller und anschließendem Empfang teilzunehmen.

Der Titel seines Programms heißt Virtuoses und Variationen mit Werken von J. S. Bach, Boëly, Grömling, Improvisationen, und andere. Als stilistische Ergänzung des Orgelfests „Orgel und Mehr“ spielen schon am Vorabend (17 Uhr, Samstag, 5. Mai) Vater und Sohn Prof. Dr. Christoph Wünsch (Präsident der Hochschule für Musik Würzburg), Orgel, und Cornelius Wünsch, Saxophon. Zu hören sind Werke von J. S. Bach, Albinoni, Chr. Wünsch, Improvisationen und Jazzstandards.

„Strahlender“ Klang

Als drittes Konzert bietet das Duo Sovielsaitig mit der Organistin Sofija Grgur und dem Violinisten Filip Rekiec Werke von Schumann, J. S. Bach, Locatelli und Improvisationen am Sonntag, 6. Mai um 17 Uhr an. Das ermöglicht nochmals einen Besuch des eindrucksvollen Spitalmuseums nach dem Festakt am Vormittag. 45 Minuten vor jedem Konzerttermin besteht die Möglichkeit an einer Orgelbesichtigung unter Führung von OBM Crisostomo teilzunehmen.

Der Eintritt zu den Konzerten ist frei, um Spenden wird gebeten. Der Förderverein Fränkisches Spitalmuseum, der Heimatverein und Ars Musica Aub haben sich seit zehn Jahren bemüht, Gelder für die Orgelrestaurierung mit Benefizkonzerten zu sammeln und von verschiedenen öffentlichen Stellen Fördermittel zu bekommen.

Nach langer Zeit darf die Öffentlichkeit des Öfteren den strahlenden romantischen Klang der Auber Orgel genießen.

Weitere Konzerte mit der Schlimbach-Orgel zusammen mit Glas Armonica, mit Frauenchor und mit einem russischen Barockensemble stehen in den nächsten Monaten auf dem Ars Musica Aub-Programm (http://www.ars-musica.de/). LHR