Hohenlohe-Franken

Fränkisches Freilandmuseum Neue Ausstellung

„Zinnesrausch“ schließt Forschungslücke

Bad Windsheim.Seit drei Jahren wird im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim das Thema „Zinn“ gründlich unter die Lupe genommen – im wahrsten Sinn des Wortes. Die wissenschaftliche Volontärin Sabine Tiedtke widmet sich dem Forschungsprojekt mit großer Hingabe und hat den kompletten Sammlungsbestand mit besonderem Au-genmerk auf den fränkischen Raum untersucht.

Die Ergebnisse werden in einem rund 350 Seiten umfassenden, reich bebilderten Katalog vorgestellt, der parallel zur Ausstellung erscheint. Er enthält Artikel verschiedener Autoren zum historischen Handwerk der Zinngießerei und zur modernen Zinnherstellung.

Die Ausstellung gibt einen interessanten Einblick in die Sammlung des Muse-ums, die sich aus Objekten ganz unterschiedlicher Epochen zusammensetzt.

Hochwertige Leihgaben

Das älteste Stück ist ein Teller, der Anfang des 17. Jahrhunderts in Salzburg gefertigt wurde, wobei der Großteil der Sammlung aus Gebrauchsgeschirr fränkischer Haushalte besteht. Ergänzt wird die Ausstellung durch hochwertige Leihgaben aus Privatbesitz, welche die historische Zinnherstellung in Franken beleuchten.

Die Ausstellung stellt zunächst den Werkstoff Zinn und das Handwerk der Zinngießer vor. Sie widmet sich den verschiedenen Arten der Zinnverarbeitung und der Produktionspraxis unterschiedlicher Hersteller.

Die Fülle der Formentypen wird ebenso gezeigt, wie die Nutzung von Zinngegenständen. Schließlich wird das Zinn auch in einen historischen Kontext gestellt. Während Zinngegenstände heute kaum noch nachgefragt sind, gab es in den 1960er bis in die 1990er Jahre einen regelrechten Zinn-Boom, denn Zinn wurde industriell gefertigt plötzlich in großen Stückzahlen hergestellt.

Die Motive wurden dabei dem traditionellen Formenschatz entlehnt und der Markt regelrecht überschwemmt mit Zinntellern und Zinnbechern mit Jagdmotiven, Stadtveduten und Trinkszenen. Von der Forschung wurden diese massenweise hergestellten Produkte bisher kaum beachtet, so dass Katalog und Ausstellung einen wichtigen Beitrag leisten und eine Forschungslücke schließen.