Hohenlohe-Franken

Auber Stadtrat tagte Im zweiten Anlauf Grünes Licht für Freiflächenfotovoltaik-Anlage in Baldersheim

Zuschüsse nicht in Gefahr

Mit verschiedenen Themen hat sich der Auber Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung auseinander gesetzt. Einer Freiflächenfotovoltaik-Anlage wurde im zweiten Anlauf zugestimmt.

Aub. Ist eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage im Industriegebiet förderschädlich oder nicht? Aufgrund unklarer Kenntnis, ob eine solche Stromerzeugungsanlage einen Regressanspruch für einen Teil der Zuschüsse, die die Stadt Aub in den 1980er Jahren erhalten hat, auslösen könnte, hatte das Gremium im April noch die Entscheidung über einen entsprechenden Bauantrag vertagt.

Jetzt konnte Bauamtsleiter Dietmar Schmidt Entwarnung geben. Zwar wurden damals tatsächlich Zuschüsse unter der Voraussetzung gewährt, dass im Industriegebiet Hirschäcker in Baldersheim produzierendes Gewerbe angesiedelt wird, doch können die Zuschüsse wegen Verjährung möglicher Rückforderungsansprüche von den Zuschussgebern nicht mehr zurückgefordert werden. Aus Sicht des Bauamtes ist die geplante Anlage deshalb genehmigungsfähig.

Schmidt schlug dem Stadtrat deshalb vor, die geplante Anlage mit einer Nennleistung von 340 Kilowatt-Peak (kWp) zu genehmigen.

Dennoch erklärte zweiter Bürgermeister Claus Menth, nicht für die Fotovoltaikanlage zu stimmen. Mit der Einrichtung des Industriegebietes Hirschäcker in Baldersheim war ursprünglich der Wunsch der Stadt Aub verbunden, dort Arbeitsplätze zu schaffen und damit Bevölkerungswachstum zu erreichen. Der aktuelle Bauantrag widerspreche diesem Ziel. Bürgermeister Robert Melber war dagegen der Auffassung, würde die beantragte Fotovoltaikanlage nicht genehmigt, bliebe die Fläche brach liegen. In der Abstimmung genehmigte der Stadtrat mit einer Gegenstimme die Fotovoltaikanlage.

Von der Änderung des Bebauungsplanes „Craintaler Weg“ der Stadt Creglingen sieht der Stadtrat die Belange der Stadt Aub nicht berührt. Das Gremium erhob deshalb keine Einwendungen gegen die von der Stadt Creglingen geplante Änderung. Dort ist eine Senioreneinrichtung mit betreutem Wohnen geplant. In der Stadtratsitzung im April hatte Dr. Gerrit Himmelsbach das Projekt „Kulturwege“ vorgestellt. Himmelsbach stellte damals das vom archäologischen Spessartprojekt (ASP), einem Institut der Würzburger Universität, entwickelte Konzept vor. Auch Kira Schmitz, Allianzmanagerin der interkommunalen Allianz „Fränkischer Süden“ hatte für das Projekt, das inzwischen 98 Wege, vom Untermain über den Spessart bis in den hinteren Steigerwald umfasst, geworben.

Nun lag es am Stadtrat, eine Entscheidung fällen, ob sich die Stadt Aub beteiligen will oder nicht. Ratsmitglied Theo Theuerkaufer war der Ansicht, dass es in Aub schon jetzt viele Wanderwege gebe und 16 000 Euro für einen weiteren zu viel Geld sei, um „im Kreis herumzulaufen“. Er war der Auffassung, dass die meisten Gäste der Stadt Aub eher der älteren Generation angehören, die bestenfalls Interesse haben, sich in der Stadt umzusehen, Kaffee zu trinken, gut zu essen, aber nicht in der Landschaft herumzugehen. Das Geld könne man sinnvoller ausgeben. Dem widersprach der Bürgermeister. Die vorherigen, von ihm selbst erstellten Wanderkarten der Auber Umgebung waren in kürzester Zeit vergriffen. Nach seiner Ansicht kommen schon auch Leute, die im Wald und im Gollachtal unterwegs sind und die reichhaltige Flora und Fauna dort loben. Dieser Auffassung schloss sich auch die Ratsmitglied Thomas Pfeuffer an.

Peter Elblein warf die Frage auf, ob sich das Kulturwegeprojekt möglicherweise mit dem Stadtmarketingkonzept überschneide und manches sogar doppelt bezahlt werden müsse. Melber sah den Vorteil im Kulturwegeprojekt aber darin, dass die Wege nicht nur ausgeschildert, sondern auch betreut werden und mit benachbarten Gemeinden vernetzt werden. Karlheinz Krieger regte an, dass auch die örtliche Gastronomie in das Projekt eingebunden werde. Bei zwei Gegenstimmen sprach sich der Stadtrat schließlich dafür aus, sich dem Kulturwegeprojekt anzuschließen. Architekt Felix Tannenberg legte dem Stadtrat noch einmal den in einigen Punkten geänderten Bauantrag für die beiden Gebäude Etzelstraße 4 und 6 vor. Dort hat die Stadt Aub zwei der Gebäude, die seit vielen Jahren nicht mehr bewohnt werden, erworben und will sie so umbauen, dass dort Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge und sozial schwache Bürgerinnen und Bürger entsteht. Der Umbau erfolgt im Rahmen eines Förderprogramms, das sehr hohe Zuschüsse vorsieht.

Nach den Planungen sollen im größeren Gebäude drei Wohnungen, im kleineren eine weitere sowie drei Stellplätze für Pkw entstehen. Der Stadtrat zeigte sich erstaunt über die hohe Bausumme von geschätzt 1,6 Millionen Euro, die das Projekt kosten soll. Melber verwies aber auf die hohen Zuschüsse durch die Städtebauförderung: „Wir müssen mit einem genehmigten Plan dort vorstellig werden,“ so der Bürgermeister. Schließlich genehmigte der Stadtrat den geänderten Plan für die beiden Gebäude einstimmig.

Mit einem nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag wartete Theo Theuerkaufer auf, als er anregte, die Stadt solle einen Stadtgärtner einstellen, der die „Grünanlagen“ vor einigen Anwesen in der Innenstadt pflege. Dort würden zum Teil sehr „seltene Blumen“, sprich Unkraut, wachsen.

Theuerkaufer wollte wissen, ob inzwischen ein Bademeister für das Baldersheimer Freibad gefunden wurde. Dies bejahte der Bürgermeister. Allerdings konnte noch niemand gefunden werden, der den Kiosk betreibt. Das Schwimmbad soll wohl am Pfingstwochenende öffnen. ag