Igersheim

Kommunalwahl Die Fränkischen Nachrichten befragten Freie Bürgervereinigung, CDU und SPD zu aktuellen Themen in Igersheim

Medizinische Versorgung gewährleisten

Freie Bürgervereinigung, CDU und SPD bewerben sich mit Listen um Plätze im Igersheimer Gemeindeparlament. Es gibt für alle drei ein paar Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen.

Igersheim. Auf vielen Gebieten hat die Kommune bereits ihre Hausaufgaben für die kommenden Jahre gemacht. Doch für Freie Bürger, Union und Sozialdemokraten gibt’s noch einiges zu tun – so steht die Gewährleistung der medizinischen Versorgung ganz oben auf der Agenda.

Die Gemeinde Igersheim hat in infrastruktureller Hinsicht in jüngster Vergangenheit den Grundstein dafür gelegt, die Kommune fitzumachen für die kommenden Jahre. Sehen Sie noch einen Bereich, in dem es in dieser Hinsicht akuten Handlungsbedarf gibt?

Freie Bürgervereinigung: Aus unserer Sicht ist die Igersheimer Infrastruktur bereits gut entwickelt. Für die Zukunft vorrangig sehen wir die Sicherung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in der Gemeinde. Dabei sind wir bereit, auch außergewöhnliche Wege in baulicher und finanzieller Hinsicht zu gehen. Weiterhin ist uns daran gelegen, eine vernünftige Wohnraumentwicklung in allen Ortsteilen zu erreichen. Beseitigung von Leerständen und Nutzung von Baulücken sollten Vorrang vor der Ausweisung von Neubaugebieten haben. Um den Flächenverbrauch geringer zu halten, sehen wir auch den Bau von Mehrfamilienhäusern als vertretbare Alternative. Unsere Mitbürger wohnen nicht nur nebeneinander, sie leben auch miteinander. Deshalb befürworten wir die sinnvolle Belebung der Igersheimer Ortsmitte. Eine einladende Gastronomie würde diese zusätzlich bereichern. Ausreichende Parkmöglichkeiten im Rahmen eines gut durchdachten Verkehrskonzeptes gehören selbstverständlich dazu. CDU: Für die kommenden Jahre ist das Thema Ärzteversorgung von höchster Priorität. Dabei geht es um die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung vor Ort, die es sicherzustellen gilt. Igersheim verfügt über ein gut ausgebautes Straßen- und Feldwegenetz, welches aber einer ständigen Instandhaltung bedarf. Deshalb sind ausreichende finanzielle Mittel nötig, um auch in Zukunft von diesem Wegenetz profitieren zu können. Dies kommt auch den landwirtschaftlichen Betrieben zugute. Auch geht es darum, die Infrastruktur in unseren Ortschaften zu erhalten oder auszubauen. Dabei geht es um die Zukunftsfähigkeit unserer Ortsteile. Unterstützt durch ELR-Programme, geschieht dies aktuell in der Ortschaft Harthausen. So erfreulich der Breitbandausbau auch ist, so stellt er beim rasanten Tempo des technischen Fortschritts nur eine Zwischenlösung dar. Um Glasfasernetze zu ermöglichen, sollten wir jetzt schon Vorsorge treffen, denn dadurch wird die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde gefördert. Dringender Handlungsbedarf besteht auch beim Thema Ansiedlung von Gastronomie. Damit wäre es möglich, einen Ort für Feiern, Jubiläen und zwanglose Treffen zu schaffen, was sicherlich zur Lebensqualität beiträgt. SPD: Der städtebauliche Rahmenplan, der von Verwaltung und Gemeinderat in der jetzt endenden Legislaturperiode erstellt wurde, nennt viele Maßnahmen. Diese wurden priorisiert und in eine zeitliche Reihenfolge gebracht. Aktuell sehen wir das Problem, dass Igersheim in der (bebauten) Fläche wächst, aber nicht bei den Einwohnerzahlen. Wir wollen mehr Nachhaltigkeit bei der Überplanung und Neuausweisung von Baugebieten.

Der Begriff Familienfreundlichkeit genießt in der Gemeinde Igersheim traditionell einen recht hohen Stellenwert. Wo liegen auf diesem Gebiet in nächster Zeit die Schwerpunkte?

Freie Bürgervereinigung: Familienfreundlichkeit betrifft alle Lebensphasen, von den jüngsten bis zu den ältesten Mitbürgern unserer Gemeinde. Wichtig ist uns, Kinder- und Jugendbetreuungsangebote zu erhalten und zu verbessern. Dazu gehört auch, den Bedarf regelmäßig zu ermitteln und zeitnah zu reagieren. Für die Belange der Jugendlichen werden wir die Arbeit im Jugendhaus weiterhin unterstützen. Durch die Stärkung des Ehrenamts und des Vereinslebens wollen wir zur Vielfalt in unserer Gemeinde beitragen. Hier begegnen sich Jung und Alt auf Augenhöhe, jeder ist willkommen. Besonders wichtig ist uns die breitgefächerte Kulturarbeit in Igersheim. Die reichhaltigen Angebote der Musikschule Hohenlohe und der Volkshochschule ergänzen das kulturelle Gemeindeleben. Selbstverständlich werden wir sie weiter unterstützen. Beratungs- und Betreuungsangebote für ältere und bedürftige MitbürgerInnen liegen uns sehr am Herzen. Hierbei ist auch die Barrierefreiheit bei Neu- und Umbauten zu berücksichtigen. Verfügbarer, bezahlbarer Wohnraum für ältere wie jüngere Wohnungssuchende ist auch in Igersheim ein Mangel. Wir wollen Rahmenbedingungen schaffen, um dieses Problem zu lösen. CDU: Beim Thema Familienfreundlichkeit geht es zunächst darum, moderne bezahlbare Wohnformen zu schaffen. Dies soll durch die Erschließung von weiteren Bauplätzen erreicht werden, wobei auch in den Ortschaften Wohnbaugebiete vorgehalten werden sollen. Dabei ist insgesamt die Innenentwicklung einer expansiven Außenentwicklung vorzuziehen. Da gute Kitas einen wichtigen Standortfaktor darstellen, wenn junge Familien sich für einen Wohnort entscheiden, treten wir dafür ein, unsere Kita-Angebote zu erhalten und weiterzuentwickeln. So könnte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhöht werden, was auch den Betrieben zugutekäme, da sie leichter Arbeitskräfte gewinnen könnten. Wichtig ist auch eine Stärkung der Grundschule. Nach dem Verlust der Hauptschule ist es umso wichtiger, die Grundschule attraktiv zu halten, und dafür muss sie auf dem neuesten Stand sein. Die Vereine tragen in unserer Kommune sehr viel zur Familienfreundlichkeit und zum Gemeinwohl bei. Deshalb treten wir für eine Unterstützung derselben ein, damit sie auch in Zukunft ihre Angebote aufrechterhalten können. SPD: Igersheim hat ein gutes Angebot bei Kinderbetreuung und Jugendarbeit. Wir wollen das erreichte Niveau halten und bedarfsgerecht weiter entwickeln. „Familienfreundlichkeit“ wird häufig genannt, bei konkreten Entscheidungen aber nicht in letzter Konsequenz umgesetzt: Der Gemeinderat beschloss gegen unsere Stimme die Ausweitung der Schließzeiten der Kindergärten während der Sommerferien.

Welches Thema ist für Sie in Ihrer Kommune in der neuen Legislaturperiode darüber hinaus wichtig?

Freie Bürgervereinigung: Bauliche Voraussetzungen zu schaffen und die Infrastruktur zu stärken ist das eine, unser soziales Miteinander zu fördern das andere. Hierbei streben wir an, unser Igersheimer Wir-Gefühl weiter zu stärken: zwischen allen Ortsteilen, zwischen Alteingesessenen und Neuhinzugezogenen, zwischen allen Generationen und allen Kulturen. Durch die Schaffung weiterer Begegnungstreffpunkte, beispielsweise die Neugestaltung des Möhlerplatzes und Bereitstellung geeigneter Sport- und Freizeitmöglichkeiten an der Tauber kann dies gelingen. Gemeinschaft wird durch gemeinsames Handeln gestärkt. Vom Bürgernetzwerk organisierte Gemeinschaftsaktionen, die Aktion „Gemeinsam Schaffen“ wie der Grillplatz in Harthausen und der Spielplatz an der Grundschule, Nachbarschaftsfeste und Integrationsprojekte unterstützen wir deshalb weiterhin sehr gern. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Gemeindefinanzen sowie mit den natürlichen Ressourcen Wasser, Boden und Wald bleiben für uns Freie Wähler auch in den folgenden Jahren wichtige Themen. Die Freie Bürgervereinigung Igersheim wünscht sich dieses gute, respektvolle Miteinander auch für die Zusammenarbeit im zukünftigen Gemeinderat und mit der Gemeindeverwaltung. CDU: Ein wichtiges Anliegen ist die Stärkung des Wirtschafts- und Gewerbestandorts. Die Ansiedlung von Handel und Gewerbebetrieben wäre wünschenswert, da es dadurch mehr Arbeitsplätze geben würde. In der kommenden Legislaturperiode stellen die Sanierung der Erlenbachhalle, die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes sowie des Marktplatzes wichtige Themen dar. Wichtig ist auch die Transparenz der Themen für die Bürger. Bei Entscheidungen sollen sie im Vorfeld miteinbezogen werden. Dies kann durch Workshops oder Bürgerversammlungen geschehen. Schließlich misst die CDU der Fortsetzung der soliden Haushaltspolitik großer Bedeutung bei. Alle Maßnahmen stehen unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit. Ein letzter Punkt: Immer wieder hört man die Klagen, dass jüngere Menschen sich nicht politisch engagieren wollen. Nun treten bei der Gemeinderatswahl auf der Liste der CDU drei Kandidaten an, die 25, 26 und 31 Jahre alt sind. Es wäre wünschenswert, wenn der eine oder andere den Sprung ins Gemeindeparlament schaffen würde und dadurch noch mehr junge Menschen sehen könnten, dass es Sinn macht, sich aktiv politisch einzubringen. Dann muss uns um die Zukunft des Rats und der Demokratie nicht bange sein. SPD: Die absehbare Entwicklung bei der ärztlichen Versorgung ist eine große Herausforderung für Verwaltung und Gemeinderat. Die Gemeinde kann keinen Arzt verpflichten, aber für ein zukunftsweisendes Konzept und damit für eine gute Infrastruktur sorgen. Das angedachte Gesundheitszentrum ist ein erfolgversprechender Ansatz. Dieses Projekt ist für uns ein besonderer Schwerpunkt des neuen Gemeinderates.