Igersheim

Leserbrief Im Zusammenhang mit „Spectaculum et Gaudium“ auf der Igersheimer Burg Neuhaus

Mittelalterfest im Würgegriff fragwürdiger Bürokratie

Das stimmungsvolle Event „Spectaculum et Gaudium“ auf Burg Neuhaus fiel heuer doch ziemlich ambivalent aus – so heftig wie noch nie von bürokratischen Auflagen respektive Schikanen und entsprechendem Missmut überschattet.

Es fing mit dem Parkplatz an. Die langjährig für diese und andere Veranstaltungen auf Burg Neuhaus genutzte Wiese direkt hinter der Burg sollte aufgrund einer Anordnung der Naturschutzbehörde nun plötzlich nicht mehr zum Abstellen von Fahrzeugen taugen. Angeblich sei sie – auf einmal – „Schutzgebiet“, hieß es. Noch nie war das Gelände als solches ausgewiesen, ist es bis heute nicht. Das Naturschutzgebiet im Bereich des Seitentals zwischen Roggenberg und Burg Neuhaus erkennen wir erst jenseits des geteerten Weges, der zum Spessartblick führt. Und eben diesem musste man heuer noch Hunderte Meter folgen, um nahezu auf halber Strecke dann endlich parken zu dürfen.

Vollständig absurd erschien speziell den Kennern unserer Gegend zudem, dass dann ausgerechnet genau am Trauf direkt oberhalb des naturgeschützten Seitentals geparkt werden sollte!

Der Fußmarsch bei sengender Hitze zur Burg erschien wohl nicht nur mir wie die Anmutung eines trickreichen Racheaktes irgendeines Amtsträgers, der die Veranstaltung aus welchem Grunde auch immer hämisch zu torpedieren suchte – in einem Rechtsstaat wohl zu überprüfen. Achtung Burgfest-Veranstalter: am besten sofort Beweise (bisherige Ausschilderung des Schutzgebiets) sichern!

Ein weiterer Punkt sind die allgegenwärtigen feuerverzinkten Bauzäune gewesen, die das romantische Ambiente mitten ins Herz trafen. Die Ruine selbst ist jedenfalls nicht einsturzgefährdet – einige Besucher hatten die Sperrung nämlich so interpretiert. Es geht vielmehr um aus Sicht der meisten komplett übertriebenen Sicherheitswahn nach dem tragisch-bizarren Vorkommnis im Jahre 2014, als ein Festbesucher tödlich abstürzte, nachdem er in Eigenverantwortung, warum auch immer, auf die Brüstungsmauer geklettert war.

Seit diesem Vorfall soll jetzt plötzlich alles anders sein, sämtliche Liebhaber der Veranstaltung und der Veranstalter selbst haben die Folgen zu tragen – in Form immer schärferer Sicherheitsauflagen. Doch eigentlich sollte für vernünftige, reife Bürger (sowie in verantwortungsvoll wahrgenommener Aufsichtspflicht gegenüber Schutzbefohlenen agierende Personen) eine breite, rundum geschlossene und mehr als hüfthohe Brüstungsmauer in optimal saniertem Zustand als Absturzschutz absolut ausreichend sein!

Dies ist zumindest über etliche Burg-Veranstaltungen der Jahre vor 2014 so gewesen und hat stets bestens funktioniert. Indes sei auch auf Rothenburg ob der Tauber hingewiesen, wo am durchaus vergleichbaren Wehrgang lediglich Hinweisschilder „Betreten auf eigene Gefahr“ auch im Rahmen von Festveranstaltungen die Rechtslage im Falle eines Unfalles dezent absichern, ohne die Authentizität der Atmosphäre zu zerstören.

Doch eben nicht so beim Igersheimer Mittelalter-Event, hier wird auf behördlich zwangsverordnete Gitter gepocht. Aber ist diese rigorose und plumpe Maßnahme, betrachtet man sie mit objektiver Vernunft, überhaupt noch unter dem Motto „Sicherheit“ zu vertreten – oder eigentlich nicht doch bereits eher Freiheitsberaubung (normalerweise) reifer und eigenverantwortlicher Bürger?! Schließlich handelt es sich auf Burg Neuhaus nicht um das illustre Sommerfest der geschlossenen Abteilung irgendeiner psychiatrischen Klinik!

Mit Verlaub, genauso könnte ja auch beim Bad Mergentheimer Volksfest jemand von den (unvergitterten!) Brücken über die Bahnstrecke stürzen, welche ebenfalls nur durch hüfthohe Geländer gesichert sind. Oder man denke im Rahmen von Stadtfesten an die (unvergitterte!) Brüstungsmauer des Bad Mergentheimer Schlossgrabens in der Kapuzinerstraße – der Situation auf Burg Neuhaus gar nicht unähnlich!

Fakt ist, wirklich hundertprozentige Absicherung erscheint eigentlich fast unmöglich. Wo also hört bürgerliche Freiheit auf und fängt behördliches Diktat an? Fragen über Fragen – zu Sinn und Unsinn, zu Angemessenheit sowie Übertreibung. Und auf derartige Wissbegierde mündiger Bürger sollte, ja muss, explizit reagiert werden: Welche Personen in welchen Ämtern stecken hinter all jenen Auflagen, die letztlich, betrachtet man sie mit kühlem Kopf, eben doch eher wie schikanöse Willkür einiger Profilierungssüchtiger anmuten?!

Man möchte somit nun ausdrücklich die Namen derer wissen, die dafür verantwortlich zeichnen, auf dass sie der verärgerten Allgemeinheit endlich triftig Rede und Antwort stehen mögen!

Abschließend sei dann noch eine weitere kritische Frage in den Raum gestellt: Warum bitteschön mussten am Neuhaus-Reitplatz nun plötzlich hölzerne Sichtblenden den langjährig optimalen Blick auf Ritterturniere sowie die Nachtshow derart massiv behindern?