Igersheim

Bürgerhaus Igersheim „First Sign of Life“ überzeugte durch Melancholie und Wortwitz / „Mailänder“ bot Mischung aus unterschiedlichsten Stilrichtungen

Pop und Rock an allen Ecken und Enden

Im Bürgerhaus Igersheim flogen die Fetzen – auf unterschiedlichen Stockwerken und diversen Bühnen. Sehr zur Freude der 200 Gäste im Alter von zwei bis 70 Jahren.

Igersheim. „Mit einem solchen Besucheransturm hatten wir nun wirklich nicht gerechnet“, sagt Sozialpädagoge Marcel Raupp des Bürgerhaus Igersheim. Nicht nur er, sondern auch der Rest des Bürgerhaus-Teams ist überwältigt, wie gut das erste „Pop Festival“ angenommen wurde. Rund 200 Besucher im Alter von zwei bis 70 Jahren waren in dem Gebäude in der Nähe des Bahnübergangs.

Insgesamt sieben Gruppen und Solo-Interpreten verschiedener Stile spielten von 18.30 bis 0 Uhr auf drei unterschiedlich großen Bühnen, welche im ganzen Haus verteilt aufgebaut waren. Die geplante Außenbühne musste leider aufgrund des schlechten Wetters ins Innere verlegt werden, was aber der Stimmung keinerlei Abbruch tat. „Wirklich jeder Gast und auch jeder Musiker war restlos begeistert und überhäufte uns mit positiven Resonanzen“, sagt Raupp. Doch was sorgte für den großen Erfolg des Festivals? Laut des Veranstalter-Teams ist es das gesamte Konzept, das den Abend so besonders machte. Anstatt die Künstler nacheinander auf einer einzigen Bühne auftreten zu lassen, wurden neben der großen feststehenden Bühne im Saal, zwei weitere Bühnen im restlichen Haus verteilt aufgebaut. Eine Mittelgroße, welche sich ebenfalls im Erdgeschoss (schräg gegenüber des Saales) befand sowie eine Kleine im Obergeschoss des Bürgerhauses neben den Räumen des Jugendclubs.

Auf der großen „Saalbühne“ traten zwei Bands auf – sprich Musikgruppen mit einer Besetzung von mindestens vier Personen. Auf der mittelgroßen „Kulturbühne“ durften drei Akustik-Duos spielen. Wohingegen auf der kleinen „Wohnzimmerbühne“ zwei Solokünstler ihre Lieder zum Besten gaben.

Im Saal fanden stets alle Besucher Platz, was aber nicht immer für die kleinen Bühnen zutraf. Dort konnte es durchaus auch mal etwas enger werden, so dass es ratsam war, sich zeitig einen guten Platz auf dem Boden sitzend oder am Rand stehend zu ergattern. Hatte man mal das Pech, keinen Platz in den Räumen zu bekommen, konnte man die Zeit bis zum nächsten Künstler dennoch entspannt überbrücken. In den restlichen Zimmern gab es genug Gelegenheit, Gespräche zu führen, etwas zu entspannen, gemeinsam anzustoßen oder sich mit den Musikern über deren Auftritte zu unterhalten.

Den Abend eröffnete das Igersheimer Akustik-Duo „Dumbnuts“, welches mit seinen eigenen Songs und flotten Sprüchen direkt gute Stimmung verbreitete. Entspannt und gefühlvoll ging es beim Auftritt des jungen Singer-Songwriters „Nils Villmann“ aus Würzburg zu, der im Obergeschoss mit seiner schönen Stimme zu akustischen Klängen für ein warmes Bauchgefühl sorgte. Anschließend folgte der Überraschungsauftritt des Abends: „The Ukuleleeaves“ aus Lauda/Bamberg. Eine Frau, ein Mann, zwei Ukulelen sowie jede Menge Leidenschaft und Spaß. Als Larissa und Andreas auf ihren kleinen Instrumenten ganz große Klassiker in eigenem Stil coverten, blieb kein Bein ruhig stehen und es wurde lauthals mitgesungen. Weiter ging es im Saal mit der Band „Skyline“ – vier junge Musiker, die im Keller des Bürgerhauses proben und sich immer mehr vom Geheimtipp zu einer festen Instanz der kommunalen Musikszene mausern. Der Auftritt imponierte nicht nur den Gästen, sondern auch dem Musiker „First Sign of Life“, der später seine gesamten Einnahmen aus dem Hut an die junge Gruppe weitergab, um diese bei der geplanten Albumproduktion zu unterstützen. Nach „Skyline“ spielten „Vater & Ton“. Das Duo bestehend aus Gitarre und Bass brillierte durch deutsche Texte, schöne Melodien und einen Hauch von Humor, der niemals albern oder platt wirkte. Den Anschluss machte der bereits erwähnte Solo-Interpret „First Sign of Life“ auf der Wohnzimmerbühne im Obergeschoss. Der junge Mann aus dem Raum Künzelsau begeisterte das Publikum mit seinem außerordentlichen Talent, melancholische Lieder zu schreiben, die einen tief berühren und zum Träumen bewegen. Zwischen den Songs holte er das Publikum immer wieder mit smartem Humor zurück in die Realität und erzählte kurze Anekdoten aus seinem Leben. Für seine Kombination aus Wehmut und Witz erntete er mehrmals einen tosenden Applaus. „Ich habe in diesem Raum zwei Jahre lang jeden Tag gesessen und geackert – für mich hat nie einer geklatscht“, rief Bürgermeister Menikheim witzelnd aus dem Publikum und sorgte für lautes Gelächter Als das Igersheimer Rathaus saniert wurde, war das Zimmer des Bürgermeisters im Obergeschoss des Bürgerhauses in jenem Raum, in dem die Musiker auftraten. Den Abend beendete der gebürtige Weikersheimer „Mailänder“ mit seiner Band. Die Mischung aus Folk, Pop und Rock, dargeboten mit Gitarre, Mundharmonika, Bass und Schlagzeug, bot reichlich Möglichkeit, ein letztes Mal am Abend ausgelassen zu tanzen und zu feiern. pm