Igersheim

Spectaculum et Gaudium auf Burg Neuhaus Schwerterklirren, Markttreiben, Einblick ins Lagerleben

Ritterliche Keilerei

Archivartikel

Es war wieder einmal ein sehens- und hörenswertes Wochenende auf Burg Neuhaus. Der Verein Sport, Pferde und Kultur (SpuK) stellte bereits zum 13. Mal ein außergewöhnliches Fest auf die Beine.

Igersheim. Das Mittelalter fasziniert nach wie vor Groß und Klein, und einmal regelrecht einzutauchen in diese längst untergegangene Welt ist immer ein ganz besonderes Erlebnis.

Die Zeitepoche der edlen Ritter und Burgfräuleins, des bunten Markttreibens und der vielfältigen alten Handwerkskunst konnten die Besucher am Wochenende auf der Igersheimer Burg Neuhaus nachempfinden.

Da gab es viel zu entdecken und zu bestaunen: Ritter in prächtigen Gewändern, mit Rüstung und Kettenhemd, zu Pferd und zu Fuß, edle Frauen, aber auch das „niedere Volk“, Händler, Handwerker und nicht zuletzt die Lager im Burggraben und am Bergfried. Das Turney, seit jeher Bestandteil des Mittelalterfestes, wurde zur dritten Süddeutschen Meisterschaft im ritterlichen Reiten erweitert und in mehreren Blöcken verteilt ausgetragen. Das hielt die Spannung aufrecht, sorgte aber gleichzeitig für viel Unmut unter den Festbesuchern. Nicht auf die Organisatoren und ihr neues Konzept, sondern auf die behördlicherseits verordneten „Bretter vor’m Kopf“ – Reitplatz und große Teile der Burgruine waren nämlich mit extra aufgestellten (und natürlich vom Veranstalter zu bezahlenden) Bauzäunen abgesperrt, dazu kam dann noch der Bretterzaun um den Reitplatz. Wer nicht ganz vorne stand und auch nicht allzu groß gewachsen war, der sah die Akteure oftmals nur „kopflos“ oder, wie es ein Besucher formulierte, „mit Zensurbalken“.

Erklärende Worte

Die Veranstalter hatten an mehreren Stellen erklärende Worte ausgehängt – sie machten das beste aus dieser vertrackten Situation. Wer letztlich für diese bürokratische Glanzleistung verantwortlich zeichnet? Die Redaktion wird darüber noch mit dem Veranstalter im Detail sprechen.

Ach ja: Auch das Nachtschauspiel mit anschließender Feuershow litt unter dem Zaunwahn. Beteiligt bei der Geschichte mit der traditionell abschließenden ritterlichen Keilerei war wieder einmal ein alter Bekannter – Konrad von Wachbach, der Jahr für Jahr den Bösewicht abgibt, wirkte heuer als Anführer der „kopflosen Reiter“, die den Sohn des Burgherren (beim Techtelmechtel mit einer Magd) überraschten und entführten, um ein deftiges Lösegeld zu erpressen.

Der Sohn aber konnte sich befreien, die Männer des „Wachbächers“ und ihr Anführer wurden überwältigt und in Schimpf und Schande von der Burg vertrieben.

Das Drehbuch war selbst verfasst, Darsteller waren allesamt Hobby-Schauspieler, also SPuK-Mitglieder sowie Akteure befreundete Vereine.

Auch die anschließende und ebenso beeindruckende Feuershow zu Pferd war „handgestrickt“, ein „Extra“ boten „Hands of Fire“ – das Duo legte noch eine Schippe drauf beim Spiel mit den Flammen.

Als Fazit bleibt, festzustellen, dass „Spectaculum et Gaudium“ wieder einmal den Igersheimer Festkalender bereicherte und verdient hat, auch weiterhin auf der Agenda zu stehen. Ein Verzicht auf überflüssige behördliche Fesseln wäre gut und schön für Organisatoren und Besucher.