Igersheim

BAGeno Hauptversammlung in der Igersheimer Erlenbachhalle / Beim Umsatz die 100-Millionen-Euro-Marke übersprungen / Kritik am Lebensmitteleinzelhandel geübt

Spitzenplatz unter den Genossenschaften

Archivartikel

Die BAGeno mit Hauptsitz in Bad Mergentheim blickt wieder auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 zurück. Unter den neun Genossenschaften im Ländle nimmt sie einen Spitzenplatz ein.

Igersheim. Rund 400 Mitglieder und Gäste fanden sich zur BAGeno-Hauptversammlung in der Igersheimer Erlenbachhalle ein, um Bilanz zu ziehen. Die von Vorstand und Geschäftsführung vorgetragenen Zahlen, Fakten und Daten sorgten ausschließlich für zufriedene Minen. Dies spiegelte sich unter anderem in ausschließlich einstimmigen Voten bei Wahlen, Entlastungen und Beschlüssen wider. Darüber hinaus gab es für die Protagonisten der Genossenschaft, deren regionales Verbandsgebiet den Hohenlohekreis und Teile des Main-Tauber-Kreises umfasst, viel Beifall..

Zu Beginn bewertete Vorstandsvorsitzender Karl Ehrmann die Umsatz- und Ertragslage der Genossenschaft „als gut“. Dies sei umso bemerkenswerter, „da wir im vergangenen Jahr wieder mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten“. In Erinnerung bleibe die extreme Trockenheit sowie Futtersituation in Betrieben mit Rinderhaltung.

Frustriert sei er, so Ehrmann weiter, über die Gefühllosigkeit des Lebensmitteleinzelhandels. „Mitten in die Diskussion um die Dürre senken die den Butterpreis um zehn Cent. Wo bleibt da der mediale Aufschrei? Und die Lieferverträge müssen eingehalten werden.“ Aber dann würden vier Stufen beim Tierwohl eingeführt. Solch ein Vorgehen sei „scheinheilig.“

Keine auskömmlichen Preise

In der Ferkelerzeugung und Schweinemast seien 2018 keine auskömmlichen Preise erzielt worden – dazu die ständige Kritik, verbreitet durch teilweise unseriöse und bewusst unwahre Berichterstattungen in den Medien. „Es ist die Stimmung, die Perspektive, die immer mehr Berufskollegen zu der Überlegung führt, die Tierhaltung oder den ganzen Betrieb aufzugeben“, kritisierte der Vorstandsboss. Ein großes Problem der heutigen Gesellschaft sei, dass „sie die Wahrheit nicht mehr aushält. Fachwissen und wissenschaftlich basierte Entscheidungen zählen nicht mehr“.

„Ich finde es gut, dass sich die Menschen Gedanken über die Umwelt machen, sie den Naturschutz wichtig nehmen“, startete Berthold Walter seinen umfassenden Geschäftsbericht. „Aber dass dieses Problem zum größten Teil auf dem Rücken der Landwirtschaft ausgetragen wird, ist nicht korrekt.“ Der Vergleich hinke zwar, „aber wir wollen Bienen- und Artensterben verhindern“. Wenn der Kleinbauernstand jedoch aussterbe, interessiere es die Wenigsten, wenn Deutschland eine große Blumenwiese ist und die Lebensmittel aus dem Ausland kommen“. Er, Berthold Walter, habe oft den Eindruck, dass „jeder daher gelaufene Umweltfreund sich besser in der Landwirtschaft auszukennen meint als ein gelernter Landwirt“. So könne es nicht weitergehen.

Dann wechselte der Geschäftsführer über zum Bereich Getreide und Märkte. Die Bestände seien weitgehend gut, man rechne 2019 in Deutschland mit einer Getreidemenge von 47 Millionen Tonnen – „das entspricht einer guten Ernte“. Dies treffe auch für Europa zu, erste Meldungen ließen auf einen guten Ertrag schließen.

Letztes Jahr um diese Zeit habe er, so Walter, an dieser Stelle gesagt, dass „der beste Preis immer bei den Vorverträgen war“. Nun habe es 2018 den trockenen Sommer gegeben.

Die Preise seien an der Ernte sehr gut gewesen, um im Anschluss permanent zu sinken, weil die Schwarzmeer-Region den Export unerwartet hoch bedient habe. Dennoch sei es der BAGeno gelungen, gute Auszahlungspreise abzurechnen. Was das laufende Jahr angehe, appellierte er an die Landwirte: „Sollten sich aufgrund der Witterung bis zur Ernte Wettermärkte entwickeln, versuchen Sie diese mit auszunutzen und spekulieren Sie nicht auf längere Sicht – vor allem bei diesen Mengenaussichten.“

Keine Prognose möglich

Was Biogetreide angehe, könne zurzeit noch keine schlussendliche Prognose getätigt werden. Allerdings machte Berthold Walter deutlich, dass „ich mir Sorgen um die Nische Bio mache, weil ich der Meinung bin, dass diese Nische bröckelt“. Der Preis für Biogetreide zum konventionellen rücke nämlich momentan immer näher zusammen.

Die Betriebe innerhalb der BAGeno liefen reibungslos, so der Geschäftsführer in seinem Bericht. Zwar sei aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Zweigstelle Mulfingen geschlossen worden, doch es stünden zahlreiche andere Projekte in den Startlöchern.

Maßnahmen im Fokus

So sei an der Tankstelle in Dörzbach eine Veränderung vorgesehen, das Gebäude solle einem Neubau mit Ärztehaus, Kaffee- und Tankstellenshop weichen. Die Maßnahme sei „noch nicht in trockenen Tüchern“, Planungen und Überlegungen liefen noch. Für eine neue Lagerhalle und weitere Veränderungen in Ingelfingen seien die Veränderungen bereits beantragt. Und am Markt in Bad Mergentheim werde in Kürze das Außengelände überdacht. Stachenhausen erhalte mehr Raum im Außenbereich und für Markelsheim würden weitere Silos ins Auge gefasst.

In den vergangenen Jahren sei stets ordentlich investiert worden, allein 2018 etwa 2,5 Millionen Euro, zudem seien zusätzlich regelmäßig Warenrückvergütungen ausbezahlt worden – Indiz dafür, dass die Genossenschaft auf einem guten Weg sei. „Wir versuchen zudem, dem demografischen Wandel entgegenzutreten und jungen Mitarbeitern gute Chancen zu bieten.“ So sei auch gewährleistet, dass man bei der personellen Ausstattung gut gerüstet in die weitere Zukunft blicken könne.

Mehrere Standbeine

Ein Erfolg der Genossenschaft basiere darauf, dass sie über mehrere Standbeine verfüge, meinte Berthold Walter. Hierzu gehörten unter anderem Raiffeisenmärkte, Klärschlammentsorgung, Landtechnikbereich, Containerdienste, Vermietungen, Baustoff-, Energie- und Tankstellensektor sowie fahrbare Mahl- und Mischanlagen. Mit einem Gesamtumsatz von rund 106 Millionen Euro sei es der BAGeno, bedingt durch die zahlreichen Standbeine, einmal mehr gelungen, trotz der laufenden Investitionen und der Turbulenzen im landwirtschaftlichen Bereich, wieder ein gutes Resultat zu erreichen, das Eigenkapital weiter zu stärken und die Mitglieder am Gewinn zu beteiligen. „Unser Auftrag als Genossenschaft ist es, die Mitglieder zu fördern, und wir werden alles daran setzen, diesem Auftrag gerecht zu werden“, schloss Walter.

In seinem Aufsichtsratsbericht sprach Wolfgang Öchsner von vier Sitzungen, in denen sein Gremium und Vorstand sich getroffen hätten. Bei den zum Teil unangekündigten Überprüfungen der Kassen-, Buch- und Belegführung habe es keinerlei Beanstandungen gegeben. Schlussendlich gab die Versammlung einstimmig grünes Licht dafür, was die Feststellung und Verwendung des Jahresüberschusses angeht.

Entlastung einstimmig

Jürgen Fricke blieb es vorbehalten, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu beantragen, der ebenfalls ohne Gegenstimme entsprochen wurde, ehe noch Verabschiedungen und Ehrungen auf dem Programm standen (siehe Extrakasten auf dieser Seite).