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Buchstaben alleine reichen nicht aus

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Emojis gehören heute zu vielen Textnachrichten. Sie ersetzen nicht nur Gestik und Mimik, sondern manchmal auch die Satzzeichen. Von Franziska Hurler

Kaum eine Textnachricht wird heute noch ohne einen sogenannten „Emoji“ verschickt. Für die meisten Messenger-Nutzer sind sie kaum noch wegzudenken. Doch was ist so besonders an ihnen? Und wie sind sie überhaupt entstanden? Und woher kommt das Wort „Emoji“ überhaupt?

„Emoji“ heißt auf Japanisch etwa so viel wie „Bilderbuchstabe“. Begonnen hat die Geschichte der Emojis zu Beginn der 1980er Jahre, als immer mehr Menschen über Online-Foren kommunizierten. Viele Nutzer hatten Schwierigkeiten, ernst oder ironisch gemeinte Nachrichten voneinander zu unterscheiden. Der Vorläufer, mit dem die Gefühlslage der Nachricht signalisiert werden sollte, waren Emoticons. Diese kann man selbst aus Zeichen wie Doppelpunkt, Bindestrich oder Klammer zusammenstellen.

In der mündlichen Kommunikation helfen Gestik, Mimik, Tonlage, Körpersprache und Situationskontext, den Sachverhalt besser zu verstehen oder einzuordnen. Auch wenn man gerade im Urlaub ist und die dortige Landessprache nicht beherrscht, erkennt man häufig, in welchem Gemütszustand sich das Gegenüber gerade befindet. Sprichtjemand schnell, könnte er vielleicht aufgeregt oder verärgert sein. Zieht er die Augenbrauen nach oben, ist er vermutlich verwundert oder stellt etwas in Frage. Wer die Augen verdreht, ist sichtlich genervt und will seine Ruhe haben.

Digitale Kommunikation

All diese Aspekte fehlen in der digitalen Kommunikation, aber sie können durch Emojis kompensiert werden. Gerade Emotionen machen aus einer langweiligen Unterhaltung einen unterhaltsamen Dialog, was auch der kanadische Philosoph Marshall McLuhan in seiner Medientheorie von 1964 formuliert hat: Sie besagt, dass das geschriebene Wort weniger emotionsgeladen als das Gesprochene ist.

Neben der Tonlage ersetzen Emojis auch ein Stück weit die Satzzeichen in einer Nachricht. Der Empfänger versteht auch ohne grammatikalisch korrekte Zeichensetzung den Text, jedoch fehlt die Struktur, die der Nachricht Übersicht verleiht. Emojis können alternativ an Satzenden eingefügt werden, das erleichtert es dem Empfänger, die Nachricht zu lesen. Gerade bei einer rhetorischen Frage, die ohne den passenden Tonfall nicht als solche verstanden werden kann, braucht man ein Fragezeichen. Dieses Satzzeichen kann aber durch ein beispielsweise verwundert aussehendes Emoji ersetzt werden.

Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler für englische Philologie an der Freien Universität Berlin, erklärt, dass jede Nachricht in einem Messenger für sich steht. Anfangs fehlt der Kontext für den Eindruck einer Situation, den es in einer direkten Kommunikation immer gibt. Emojis werden zum Kommentieren genutzt, um kurz und prägnant seine Meinung kundzutun. Bei einer Textnachricht sieht man nicht, in welcher Stimmung sich der Absender befindet und was genau er sich von dem Empfänger wünscht. Wenn jemand traurig ist und seine Sorgen jemanden anvertraut, so weiß die andere Gesprächspartei, dass sich derjenige tröstende Worte und Ratschläge wünscht. Durch das Nutzen von Emojis erfasst der Empfänger sofort die Umstände der Nachricht und kann besser seine Antwort formulieren.

Positive Wirkung

Die Psychologin Monica A. Riordan hat in einer Studie von 2017 zudem herausgefunden, dass die Verwendung von Emojis eine bereits positive Nachricht noch positiver wirken lässt. Hierbei spielt auch die Anzahl der verwendeten Emojis eine wichtige Rolle. Gleiches gilt bei negativen Nachrichten. Je mehr Emojis der Nachricht beigefügt werden, desto weniger negativ erscheint die Nachricht. Kein Wunder also, dass diese kleinen Symbole bereits ihren eigenen Welttag zugeteilt bekommen haben, nämlich den 17. Juli.