Jugendseite

Das Kind in einem lebt weiter

Unsere Jugendredakteurin denkt an ihre Kindheit zurück, ans Drachensteigen, an Halloween und den Kampf gegen den Wind beim Martinsumzug. von Franziska Hurler

Erinnerungen an die Kindheit sind immer auch mit Anekdoten verbunden, über die man heute noch schmunzeln kann. Oft werden solche Geschichten bei Familienfeiern widergegeben. Passend zur Herbstzeit erinnere ich mich immer an das Basteln zurück. Der Wechsel der Jahreszeiten beeinflusste auch die Art der Freizeitbeschäftigung. Die Blätter färben sich bunt und fallen von den Ästen. Als Kind war es super, wenn man das bunteste und größte Blatt im Park gefunden hat. Aus heutiger Sicht erscheint es mir skurril, dass man diesen Blättern so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, wo sie doch nur auf den Straßen rumliegen und eher stören als erfreuen. Doch auch für die weniger schönen Blätter gab es einen Verwendungszweck, der mir am meisten in Erinnerung geblieben ist: mit Wachsmalkreide die Blätter abpausen. Das Ergebnis war immer abhängig von dem Druck, den man mit der Kreide auf das Papier ausübt.

Viel zu entdecken

Doch neben den Blättern gab es noch viel mehr auf den Parkwegen zu entdecken wie beispielsweise Kastanien. Diese dienten als Baukomponenten für Kastanienmännchen. Mithilfe eines Nagels oder einem anderen spitzen Gegenstand wurden Löcher für Kopf, Arme und Beine gebohrt. Mit Zahnstochern wurden die Körperteile zu einer manchmal merkwürdig aussehenden Figur zusammengebunden. Mit viel Vorstellungskraft und Fantasie konnte man erahnen, was die Figur denn genau darstellen sollte.

Natürlich spielten auch die Tiere im Herbst eine Rolle. Einen Igel im Garten zu haben war etwas Aufregendes und so baute man ihm einen Unterschlupf, ganz egal, ob dieser auch tatsächlich genutzt wurde. Allein schon der Bauprozess war Spaß genug. Auch den Vögeln wollte man im Garten etwas bieten: Vogelhäuser wurden aufgestellt und im Zoohandel Meisenknödel gekauft.

Hoch in die Lüfte

Ebenfalls eine beliebte Beschäftigung während der Herbstzeit: das Drachensteigen. Einen im Geschäft kaufen ging natürlich auch, aber lieber ließ man den eigenen selbst gemachten Drachen aufsteigen. Im Idealfall sah dieser höchst kreativ aus, seine Flugfähigkeit war allerdings eine andere Sache. Umso bunter und vollgeklebter der Drachen war, desto schöner war er, dachte ich. Der Drache wurde so lange mit Schleifen, Motiven und Girlanden verziert, bis er, bedingt durch sein Gewicht, gar nicht mehr fliegen konnte. Ende Oktober stand dann Halloween vor der Tür und wer zeigen wollte, dass man Süßigkeiten zu verschenken hatte, hatte irgendeine entsprechende Dekoration vor der Haustür stehen. Bei vielen waren das wohl die Kürbisse, die man zuvor selbst ausgehöhlt und geschnitzt hatte. Eigentlich sollten die Gesichter furchterregend aussehen, aber aus unbestimmten Gründen sahen die meisten eher lustig aus, als dass sie einen gruselten. Doch im Nachhinein war das auch gar nicht weiter relevant, was zählte, waren die Süßigkeiten.

In vielen Orten ist es am Martinstag Tradition, einen Laternenumzug zu organisieren. Ich hatte das Glück, immer mit schönen Laternen am Umzug mitzulaufen, da wir diese im Kindergarten mit professioneller Hilfe (und natürlich auch Unterstützung) gebastelt hatten. Ärgerlich war nur, wenn die Kerze wegen des starken Windes dauernd ausging oder die Laterne komplett in Flammen aufging.

Sinnfrei, aber spaßig

Auch wenn die Mehrheit dieser Beschäftigungen keinen tiefergehenden Sinn und Zweck hatte, gehörten sie doch irgendwie zur Kindheit dazu und lassen mich immer fürs Neue in Erinnerungen schwelgen. Die meisten in meinem Alter werden wohl kaum mehr Kastanien und Blätter sammeln oder Drachensteigen lassen, aber die Erinnerungen an diese Zeiten bleiben für immer und werden das Kind in einem nie ganz verschwinden lassen.