Jugendseite

Der Weg zur Selbstständigkeit

Viele Jugendliche wollen ihn: den Führerschein. Die kleine Karte steht für alles, von dem so mancher Teenager träumt: Freiheit und Selbstbestimmung. Und noch dazu ist es unheimlich cool, mit dem Auto durch die Gegend zu fahren, Freunde abzuholen und nicht mehr auf Bus und Bahn angewiesen zu sein. Je früher man die Fahrerlaubnis hat, desto besser. Oder doch nicht? Seit 2011 gibt es das „Begleitete Fahren“ (BF17), wodurch Jugendliche bereits mit 17 Jahren Auto fahren dürfen. Allerdings müssen die Vor- und Nachteile dieser Fahrerlaubnis beachtet werden.

Beim „Begleiteten Fahren“ geht es darum, dass Jugendliche unter 18 in Anwesenheit von erfahrenen Autofahrern – meistens die Eltern – am Steuer sitzen und damit wertvolle Tipps erhalten. Statt des richtigen Kartenführerscheins bekommen sie jedoch nur eine Prüfbescheinigung, die zusammen mit dem Personalausweis eine Fahrerlaubnis darstellt. Mit Vollendung des 18. Lebensjahres kann dann der richtige Führerschein abgeholt werden.

Doch es gibt bestimmte Voraussetzungen, die beim „Begleiteten Fahren“ berücksichtigt werden müssen. Wenn man den Führerschein beantragt, müssen die Begleitpersonen bereits mitangegeben werden. Diese werden dann in der Prüfbescheinigung vermerkt. Für die Begleitung gibt es jedoch Kriterien, die diese erfüllen muss. So muss die Person mindestens 30 Jahre alt sein, den eigenen Führerschein seit mindestens fünf Jahren ununterbrochen besitzen und nicht mehr als einen Punkt in Flensburg haben. Die Anzahl der Begleitpersonen ist begrenzt. Während der Fahrt dürfen Begleitpersonen nur verbal eingreifen. Sie dürfen nicht unter Drogeneinfluss stehen, es gilt auch beim Alkohol die Grenze von 0,5 Promille. Die Verantwortung liegt bei den Fahranfängern: Sie müssen darauf achten, dass diese Regeln eingehalten werden. Vorsicht geboten ist auch bei der Wahl des Fahrzeuges: Der Jugendliche darf nur mit dem Auto fahren, für das er angemeldet ist. In ganz Deutschland gibt es den BF17 seit 2011. Niedersachsen war schon 2004 mit Modellversuchen ein Vorreiter.

Praktische Erfahrung sammeln

Wie beim ganz normalen Führerschein gelten auch beim BF17 zwei Jahre Probezeit, die mit dem Erwerb der Fahrerlaubnis beginnen. Sollte der Fahrer also eine Ordnungswidrigkeit begehen, kann die Probezeit verlängert und auch ein Aufbauseminar angeordnet werden. Für die meisten Jugendlichen bietet der Führerschein ab 17 einige Vorteile. Der wohl größte – von den Behörden so beabsichtigt – ist das Sammeln praktischer Fahrerfahrung im Straßenverkehr. Eltern können ihren Schützlingen wertvolle Tipps vermitteln. Diese Hilfe und das dadurch verbesserte Fahrverhalten kann sich später vorbeugend auswirken. Denn wer nicht schon durch einen kleineren Kraftradführerschein oder eben den BF17 Erfahrung hat, kann sich im Verkehr – so ganz auf sich allein gestellt – plötzlich überfordert fühlen. Auch Schüler des Burghardt-Gymnasiums Buchen, die dazu befragt wurden, fanden es gut, jemanden dabei zu haben, den man um Rat fragen kann. So beweisen Statistiken, dass bei Jugendlichen, die das „Begleitete Fahren“ gemacht haben, deutlich weniger Unfälle passieren als bei denjenigen, die ab 18 erstmals auf den Straßen unterwegs sind. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass durch den Führerschein ab 17 auch Geld gespart werden kann. Viele Versicherungen bieten für BF17-Fahrschüler niedrigere Beitragssätze an.

In einem waren sich die Schüler des Buchener Gymnasiums sicher: Man hat zeitlich einen deutlichen Vorteil. Denn wer mit 17 schon den Autoführerschein hat, hat im letzten Schuljahr den Kopf frei für Abschlussprüfungen und kann sich auf das Lernen konzentrieren.

Aber es gibt nicht nur positive Seiten, denn das Fahren mit den Eltern kann auch zu Konflikten führen. Eine Schülerin meinte, ihre Eltern wären sehr beschäftigt. Dadurch könne sie nicht so viel fahren. Und auch Stress mit den Eltern ist nicht auszuschließen. Manche Jugendliche fahren nicht viel mit den Eltern, weil sie mit ihnen bei Fahren nicht klarkommen. Doch das ist nicht der Sinn der Sache, da es den Führerschein aus genau diesem Grund gibt: zusammen fahren, Tipps bekommen und Erfahrung sammeln.

Es kann auch passieren, dass die Fahranfänger durch das „Begleitete Fahren“ unselbstständig werden. Die Jugendlichen verlassen sich zu sehr auf ihre Eltern oder diese nehmen dem Fahrer zu viele eigene Entscheidungen ab. Der Jugendliche ist dann unsicher, wenn er erstmals alleine fährt, und weiß nicht, wie er in gewissen Situationen reagieren soll. Letztlich ist jedoch erkennbar, dass die Meinungen der Schüler des Burghardt-Gymnasiums überwiegend positiv ausfallen. Der BF17 kann den Fahranfänger unterstützen und schafft einen weichen Übergang zwischen dem Fahren mit dem Fahrlehrer und dem alleinigen Fahren.

Trotzdem sollten sich Eltern vorher mit ihren Kindern zusammensetzen und klarmachen, dass das „Begleitete Fahren“ von beiden Seiten Verständnis und Respekt gegenüber dem anderen benötigt.

Von Sandra Gärtner