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Einmal Entgiften, bitte!

Archivartikel

Verhelfen „Detox“-Methoden zu einem gesünderen Körper? Die Wirkung von Entgiftungskuren ist jedenfalls umstritten. Von Lisa Tripps

Der Traum von einem vollkommen gesunden Leben ist wohl unerfüllbar. Zu oft hört man von Menschen, die in anderen Ländern unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen und dabei ständig Giftstoffen ausgesetzt sind. Dass Menschen auch in Deutschland alltäglich verschiedenen Stoffen für den Körper ausgesetzt sind, ist nicht mehr so oft im Bewusstsein.

Es reicht schon der Gang durch die Stadt. Man atmet Abgase von Autos ein, trägt einen Pullover, der zusätzliche Chemikalien enthält, und nebenbei konsumiert man durch die Nahrung Stoffe wie Pestizide, Fungizide oder Herbizide. Manche Menschen haben im Alltag mit Erschöpfung, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen oder auch eine höhere Infektanfälligkeit zu kämpfen.

Dass diese Symptome von einer möglichen „Vergiftung“ stammen können, daran denkt nicht jeder sogleich. Wenn dies der Fall sein sollte, sollen Maßnahmen wie eine Entgiftungskur helfen – denkt man sich zumindest. Immer öfter ist jedenfalls zu hören, dass eine „Entgiftung“ („Detox“) heilende Wirkungen haben soll. Unter dem Begriff versteht man die Einnahme von speziellen Getränken oder Pulvern. Es gibt sogar „Entgiftungspflaster“ zum Auftragen.

Detox-Methoden sollen dazu beitragen, sogenannte Schlacken aus dem Körper zu bringen. Das bedeutet, dass Verdauungsreste, die sich im Darm angesammelt haben, ausgeschieden werden können. Klingt auf den ersten Eindruck ganz plausibel. Immerhin möchte man seinem Körper etwas Gutes tun. Das ist auch der Grund, weshalb immer mehr Menschen auf eine Entgiftungskur zurückgreifen, die in der Regel einige Tage angewendet wird.

Positive Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichten zu folge haben sich Personen im Nachhinein besser, fitter und auch beschwerdefrei gefühlt. Es ist ihre Überzeugung, ihrem Körper dadurch etwas Gutes zu tun. Das hat sie auf eine Entgiftungskur gebracht.

„Man muss begreifen, dass man selbst für sein Leben die Verantwortung trägt“ , äußerte sich dazu eine Person, die ihre komplette Ernährung umgestellt hat und dabei zu der veganen Ernährungsform gekommen ist. Laut ihrer Erfahrung sei die Einnahme von Algen bei einer Entgiftung sinnvoll.

Wissenschaftler zweifeln

Zudem sei Weizengras, selbstgezüchtet oder in Form von Pulver, eine weitere Möglichkeit. Ein asiatisches Getränk namens Kombucha, das in den vergangenen Jahren vor allem in Europa großen Erfolg erzielte, ist ebenfalls ein Klassiker der Entgiftungskur.

Kombucha ist ein Gärgetränk aus Tee und dem Kombuchapilz, dem medizinische Heilkräfte zugeordnet werden.

Es gibt aber auch viele Stimmen, die die Wirkung von Entgiftungskuren bezweifeln. Wissenschaftler betonen, dass es im menschlichen Körper überhaupt keine „Schlacken“ gebe. Demnach sei dieser zwar verschiedenen Giften im Alltag ausgesetzt, jedoch wisse der Körper sich dagegen zu schützen.

Da die Schleimhaut im Darm fortsetzend Zellen abstößt, setze sich dabei nichts fest. Es könne also nicht die Rede sein von Schlacken oder ähnlichen Ablagerungen im Darm. Auch zu den bereits aufgezählten Symptomen einer Entgiftung gebe es bisher nur ungenügend Nachweise, die einer tatsächlichen Besserung der Beschwerden entsprechen.

Vorsicht beim Fasten

Es wird außerdem davor gewarnt, dass zu starkes Fasten auch schädlich sein kann und dabei Kreislaufstörungen, Nierensteine oder Herzrhythmusstörungen auftreten können.

Auch die heilenden Wirkungen des Kombucha-Tees werden von Wissenschaftlern bezweifelt. Bei dem Konsum von Kombucha seien keine gravierenden Besserungen festgestellt worden. Das Getränk habe lediglich eine schwache antibakterielle Wirkung aufgrund des Essig- und Milchsäuregehalts.

Ob eine Entgiftungskur nun wirklich hält, was sie verspricht, ist umstritten. Fest steht, dass eine gesündere Ernährung grundsätzlich Vorteile mit sich bringt.