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Früher konnte man nicht einfach zum nächsten Bäcker gehen

Heute greift man im Notfall zu einer fertigen Backmischung, wenn es schnell gehen muss. Doch wie lief das Backen in vergangenen Jahrhunderten ab? Unsere Jugendredakteurin hat nachgeforscht. Von Lisa Tripps

Wenn es mal schnell gehen muss und der Besuch schon fast vor der Tür steht, greift man doch mal schnell zu einer gekauften Backmischung, um noch einen Kuchen zum Kaffeetrinken bereitstellen zu können. In der heutigen Zeit ist das auch recht einfach und schnell gemacht. Doch vor ein paar Jahrzehnten sah das noch ganz anders aus. So etwas wie eine fertige Backmischung oder einem Tassenkuchen aus der Mikrowelle gab es noch lange nicht. Auch das Brot kaufte man nicht einfach schnell beim nächsten Bäcker. Über lange Zeit gab es bestimmte Tage, an denen man seine Laibe Brot selbst backte. Mal kurz ein paar Zutaten im Brotbackautomaten zusammengemischt und auf den fertigen Laib gewartet, so schnell ging es früher nicht. Mindestens bis ins 19. Jahrhundert wurde der sogenannte Brotbacktag in vielen ländlichen Regionen schon am Vorabend vorbereitet. Da der elektrische Ofen noch nicht erfunden war, musste erst einmal für ein warmes Feuer gesorgt werden. Mit zusammengebundenem Reisig wurde der Ofen für den nächsten Tag gefüllt.

Zudem hat man schon den Sauerteig vorbereitet, damit er über Nacht gehen, und am nächsten Morgen verarbeitet werden konnte. Auch das vom Müller gemahlene Mehl wurde vom Lager geholt, gesiebt und über Nacht an den Ofen gestellt, damit es für die spätere Verarbeitung warm war. Damals hieß es früh Aufstehen. Immerhin mussten auch die Tiere im Stall versorgt werden und die Feldarbeit erledigt werden. Am eigentlichen Backtag wurden meist als erstes Schwarzbrote gebacken, danach folgten die Weißbrote. Mit Hefe angereichert wurden die Laibe dann mit einem Brotschieber in den schon warmen Ofen geschoben. Waren die Laibe dann gebacken, wurden sie meist im Keller auf speziell dafür vorgesehenen Brettern gelagert.

Aber nicht nur Brote mussten gebacken werden. Damit es auch was „Guts“ zum Frühstück gab, wurde meist schon vor dem eigentlichen Brotbacken schnell ein Blotz in den Ofen geschoben. Auch nach dem eigentlichen Backen war die Arbeit noch nicht getan. Immerhin wollte aus dem Ofen auch die ganze Kohle wieder rausgeputzt sein.

Gerade in der Weihnachtszeit fiel einiges an, das gebacken sein wollte. Dann duftete es wie auch heute nicht nur nach leckeren Plätzchen, nein auch das sogenannte Hutzelbrot ließ so manch einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Hutzelbrot ist auch bekannt unter dem Namen Früchtebrot. Hutzeln, also Dörrobst, sind Obst, das man trocknete, um es dann in einem Teig zu verarbeiten. Dazu gehören etwa Zwetschgen, Birnen oder auch Äpfel. Was man heute einfach abgepackt im Supermarkt kaufen kann, wurde früher mit viel Zeitaufwand gebacken.