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„Oft fühlt man sich als jugendliche Zielgruppe nicht gehört“

Archivartikel

„Akzeptier’s oder veränder’s“ – mit diesem Motto tritt die 18-jährige Kreistagskandidatin Xenia Heckmann zur Kommunalwahl an. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt sie, wie es zu ihrer Kandidatur kam. VON SINA HERRMANN

Für Xenia Heckmann ist es zweifelsohne ein besonderes Jahr: Die 18-Jährige macht in diesem Frühjahr ihr Abitur und tritt zudem als Kandidatin für den Kreistag an. Die volljährige Schülerin nutzt somit direkt ihr Recht, sich für die Kommunalwahlen am 26. Mai aufstellen zu lassen. Eine Kandidatin in einem solch jungen Alter ist eher Ausnahme als Regel.

Wir haben uns mit ihr darüber unterhalten, weshalb sie für den Kreistag kandidiert, wie ihr Umfeld darauf reagiert und ob sie ältere Parteikollegen ernst nehmen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, für den Kreistag zu kandidieren? Gab es ein bestimmtes Ereignis, das dich zu diesem Schritt bewegt hat?

Xenia Heckmann: „Ich bin seit eineinhalb Jahren Parteimitglied und wurde gefragt, ob ich Lust auf eine Kandidatur habe. Gerade als junger Mensch teilt man häufig nicht dieselbe Meinung mit Politikern und fühlt sich oft als jugendliche Zielgruppe nicht gehört. In der Wahlserie der Fränkischen Nachrichten habe ich gelesen, dass vielerorts momentan junge Frauen für die Kommunalwahlen gesucht werden – allerdings mit wenig Erfolg, was ich sehr schade finde. Deswegen könnte ich als eben diese Stimme eine andere Sichtweise in den Kreistag bringen, für mehr Pluralismus sorgen und die Interessen von jungen Erwachsenen vertreten.“

Was sagen deine Freunde, Familie, Bekannte und Lehrer dazu?

Heckmann: „Die meisten finden es cool, dass ich mir diesen Schritt zutraue. Ich werde in meinem Vorhaben unterstützt und viele sehen es als Chance für mich. Auch innerhalb der Familie wird Politik großgeschrieben. Meine Eltern begrüßen mein Engagement und ermuntern mich dazu, politisch aktiv zu sein.“

Wie betreibst du deinen Wahlkampf? Ist es anstrengend, diesen neben der Schule –in Zeiten der Abiturprüfungen – zu machen?

Heckmann: „Richtigen ,Wahlkampf’ mit Bannern, Flyern und Plakaten wie zum Beispiel vor der Bundestagswahl gibt es nicht. Die Jugendorganisation der Partei im Main-Tauber-Kreis unterstützt mich in den sozialen Netzwerken, indem wir einen „Counter“ bis zu den Wahlen erstellt haben mit Themen, die für uns persönlich wichtig sind. Es ist selbstverständlich ein zeitlicher Aufwand, aber mit etwas Zeitmanagement und Koordination machbar.“

Solltest du gewählt werden, was sind deine Hauptanliegen im Kreistag?

Heckmann: „Allgemein möchte ich die Jugend vertreten. Ich finde, gerade bei Aktionen wie ,Fridays for future’ oder den Demonstrationen gegen die EU-Urheberrechtsreform merkt man, dass Jugendliche und deren Anliegen in der Politik oft nicht ernstgenommen werden. Außerdem möchte ich nicht, dass bloß die ältere Generation über die Zukunft der Jugendlichen bestimmt. Zu meinen Hauptanliegen gehören beispielsweise auch der schlechte Nahverkehr im Main-Tauber-Kreis, in dem man ohne ,Elterntaxi’, Führerschein oder Auto völlig aufgeschmissen ist, sowie die Erweiterung des kulturellen Angebots in unserer Region.“

Spürst du Unterschiede, wie die älteren Abgeordneten und Kandidaten auf dich reagieren? Wirst du genauso ernstgenommen oder gibt es Disparitäten?

Heckmann: „Innerhalb der Partei waren die Reaktionen auf meine Kandidatur durchweg positiv. Die meisten begrüßen es, dass sich auch jüngere Menschen für Politik interessieren und sich engagieren möchten.

Aber natürlich kann ich in Sachen Kommunalwahl und Politik nicht dieselbe Erfahrung aufweisen wie ältere Generationen und habe sehr viel Respekt und Hochachtung vor ihrem Einsatz.“

Wie möchtest du die Menschen für die Politik begeistern und vor allem junge Leute anregen, wählen zu gehen?

Heckmann: „Man muss sich immer klar machen, dass Politik alle betrifft und nicht nur in unserer Hauptstadt, sondern auch auf kleiner Ebene stattfindet. Dies bietet allen die Möglichkeit, am politischen Prozess aktiv teilzunehmen und Anliegen vorzubringen. Gerade der Brexit zeigt doch, wie wichtig es ist, seine Stimme abzugeben – sonst muss man hinterher mit den Konsequenzen leben. Mein Motto ist: Akzeptier’s oder veränder’s. Mit einem kleinen Kreuzchen an der richtigen Stelle kann man schon etwas verändern.“