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Wie super sind eigentlich diese Superfoods?

Die Jugendredaktion hat sich mit dem Ernährungsexperten Sven Bach über aktuelle Ernährungstrends, Ernährungsmythen und Faustregeln bei der Ernährung unterhalten. Von Lorena Klingert

Die Trends der Ernährung sind tolle Erfindungen – aber für wen? Sind Superfoods wirklich die Gesundheitskracher oder nur eine kommerzielle Kreation? Sven Bach, Diätassistent und Ernährungsexperte, der seit zwölf Jahren zwei Praxen in Stuttgart und Horb am Neckar hat, gibt Antworten. Er bietet regelmäßig Seminare für betriebliche Gesundheitsförderung an, vor allem bei Berufen in Büro und Vertrieb sowie für Vielfahrer und Schichtarbeiter. Auch in Funk und Fernsehen ist Sven Bach regelmäßig zu hören beziehungsweise zu sehen und gibt Verbraucherinfos. So auch in der Sendung „Kaffee oder Tee“ des SWR.

Drei Mahlzeiten am Tag?

Wie sieht es denn mit dem Mythos aus, dass man nur drei Mahlzeiten am Tag essen sollte? „Generell gut, weil man dann weniger Snacks oder Zwischenmahlzeiten zu sich nimmt. Jeder Mensch braucht aber unterschiedliche Mengen an Mahlzeiten pro Tag. Dies lässt sich also nicht pauschalisieren.“ So solle man bei Zwischenmahlzeiten drauf achten, dass man zu Nüssen, dunkler Schokolade, gekochten Eiern, Käsewürfeln, Joghurt oder Quark greift, anstatt zur Chipstüte oder den Gummibärchen, rät Bach. Zwischenmahlzeiten sollten proteinhaltig sein, denn den Bedarf von 17 bis 21 Prozent Protein pro Tag sollte man decken. Obst empfiehlt Bach allerdings nicht als Snacks, da dieses den Hunger meist eher antreibe. Zu den Hauptmahlzeiten sei Obst dagegen gut und auch wichtig.

Neue Superfoods

Generell gilt laut Sven Bach: „Je ,cleaner’ wir essen, desto besser.“ Doch dafür brauche der Körper keine neu erfundenen Superfoods. Stattdessen gebe es meist günstigere, regionalere und gesündere Alternativen. So seien Leinsamen besser als Chiasamen, eine normale Kartoffel enthalte sogar mehr Vitamin C als teure Goji-Beeren. Der Mensch braucht unter anderem Kartoffeln, Karotten, saisonales Gemüse, Spinat, Zucchini, Paprika, Mangold, gutes Brot sowie gutes Fleisch in geringen Mengen, um sich vollwertig und gesund ernähren zu können.

Es sei jedoch gut, dass solche Trends aufkommen, stellt Bach fest, denn so beschäftigen sich auch junge Leute mehr mit dem Thema bewusste Ernährung. „Die meisten der Deutschen nehmen 60 Prozent ihrer Gesamtenergie nach 18 Uhr auf“, berichtet Bach. Der Mythos „Keine Kohlenhydrate nach 18 Uhr“ bleibe jedoch auch ein solcher, da sich die Aussage nicht pauschalisieren lasse.

Eine Gewichtsabnahme hänge immer mit der Reduktion der Energie zusammen – und natürlich auch mit dem, was auf dem Teller lande. Prinzipiell solle man aber darauf achten, dass man zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen keine Mahlzeiten mehr zu sich nehme und das solle im besten Fall vor 20.30 bis 21 Uhr sein. Denn dann beginnt der Körper einen anderen Rhythmus.

Vegetarisch oder vegan

Vegetarische oder gar vegane Ernährung sei generell eine gute Sache, findet Sven Bach. Vor allem aus ethischer Sicht. Man müsse sich allerdings damit auseinandersetzen und sich auskennen, denn sonst entstehe schnell eine einseitige oder gar eine Mangelernährung. Vegetarische Ersatzprodukte, wie beispielsweise fleischlose Wurst, seien nach Bachs Meinung aber ernährungsphysiologisch und ethisch sehr fragwürdig. Sie erhalten teilweise Eiklar von Tieren aus Großgruppenhaltung. So sei zwar der Verzicht auf Fleisch zum Wohl der Tiere an einer Stelle gegeben, löse aber an anderer Stelle wieder einen Schaden aus.

Schokolade, das Genussmittel für Süßigkeiten-Liebhaber schlechthin, sei nur dann gut, wenn es sich auch wirklich um Schokolade handele. Die meisten Produkte enthielten zu viele Zusatzstoffe, Zucker und Milchpulver, bemängelt Bach. In ihnen sei – wenn überhaupt – nur ein geringer Teil an richtigem Kakao enthalten. Ähnlich verhalte es sich mit Gemüsebrühe, denn die bestehe nur zu einem geringen Anteil aus Gemüse und zum Großteil aus Salz und Geschmacksverstärker.

Was genau für den eigenen Körper oder die eigene Ernährung gut sei, müsse jeder selbst herausfinden. Doch es sei wichtig, sich auch mal mit solchen Themen auseinanderzusetzen, was man eigentlich zu sich nimmt und wie bewusst man isst. Schon kleine, nicht aufwendige Tricks können die Ernährung verbessern, so Bach.