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Zeit für Veränderungen

Archivartikel

Im Jahr 1996 durften Jugendliche ab 16 das erste Mal in Niedersachsen an der Kommunalwahl teilnehmen. Bis heute zogen sechs andere Bundesländer nach, darunter auch Baden-Württemberg.

Vier Erstwähler erklären, warum sie wählen und warum es ihrer Meinung nach wichtig ist, auch mit 16 Jahren schon den Gang zur Urne zu wagen.

Für Lisa Wagner (18) aus Eubigheim ist es selbstverständlich, an der Kommunalwahl teilzunehmen. „Es gehört dazu, etwas zu tun, wenn man wirklich etwas verändern möchte“, so ihre Meinung. „Die Jugendlichen können einen Beitrag zur Politik und gegen das Vorurteil der Politikverdrossenheit leisten.“ Deshalb findet sie es schade, dass die Kommunalwahl in der Schule durch Themen wie Europa- oder Bundestagswahl in den Hintergrund gerückt wird. Zudem habe sie kaum wahrgenommen, dass durch Werbung Informationen an die Erstwähler gelangen. In den Medien werde man damit wenig konfrontiert.

Vorteil regionaler Themen

Wer sich informieren wolle, müsse gründlich im Internet recherchieren oder es sich von jemand anderem erklären lassen. „Dabei ist es so wichtig, wählen zu gehen, denn die Folgen seiner Entscheidung bekommt man mit. Die Kommunalwahl hat den Vorteil, dass sie so regional ist“, betont die Achtzehnjährige. Sie möchte vor allem, dass sich im Bus- und Bahnverkehr einiges zum Besseren wendet. Gerade als Schülerin sei sie Zeuge von Unpünktlichkeit, Unverlässlichkeit und unzureichenden Fahrzeiten. Daher hofft sie, dass die Schüler in Zukunft schneller und öfter von A nach B gelangen können.

Dieses Thema spielt auch für Michael Haas (18) eine große Rolle. Er sieht die Kommunalwahl als große Chance, Missstände im Alltag zu beheben. Gerade auf dem Land mangele es an funktionierender Technik und gutem Handyempfang. Weil die Kommunalwahl so regional sei, lohne es sich, als Jugendlicher auf die Dinge aufmerksam zu machen, gegen die man etwas tun möchte. Jeder habe hier die Möglichkeit, Politik mitzugestalten und sein Umfeld zu verbessern. „Die Kommunalwahl steht allerdings immer noch in dem Ruf, nichts auszuwirken. Deshalb gibt es überhaupt dieses fehlende Interesse“, findet Haag. Er fände es gut, wenn alle, die es dürfen, an der Kommunalwahl teilnehmen. Man müsse nur motiviert an die Wahl herangehen, denn man habe eine große Chance, etwas zu verändern.

Meinung aktiv vertreten

Motiviert macht sich auch Lara Stein auf den Weg zur Wahlurne. Sie ist der festen Überzeugung, dass die Kommunalwahl eine wichtige Vorbereitung auf spätere Wahlen ist und man hier erstmals aktiv seine Meinung vertreten kann. Für sie ist es wichtig, mit der eigenen Meinung für etwas einzustehen. Als Erstwähler beginne man, sich frühzeitig mit Politik zu beschäftigen, und laufe nicht Gefahr, mit 18 Jahren am Tag der Wahl unvorbereitet zu sein oder gar nicht erst wählen zu gehen aus Angst, etwas falsch zu machen. Besonders wichtig ist Stein die Versorgung in kleineren Dörfern.

Dort gebe es häufig keine Einkaufsmöglichkeiten oder Gaststätten, weshalb man teilweise mit Bus oder Bahn fahren müsse, um einen Wocheneinkauf zu tätigen. „Das ist nicht nur problematisch für Jugendliche, sondern auch für ältere Menschen, die nicht mehr Auto fahren können“, überlegt Stein weiter.

Sie selbst habe festgestellt, dass sie sich durch die Kommunalwahl nun mehr für Politik interessiert. „Man zeigt eben, dass man auch schon als Jugendlicher eine wichtige Meinung hat.“

Diese Einstellung legt auch Patrick Prechtl an den Tag. Er interessiert sich schon seit langem für Politik und ist somit ein Unterstützer des Wahlrechts ab 16. Die Kommunalwahl ist für ihn die perfekte Gelegenheit, seine Ideen umzusetzen. Er bedauert es außerdem, dass viele Jugendliche die Dörfer verlassen und in die Stadt ziehen. Um dies zu verhindern, erhofft er sich Anreize wie höhere Löhne, die Gründung von Land-Unis oder ,Start-Up-Parks’, in denen junge Menschen aus der Region und darüber hinaus für die Region entwickeln.“ Auch die Polizeidichte und die Technikausstattung an den Schulen sollten laut Prechtl verbessert werden.

Lieber wählen als demonstrieren

Er ist gegen die „Fridays for Future“-Demonstrationen, jugendliche Wähler sollten lieber bei den Kommunalwahlen politisch aktiv werden. Die Förderung auf dem Land ist seiner Meinung nach genauso wichtig wie in der Stadt.

Die Kommunalwahl sei hier die perfekte Methode, an der Politik interessierten Menschen den Weg zu ebnen. Doch auch wer damit nicht besonders viel am Hut habe, solle seiner Meinung nach wählen gehen. Denn der Sinn einer Demokratie sei es, die Lösung zu finden, welche die meisten Wähler zufriedenstelle. Und daher solle jeder, der die Möglichkeit dazu habe, diese Chance nutzen.