Kickers Würzburg

3. Liga Die Würzburger Kickers treten morgen bei Eintracht Braunschweig an / Besonderes Spiel für FWK-Stürmer / Trainer Michael Schiele will frische Leute bringen

Ademis Freude auf mehr Freiheiten

Archivartikel

Kurz bevor Michael Schiele gestern mit den Medienvertretern sprach, schritt der FWK-Vorstandsvorsitzende Daniel Sauer noch geschwind zwischen Kameras und den Würzburger Trainer und zeigte diesem flugs eine Nachricht auf dem Handy. Beide strahlten zufrieden. Wer nun aber dachte, die Unterfranken würden gleich einen „Kracher“ als Neuzugang verkünden, der wurde enttäuscht. Stattdessen beantwortete der 41-Jährige routiniert sämtliche Fragen zur Situation der Kickers und zum nächsten Auswärtsspiel morgen um 14 Uhr bei Ex-Bundesligist Eintracht Braunschweig.

„Wir wollen das ein wenig gerade rücken, was am Montag schief gegangen ist“, sagte Schiele und blendete somit noch einmal zurück zu der bitteren Niederlage seiner Mannschaft gegen Unterhaching. Und obwohl Braunschweig derzeit so gut drauf ist (siehe Infobox unten), ist den Kickers nicht bange vor dem Gastspiel in Niedersachsen, schließlich haben die Würzburger 2019 alle drei Drittliga-Auswärtsspiele gewonnen.

Warum sich der FWK derzeit offensichtlich in der Fremde leichter tut – das gilt es zu erkunden. „Auswärts spielen die Mannschaften mehr mit“, hat Orhan Ademi, mit neun Treffern aktuell Toptorjäger bei den Unterfranken, ausgemacht. Gerade er als Stürmer erfreut sich dann größeren Freiheiten im Spiel nach vorne. Zuletzt gegen Unterhaching war er quasi „zugedeckt“.

Ein Bundesliga-Tor erzielt

In Braunschweig erneut ein Tor zu schießen, wäre für den 27-Jährigen freilich etwas ganz Besonderes, schließlich spielte er einst insgesamt 85 Mal für „die Löwen“. 25 Mal trug er für die Eintracht das Bundesliga-Trikot – und erzielte gegen Schalke 04 auch ein Tor im Oberhaus. „Ich habe noch Kontakt zu Betreuern und Spielern, die noch da sind“, erzählte er gestern ganz entspannt. Ademi glaubt nicht, dass die Kickers nun, da sie neun Punkte hinter dem Relegationsplatz liegen und neun Zähler vor dem ersten Abstiegsplatz, die Spannung beim Team abfällt. „Gut trainieren und gut auf die Spiele vorbereiten“ – das ist das Rezept des Stürmers gegen einen „Spannungsabfall“. Vor einer Woche gab Michael Schiele noch zu, dass er schon auch mal nach oben in der Tabelle blicke. Gestern sagte er allerdings: „Ich schaue derzeit nicht nach oben. Wir sind weiter gut beraten, nach hinten zu schauen.“

Angesichts der dann folgenden englischen Woche wird Schiele „frisches Personal“ aufbieten. Caniggia Elva, Patrick Breitkreuz, Dennis Mast oder Enes Küc sind hier die ersten Kandidaten. „Sie haben sich im Training auch gezeigt“, lobt der Fußballlehrer den Einsatz dieser Spieler. Auch einen „Switch“ auf ein 4-3-3 zieht Schiele in Erwägung. Geplant hatte er eigentlich auch mit Phil Ofosu-Ayeh; er hätte bei seinem Ex-Klub eine Chancen von Beginn an bekommen, doch der Abwehrspieler ist nun gesperrt (wir berichteten).

In Braunschweig müsste seine Mannschaft nicht nur gegen ein wiedererstarktes Team aus Braunschweig antreten, so Schiele, sondern auch „gegen eine geile Fanbase“. Es wäre nicht verwunderlich, wenn zum Spiel gegen Würzburg knapp 20 000 Zuschauer kommen würden. Der dortige Trainer André Schubert hat die Mannschaft im Winter total umgekrempelt. „Sie haben Erfahrung und Mentalität geholt“, hat Kollege Schiele erkannt und fügt kämpferisch an: „Doch das macht es so spannend.“

Bleibt noch zu klären, was Daniel Sauer seinem Trainer nun wirklich auf dem Handy gezeigt hatte: „Wir wollen heute Abend essen gehen, und ich habe ihm schon einmal die Speisekarte gezeigt“, flachste der Vorstandsboss und ging zufrieden grinsend von dannen.