Kickers Würzburg

3. Liga Nach sieben Spielen ohne Sieg beenden die Würzburger Kickers mit dem 5:2 gegen Jena die beispiellose Negativ-Serie

„Brust ist breiter geworden“

FC Würzburger Kickers – FC Carl Zeiss Jena 5:2

Würzburg: Drewes, Kaufmann, Gnaase (79. Syhre), Baumann, Skarlatidis, Ademi (88. Mast), Hägele, Bachmann, Schuppan, Kurzweg, Ahlschwede (60. Göbel).

Jena: Coppens, Cros, Kühne (73. Brügmann), Eckardt, Bock (46. Gerlach), Grösch, Slamar, Eismann, Pannewitz (21. Wolfram), Günther-Schmidt, Tietz.

Tore: 0:1 (15.) Eckardt, 1:1 (23.) Bachmann, 1:2 (30.) Tietz, 2:2 (61.) Schuppan, 3:2 (68., Foulelfmeter) Ademi, 4:2 (73.) Baumann, 5:2 (90.) Mast.– Schiedsrichter: Jonas Weickenmeier (Frankfurt). – Zuschauer: 4767.

Die Buhmänner der vergangenen Wochen waren die Strahlemänner vom Samstag: Orhan Ademi und Dominic Baumann. Die gescholtenen Stürmer erzielten beim 5:2-Erfolg der Würzburger Kickers gegen den FC Carl Zeiss Jena je einen Treffer und bereiteten zudem einen weiteren vor. „Wir haben hart dafür gearbeitet“, sagte Ademi. Und Baumann behauptete: „Wir wussten, dass wir das Ruder herumreißen würden.“ Nach sieben Spielen ohne Sieg gelang den „Rothosen“ nun wieder ein „Dreier“, ein „Dreier“ mit fast schon erlösender Wirkung, ein „Dreier“ als Balsam auf die geschundene Fußballseele der Unterfranken.

„Problemlos weggesteckt hat die Mannschaft die letzten Wochen nicht, aber sie hat immer an sich geglaubt“, sagte FWK-Trainer Michael Schiele. Er sprach mit Bedacht und nicht im Überschwang der Gefühle. Die elenden Spiele der Erfolglosigkeit waren auch am 40-jährigen Coach der Würzburger nicht spurlos vorübergegangen.

Es war ein Befreiungsschlag, gewiss, den die Kickers da gegen Jena gelandet hatten; von einer Kehrtwende zu sprechen, wäre allerdings zu euphorisch. Den Würzburgern stand am Samstag auch Fortuna zur Seite, denn direkt nach der Pause hätten sie das 1:3 kassieren müssen: Wolfram stand nach starker Vorarbeit von Eckardt völlig frei fünf Meter vor dem Kickers-Tor und schoss unerklärlicherweise meterweit über den Kasten (48.). „Die Situation war kritisch, und wir haben auch Glück gehabt“, gestand Michael Schiele. Ihm war nicht entgangen, dass sein Team bei den beiden Gegentoren viel zu laissez-fair verteidigt hatte.

Gegner verteidigt schwach

Die Wende mit vier FWK-Toren binnen 30 Minuten wurde dann von einem Gegner begünstig, der den Würzburgern immer mehr Räume gewährte und das Verteidigen von Drittliga- auf annähernd Kreisliga-Niveau senkte. „Deshalb war der Sieg dann auch in der Höhe verdient“, gestand Gäste-Trainer Mark Zimmermann ein.

„Wir müssen aber auch nicht alles kaputt reden, was vorher war“, wollte Michael Schiele verstanden wissen. Dieses Mal sind „die Dinger“ halt reingegangen: Ademi setzte sich stark im Strafraum durch und bediente übersichtlich Janik Bachmann zum 1:1. Sebastian Schuppan gelang nach einer Freistoß-Flanke von Patrick Göbel mal wieder ein Tor nach einem Standard. Vor dem 3:2 durch Ademis verwandelten Elfmeter warf sich Dominic Baumann fast schon selbstlos ins Getümmel und provozierte das Foul im Strafraum. Das 4:2 erzielte er durch einen herrlichen Drehschutz von der Strafraumgrenze selbst, Mast machte nach einem Konter in der Schlussminute alles klar. „Solche Phasen gibt es. Da gehört es als Stürmer auch dazu, dass man mal von der Bank kommt“, sagte Baumann, der zuletzt nicht von Beginn an spielte.

Ein Auswärts- und zwei Heimspiele haben die Kickers nun noch bis zur Winterpause zu absolvieren. Nach dem Gesetz der Serie in dieser Saison folgen nun wieder ein paar Siege, denn entweder gewinnen die Kickers ein paar Spiele in Folge oder sie bleiben einige Partien hintereinander sieglos. Was auch immer gegen Kaiserslautern, Lotte und Osnabrück kommen mag, Michael Schiele wusste schon nach dem Jena-Spiel: „Unsere Brust ist breiter geworden, wir werden nachlegen können.“