Kickers Würzburg

Fußball Die Würzburger Kickers scheiden mit dem 0:3 gegen Werder Bremen in der ersten Runde des DFB-Pokalwettbewerbs aus

Defensive okay, Defizite im Angriff

FC Würzburger Kickers - SV Werder Bremen 0:3

Würzburg: Hesl, Ahlschwede, Syhre, Neumann, Schuppan, Taffertshofer (63. Baumann), Jopek, Mast (85. Müller), Nikolaou, Bytyqi (77. Königs), Göbel.

Bremen: Pavlenka, Bauer, Augustinsson (87. Garcia), Delaney, Kainz (79. J. Eggestein), Gondorf (63. Bargfrede), Kruse, Veljkovic, Gebre Selassie, Sané, M. Eggestein.

Tore: 0:1 (50.) Veljkovic, 0:2 (74.) Kruse, 0:3 (77.) M. Eggestein. - Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel). - Zuschauer: 8090 (in Offenbach).

Bisher hatte Würzburgs neuer Trainer Stephan Schmidt Vergleiche mit der vermaledeiten Rückrunde der vorigen Zweitliga-Saison tunlichst vermieden. Aber am Samstagabend, nach der 0:3-Niederlage in der Erstrunden-Partie des DFB-Pokalwettbewerbs gegen den SV Werder Bremen, kam auch der FWK-Coach nicht mehr umhin: Mit Blick auf das 1:0 der Werderaner (wir berichteten bereits gestern online auf www.fnweb.de) sprach der 40-jährige Schmidt von einem "Negativwahnsinn". Der Fußballlehrer nahm bei der verunglückten Flanke des Bremers Milos Veljkovic, die sich unhaltbar über Kickers-Keeper Wolfgang Hesl zur Bremer Führung ins Würzburger Tor senkte, die vielen "Kack-Tore" (O-Ton "Elf Freunde", das Magazin für Fußballkultur") der Zweitliga-Rückrunde mit ins Boot. Letztlich sei, so Schmidt, sein Team mit diesem Duseltreffer auf die Verliererstraße geraten.

Diesem Urteil des Kickers-Trainer kann man sicher folgen, zumal diese Leistung gegen die um zwei Klassen höher eingestuften Bremer oberflächlich betrachtet sehr ansprechend war. Die Würzburger Mannschaft zeigte in vielen Phasen, vor allem in der Defensive, dass sie dort hohes Potenzial besitzt. Letztlich hatte Werder während der ersten 45 Minuten nur eine richtig gute Torchance (Gebre Selassie, 39.), die Wolfgang Hesl mit einer starken Parade allerdings zunichte machte.

Die Kickers ihrerseits hätten ihre gute Abwehrleistung in der 45. Minute krönen können, als Emanuel Taffertshofer nach engagierter Mast-Vorarbeit aus fünf Metern nur den Innenpfosten des Bremer Tores traf. Von Pech alleine darf man in dieser Situation aber auch nicht mehr sprechen, denn: Den muss er machen. "Wenn der reingeht, haben wir ein anderes Spiel", sagte FWK-Mittelfeldspieler Jannis Nikolaou nach Schlusspfiff.

Das stimmt gewiss, aber man ist gut beraten, der Meinung von Trainer Stephan Schmidt zu folgen, der sagte: "Wir tun gut daran, uns nicht mit Glück und Pech zu beschäftigen." Bei genauerem Hinsehen fielen nämlich die Kickers-Defizite auf: Es gelang in den gesamten 90 Minuten nicht einmal, dass der Underdog einen stabilen Ballbesitz zustande brachte, um so dem Spiel der Bremer ein wenig den Schwung zu nehmen. "Man kann das gegen einen Bundesligisten nicht erwarten, dass wir Ballphasen haben", meinte zwar Stephan Schmidt, doch die von ihm so gepriesene "gute Physis seiner Truppe" hätte solch eine Spielweise, zumindest von Zeit zu Zeit, möglich gemacht.

Das "Unbedingte" fehlte

Anders war es so wie in Offenbach gesehen: Langer Ball der Kickers, der prompt zurück kam, und so waren die Würzburger nur mit Verteidigen beschäftigt. Diesen unbedingten Mut, die Überraschung zu schaffen, diese bedingungslose Bereitschaft, den selbst artikulierten "Vorteil des Spielrhythmus" auch zu nutzen, war irgendwie nicht zu erkennen. Viele Spieler zeigten zwar phasenweise Präsenz, aber nie dann, wenn es im Offensiv-Spiel darauf ankam. "Festgemacht" wurde vorne gefühlt gar kein Ball, und das ist in solchen "Underdog-Spielen" eben eminent wichtig, damit Mittelfeld und Abwehr nachrücken können.

Die einzige Spitze, Enis Bytyqi, rannte ausschließlich hinterher, und hatte er einmal einen Ball am Fuß, war er sofort wieder weg. Doch welches sind die Alternativen im Angriff? Dominic Baumann ackert viel, hat das Tore schießen allerdings auch nicht erfunden. Auf Marco Königs trifft dies ebenso zu.

Die fehlende Torgefährlichkeit ist ein Grund, warum die Kickers in der Liga auch noch nicht gewonnen haben und deshalb schon wieder in so einem Negativ-Trott drin sind wie am Ende der Zweitliga-Saison. Auch deshalb richtete Maximilian Ahlschwede direkt nach dem Spiel in Offenbach den Blick schon zum kommenden Heimspiel-Sonntag: "Rostock wird ein brutal wichtiges Spiel. Wir brauchen dringend den ersten Sieg." Gewinnen die Kickers nicht, nistet sich der FWK erst einmal im Tabellenkeller ein. Und dies würde den Neuaufbau sicher nicht leichter machen. . .