Kickers Würzburg

3. Liga Die Würzburger Kickers zeigen beim 1:1 in München viele Prädikate einer Spitzenmannschaft / Mit Spaß aufs Oktoberfest

Mit Tarnkappe im Dunstkreis der Topteams

Archivartikel

TSV 1860 München – FC Würzburger Kickers 1:1

München: Hiller, Weber, Moll (85. Abruscia), Mölders, Grimaldi, Wein, Bekiroglu (32. Karger), Willsch (72. Lex), Paul, Lorenz, Steinhart.

Würzburg: Bätge, Wagner (70. Kurzweg), Kaufmann, Gnaase, Baumann (45. Elva), Skarlatidis, Ademi, Hägele, Bachmann (76. Küc), Schuppan, Göbel.

Tore: 1:0 (64.) Grimaldi, 1:1 (82.) Skarlatidis. – Schiedsrichter: Eric Müller (Bremen). – Gelb-Rote Karte: Gnaase (57., wiederholtes Foulspiel). – Zuschauer: 15 000 (ausverkauft).

Am Tag nach dem Spiel gingen beide Mannschaften aufs Oktoberfest. Die „Sechziger“ hatten dort ihren Pflichtauftritt mit den Sponsoren, und die Kickers gingen hin und wollten einfach ein bisschen Spaß haben. Die „Blauen“ lachten bei aufgesetzten Späßen nur gezwungen, die „Rothosen“ alberten ungezwungen. Dabei hatte es im Drittliga-Montagsspiel zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Würzburger Kickers weder Sieger noch Verlierer gegeben. 1:1 endete das bayerische Duell im Stadion an der altehrwürdigen „Grünwalder Straße“ (wir berichteten in unserem Newsticker).

Aber an den Wies’n-Auftritten der beiden Mannschaften konnte man gut erkennen, wie unterschiedlich sich solch ein Unentschieden anfühlen kann: Für die Münchener war es eine gefühlte Niederlage, für die Würzburger ein empfundener Sieg. „Ich bin einer, der auch mal die Sau raus lässt – beim Feiern, aber auch im Training“, sagte Fabio Kaufmann schon am Montag nach dem Spiel. Die Freude über das 1:1 war deshalb so groß, weil die Kickers mehr als eine halbe Stunde in Unterzahl spielen mussten, in Rückstand lagen und dann noch den Ausgleich erzielten. Damit ist der FWK seit sieben Begegnungen ohne Niederlage (fünf Siege/zwei Unentschieden).

Zehn Spieltage sind nun absolviert in der Drittliga-Saison 2018/19, und die Tabelle erhält so langsam eine Aussagekraft. Das Tableau weist die Würzburger Kickers auf dem fünften Platz aus. Bei einem Sieg hätten die Unterfranken sogar Tabellenführer werden können. Dass das nicht so kam, ist Trainer Michael Schiele gar nicht so unrecht. Er kommentierte den Zwischenstopp nach zehn Spieltagen auf Rang fünf wie folgt: „So wie wir spielen und zusammengewachsen sind, gehören wir zu den ersten zehn Mannschaften in der Liga.“

Die Kickers bewegen sich lieber mit Tarnkappe im Dunstkreis der Topteams als auf Rang eins die Fahne des Gejagten zu schwenken. Das Spiel in München zeigte die Stärken der Kickers ganz deutlich: Fußballerisch waren die „Rothosen“, vor allem so lange man elf gegen elf spielte, klar besser als der ambitionierte Gegner. Taktisch agieren Schuppan & Co. mittlerweile äußerst präzise, und der Spielführer nannte noch eine weitere Stärke des FWK: „Ich habe bisher noch keine Truppe gesehen, die mehr Gas geben kann als wir.“ Die Kickers sind topfit und hatten nach dem 1:1 sogar noch den einen oder anderen gefährlichen Angriff, um das Spiel vollends für sich zu entscheiden.

Daniel Hägele gibt Sicherheit

„Nach dem Rückstand hat man gleich gesehen, in welche Richtung wir spielen wollen. Das wurde belohnt“, sagte Sebastian Schuppan. Die Unterfranken spielten stramm nach vorne, anstatt sich einigelnd ihrem Schicksal zu ergeben. „Uns muss man erst mal schlagen“, sagte Fabio Kaufmann. Dabei leuchtete das Selbstvertrauen regelrecht aus seinen Augen.

Der Mannschaft kommt nun auch zugute, dass Daniel Hägele, der zu Saisonbeginn verletzungsbedingt fehlte, wieder voll fit ist und der Abwehr eine bis auf die Tribüne spürbare Sicherheit verleiht.

„Mal sehen, ob wir zur Winterpause immer noch da oben stehen“, sagte Fabio Kaufmann mit einem Augenzwinkern. Im Moment kann man sich nicht vorstellen, dass es nicht so sein wird. Die Würzburger Kickers sind nach dem missratenen Saisonstart zur Spitzenmannschaft gereift, wissen aber auch, dass sie in jedem Spiel an ihre Grenzen gehen müssen, um diesen Status halten zu können.

Mit dieser enormen Fitness sollte das aber zumindest noch eine Weile möglich sein. Oder doch länger…?